Politik

Angst vor Gaddafis Senfgas Rebellen fordern schwere Waffen

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Gaddafi-Soldaten demonstrieren in einem Ausbildungscamp Siegesgewissheit.

(Foto: REUTERS)

Je länger die Kämpfe im libyschen Bürgerkrieg dauern, desto mehr scheinen die Rebellen den Einsatz von Giftgas durch die Truppen von Machthaber Gaddafi zu fürchten. Vom westlichen Bündnis fordern sie deshalb schwere Waffen. Die Kämpfe in Misrata und selbst in Tripolis gehen derweil weiter - und finden teils auch auf tunesischem Boden statt.

Libyens Rebellen fürchten Angriffe der Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi mit Chemiewaffen und fordern vom Westen die Ausstattung ihrer Kämpfer mit schwerem Gerät. Es würden Helikopter, Panzerabwehrraketen und Schnellboote mit Torpedos gebraucht, sagte Rebellengeneral Abdulfatah Junis. Die NATO flog neue schwere Luftangriffe auf die Hauptstadt Tripolis.

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Zerstörtes Militärgerät in Bengasi.

(Foto: AP)

Junis sagte vor einem Treffen mit Vertretern von EU und NATO in Brüssel, Gaddafi verfüge "unglücklicherweise noch immer über rund 25 Prozent seiner Chemiewaffen". Laut Junis, der unter Gaddafi Innenminister war, bevor er sich auf die Seite der Aufständischen schlug, fürchten die Rebellen vor allem einen Einsatz von Senfgas. Bislang hätten die Rebellen "geringe Mengen" an Waffen erhalten, "wir warten aber darauf, dass unsere Freunde uns mit neuen Waffen ausrüsten", sagte Junis. Mögliche Lieferländer wollte er nicht nennen.

Die Zahl der Todesopfer im Bürgerkrieg könnte nach Angaben des dortigen US-Botschafters bei bis zu 30.000 liegen. Die Schätzungen reichten von 10.000 bis 30.000 Toten, sagte Gene Cretz in Washington. Es werde schwierig sein, vor Ende der Kämpfe einen konkreteren Überblick zu erhalten.

De Maizière unter Freunden

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De Maizière (l) mit US-Kollege Gates.

(Foto: REUTERS)

Verteidigungsminister Thomas de Maizière ist bei seinem Washington-Besuch dem Eindruck entgegengetreten, der Libyen-Konflikt habe das deutsch-amerikanische Verhältnis beschädigt. In seinem Gespräch mit dem scheidenden US-Verteidigungsminister Robert Gates habe das Thema Libyen nur am Rande eine Rolle gespielt - "und zwar so, wie man das unter Freunden macht", sagte de Maizière. "Zwischen Bob Gates und mir gibt es nicht den Hauch einer Irritation."

De Maizière hatte am Dienstag seine dreitägige USA-Reise in New York begonnen, wo er unter anderen UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon traf. Schon dort hatte er deutlich gemacht, dass er die Debatte über die deutsche Libyen-Position gern beenden möchte. "Ich werde dazu keinen neuen Beitrag mehr leisten", sagte er. "Ich glaube, das ist im Interesse Deutschlands." Deutschland hatte sich am 17. März bei der Abstimmung über die Resolution zur Durchsetzung der Flugverbotszone über Libyen der Stimme enthalten, und sich damit von den wichtigsten Bündnispartnern darunter den USA - abgekoppelt.

Kämpfe auch auf tunesischem Gebiet

Französische Kampfflugzeuge setzen in Libyen mittlerweile auch betongefüllte "Bomben" ein, um möglichst wenig Schaden in unmittelbarer Umgebung anzurichten. Die Geschosse explodierten nicht und minderten die Gefahr von Kollateralschäden "beträchtlich", teilte der französische Generalstab mit.

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Moment der Ruhe: Ein Aufständischer in Wazin an der Grenze zu Tunesien.

(Foto: dpa)

Tripolis wurde indes erneut von mehreren schweren Explosionen erschüttert. Eine besonders heftige Detonation ereignete sich, als Kampfflugzeuge der NATO tagsüber die Stadt überflogen. Bereits vor Tagesanbruch waren laut Zeugen vier Explosionen zu hören. Vor der Stadt Sintan im Südwesten des Landes schlugen Rebellen die Kämpfer Gaddafis zurück. Die Regierungstruppen zogen sich in ein benachbartes Dorf zurück. Mehrere Familien flohen in Richtung der tunesischen Grenze.

Am libysch-tunesischen Übergang Dehiba gab es Kämpfe "auf beiden Seiten der Grenze", sagte ein westlicher Militärvertreter. Der Grenzposten war vor einer Woche von Aufständischen eingenommen worden, Gaddafis Truppen eroberten ihn jedoch zurück. Zeugen berichteten, ein dutzend Geschosse sei auf tunesischem Gebiet nahe Häusern der dortigen Bewohner eingeschlagen.

Hunderte Menschen verschleppt

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Verletzte warten in Misrata, um mit einem Schiff evakuiert zu werden.

(Foto: AP)

Nach Angaben eines Staatsanwalts wurden in der Küstenstadt Misrata seit der Besatzung durch Gaddafi-Truppen mehr als 500 Menschen verschleppt. Viele von ihnen seien zwischen zehn und 20 Jahren alt, sagte Tarik Alwach. Die etwa 200 Kilometer östlich von Tripolis gelegene Stadt war weiter heftig umkämpft. Rebellen und Gaddafi-Truppen lieferten sich vor allem in der Nähe des Flughafens Gefechte. Im von den Rebellen kontrollierten Hafen kamen zwei Schiffe mit Lebensmitteln, Medikamenten und Waffen an. Ein Schiff mit rund 1000 Flüchtlingen aus Misrata erreichte die weiter östlich gelegene Rebellenhochburg Bengasi.

Die NATO hat derweil Berichte, wonach bei Luftangriffen in Libyen zwölf Aufständische versehentlich getötet wurden, weder bestätigt noch zurückgewiesen. Ein NATO-Beamter sagte in Brüssel, Kampfflugzeuge hätte am Mittwoch 16 Kilometer südöstlich der Hafenstadt Misrata Kampffahrzeuge angegriffen. "Wir können nicht in unabhängiger Weise Berichte überprüfen, wonach diese Fahrzeuge in der Hand von Oppositionskräften waren. Wir bedauern jeden Verlust von Menschenleben." Der Beamte wies Informationen zurück, wonach die Angriffe der westlichen Stadt Misrata selbst galten. Es habe "keinen Angriff auf ein Gebäude in oder um Misrata" gegeben.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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