Politik

Holocaust-Gedenken im Bundestag Reich-Ranicki spricht als Zeitzeuge

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Marcel Reich-Ranicki spricht im Deutschen Bundestag.

(Foto: dpa)

Der Bundestag gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus. Anlass ist der 67. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki erinnert in seiner Gedenkrede an die Verfolgung der Juden und den von den Nazis organisierten Völkermord. Der 91-Jährige hatte das Warschauer Ghetto überlebt.

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Voßkuhle und Wulff müssen den Gast stützen.

(Foto: dpa)

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat zum Holocaust-Gedenktag Bürger gewürdigt, die sich gegen Rechtsextremismus und Neonazi-Umtriebe engagieren. "Es sind Menschen, die ein Beispiel geben und Mut machen", sagte er in einer Gedenkstunde im Bundestag zum 67. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

Lammert erinnerte an die im vergangenen Herbst aufgedeckte Neonazi-Mordserie. Diese Gewalt und dieser Hass seien nicht zu akzeptieren, sagte er. Der Parlamentspräsident wies auch darauf hin, dass nach aktuellen Untersuchungen 20 Prozent der Bundesbürger latent antisemitisch eingestellt seien. "Das sind in Deutschland genau 20 Prozent zu viel", sagte er.

"Aussiedlung in den Tod"

Lammert begrüßte den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der in seiner Rede aus persönlicher Erinnerung die Verfolgung der Juden und den von den Nazis organisierten Völkermord schilderte. "Die in den Vormittagsstunden des 22. Juli 1942 begonnene Deportation der Juden aus Warschau nach Treblinka dauerte bis Mitte September. Was die 'Umsiedlung der Juden' genannt wurde, war bloß (...) eine Aussiedlung, die Aussiedlung aus Warschau. Sie hatte nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck – den Tod." Der 91-Jährige wuchs in einer jüdischen Familie auf und überlebte die Gefangenschaft im Warschauer Ghetto.

Reich-Ranicki war ganz offensichtlich gesundheitlich angeschlagen. Bundespräsident Christian Wulff und der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Andreas Voßkuhle, stützten ihn auf dem Weg zum und vom Rednerpult. An dem Gedenken nahmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesratspräsident Horst Seehofer (CSU) teil. Nach der Rede herrschte im Bundestag minutenlange Stille, unterbrochen durch verhaltenen Beifall.

Am Holocaust-Gedenktag wird weltweit der Opfer der Judenverfolgung durch die Nazis gedacht. Am 27. Januar 1945 waren die Überlebenden des von sowjetischen Truppen befreit worden. Auschwitz steht symbolhaft für den Völkermord und die Millionen Menschen, die vom Nazi-Regime verfolgt und umgebracht wurden. Seit 1996 erinnert auch der Bundestag jährlich in einer Gedenkstunde an die Befreiung des Vernichtungslagers.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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