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Wie gefährlich ist die Technik? Regierung erlaubt Fracking deutschlandweit

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Erdgasspeicher in Niedersachsen: Künftig könnte ein Teil des in Deutschland geförderten Gases unkonventionelles Schiefergas sein.

picture alliance / dpa

Umweltverbände und Bundesregierung schätzen die Gefahren von Fracking unterschiedlich ein. Ein Gesetz soll jetzt Regeln schaffen. Anti-Fracking-Aktivisten sind empört.

Verseuchtes Trinkwasser, riesige Mengen giftiger Abfälle, Erdbeben: Wenn die Fracking-Gegner recht haben, dann geht die Bundesregierung unnötig hohe Risiken ein. Sie will die Gasgewinnungsmethode in Deutschland regeln, aber nicht verbieten. Ein neues Gesetz soll unter anderem Mindestabstände zu Häusern und Naturschutzgebieten vorsehen und die Entsorgung von Abfällen regeln. "Hier wird nichts ermöglicht, was bislang verboten ist", sagt Umweltministerin Barbara Hendricks, die ihren Gesetzentwurf an diesem Mittwoch vorstellt. "Im Gegenteil: Es wird vieles verboten, was bislang möglich ist." Das Fracking werde so weit eingeschränkt, dass keine Gefahren für Mensch und Umwelt mehr bestünden. Genehmigungen sollen frühestens ab 2018 möglich sein.

Von "unkalkulierbaren Risiken für Natur und Umwelt" spricht dagegen die Generalsekretärin des Deutschen Naturschutzrings. Ein Sprecher des Netzwerks "Gegen Gasbohren" nennt Fracking eine "unbeherrschbare Risikotechnologie". Grüne und Linke wollen ein deutschlandweites Verbot.

Verlockende Aussichten

Dabei wird in Deutschland längst gefrackt. Vor allem Erdgasfelder in Niedersachsen werden, wenn das Gas langsam versiegt, mit dem Wasser-Sand-Chemikalien-Gemisch vollgepumpt. Unter hohem Druck bricht das Gestein rund um das Bohrloch auf und gibt weiteres Gas frei. Seit den 1960er-Jahren machen das die Energiekonzerne in Deutschland. Seitdem hat sich die Technik weiterentwickelt, die USA nutzen sie massiv und haben sich damit von Energieimporten weitgehend unabhängig gemacht. Bald könnte es sich lohnen, auch in Deutschland gashaltiges Schiefergestein anzubohren und zu fracken, insbesondere wenn der Ölpreis wieder steigen sollte.

Die Aussichten sind verlockend: Deutschland verbraucht rund 90 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr, muss aber den weitaus größten Teil davon importieren. Allein aus Russland kamen 2013 ganze 38 Milliarden Kubikmeter. Im deutschen Boden lagern große Mengen an sogenanntem "unkonventionellem Gas", also Gas, das nur durch Fracking gefördert werden kann. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schätzt, dass 700 bis 2300 Milliarden Kubikmeter oder sogar noch mehr unkonventionelles Gas in Deutschland gefördert werden könnte.

Jedes Bohrloch würde Deutschland ein bisschen weniger von Importen abhängig machen. Gas verbrennt nicht nur sauberer als Kohle und spart so bei der Stromproduktion CO2 ein. Die Kraftwerke lassen sich auch schneller hoch- und runterfahren. Damit ist Gas gut geeignet, um die Schwankungen beim Strom aus erneuerbaren Energien aufzufangen.

Drei Argumente gegen Fracking

Trotzdem sind die Umweltschützer strikt gegen Fracking. Und dafür gibt es vor allem drei Gründe:
- Die Gasförderung kann Erdbeben auslösen. Allerdings ist Fracking in dieser Hinsicht weniger gefährlich als die konventionelle Gasförderung. Denn konventionelles Gas hinterlässt viel größere Hohlräume.
- Beim Fracking werden große Mengen mit Chemikalien versetztes Wasser verwendet, die danach entsorgt werden müssen. Ob dieses Wasser je wiederaufbereitet werden kann, ist unklar. Außerdem steigt Wasser aus der Tiefe auf, das von Natur aus giftig ist.
- Und die größte Sorge: Um an die Gaslagerstätten heranzukommen, muss zunächst die trinkwasserführende Bodenschicht durchquert werden. Das Bohrloch wird in diesen Bereichen mit Zement abgedichtet. Trotzdem ist es theoretisch möglich, dass giftiges Wasser aus dem Loch in das Trinkwasser gerät.

Brennende Wasserhähne sind übrigens nicht zu erwarten, auch wenn das einmal in einer Dokumentation aus den USA so dargestellt wurde.

Vergleicht man die Nachteile von Schiefergas mit denen anderer fossiler Brennstoffe, wirken sie eher gering. Braunkohle etwa muss in riesigen Tagebauen gewonnen werden, ganze Dörfer werden umgelagert. Der Steinkohleabbau ist nur mit massiven Subventionen möglich. Doch die Grünen argumentieren anders: "Der Umstieg auf erneuerbare Energien wird durch Fracking verzögert", meint die Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden. Ihre Partei will Fracking ganz verbieten. Je mehr fossile Energie verfügbar ist, desto weniger stark sei der Druck, mehr Wind- und Sonnenenergie zu erschließen.

Quelle: n-tv.de

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