Politik

Nach 16 Jahren Haft RAF-Mitglied Schulz begnadigt

Bundespräsident Johannes Rau hat das frühere Mitglied der Rote Armee Fraktion (RAF) Adelheid Schulz begnadigt. Wie das Bundespräsidialamt am Dienstag in Berlin mitteilte, traf der Staatschef diese Entscheidung bereits am 1. Februar. Der Beschluss sei nach eingehender Prüfung sowie auf der Grundlage von Stellungnahmen des Bundesjustizministeriums, des Generalbundesanwalts, des zuständigen Gerichts und der zuständigen Justizvollzugsanstalt gefallen.

Die 46 Jahre alte Schulz gehörte jahrelang der RAF an. 1982 lief sie in einem Wald bei Offenbach zusammen mit der ebenfalls gesuchten RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt den Fahndern in die Arme. Die beiden Frauen wollten sich gerade aus einem versteckten Waffen-, Geld- und Ausweisdepot versorgen.

1985 wurde Schulz vom Oberlandesgericht Düsseldorf erstmals zu lebenslanger Haft verurteilt. Grund war ihre Beteiligung an der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer sowie dessen vier Begleitern.

Im September 1994 erhielt Schulz ein weiteres Mal lebenslänglich. Das Stuttgarter Oberlandesgericht sprach sie des Mordes an zwei Zöllnern 1978 im niederländischen Grenzort Kerkrade, des zweifachen versuchten Mordes und des schweren Raubes schuldig.

Dem Urteil zufolge hatte Schulz aus ihrer polnischen Maschinenpistole ganze Feuersalven auf vier Zöllner abgegeben. Ein 19-jähriger Beamter soll durch eine Kugel aus der Waffe von Adelheid Schulz gestorben sein. Auch im Körper des zweiten Toten, eines 24-jährigen Zöllners, seien Geschosse aus der von Schulz benutzten Pistole gefunden worden. Das Gericht, das sich auf Aussagen von RAF-Aussteigern in der Ex-DDR berief, bezeichnete Adelheid Schulz in seinem Beschluss als "Hardlinerin" der Rote Armee Fraktion.

Nach etwa 16 Jahren Haft wurde die Strafvollstreckung unterbrochen. Schulz kam im Oktober 1998 mit Rücksicht auf ihren schlechten Gesundheitszustand frei.

Quelle: ntv.de