Politik
(Foto: AP)
Sonntag, 23. September 2018

Übergriff nach Schülerparty: Richter-Berufung hängt von Anhörung ab

US-Präsident Trump will den erzkonservativen Brett Kavanaugh an das Oberste Gericht berufen. Doch eine Frau wirft Kavanaugh einen Vergewaltigungsversuch vor. Nun steht der Termin für ihre Aussage.

Die Professorin Christine Blasey Ford wird am Donnerstag im US-Senat zu ihren Vorwürfen gegen den Richterkandidaten Brett Kavanaugh aussagen. Dies sei das Ergebnis eines Telefonats zwischen dem Justizausschuss und den Anwälten von Ford, berichteten mehrere US-Medien, darunter "Politico" und "Daily Beast", unter Berufung auf informierte Kreise.

Die 51-jährige Professorin hatte sich zuvor bereits grundsätzlich bereit erklärt, vor dem Ausschuss auszusagen. Es gab aber ein mehrtägiges Tauziehen zwischen ihren Anwälten und dem republikanischen Ausschussvorsitzenden Chuck Grassley über den genauen Termin und die Rahmenbedingungen der Anhörung. Der Ausschussvorsitzende Chuck Grassley hatte Ford zunächst vorgeschlagen, bereits am Montag in einer öffentlichen Anhörung auszusagen. Später schlug er den Mittwoch vor und setzte Ford eine Frist bis Freitagabend, um darüber zu entscheiden. Andernfalls werde der Ausschuss am Montag über Trumps Wunschkandidaten für den mächtigen Supreme Court abstimmen - ohne sie vorher anzuhören. Später verlängerte Grassley die Frist dann bis Samstag 20.30 Uhr MESZ.

Die Psychologie-Professorin aus Kalifornien gibt an, Kavanaugh habe versucht, sie nach einer Schülerparty Anfang der 1980er-Jahre zu vergewaltigen. Der 53-Jährige bestreitet das energisch. Auch er soll vor dem Ausschuss angehört werden. US-Präsident Donald Trump hat ihn als Richter für den Supreme Court vorgeschlagen, den obersten Gerichtshof der USA. Kurz vor der Entscheidung des US-Senats über die hochrangige Personalie hatte Ford die schweren Vorwürfe gegen den umstrittenen konservativen Juristen erhoben. Seine Berufung an das höchste US-Gericht ist damit ins Wanken geraten.

"Das packe ich nicht."

Die Vorwürfe gegen Kavanaugh sind Gegenstand einer heftigen parteipolitischen Auseinandersetzung in Washington geworden. Die Demokraten sehen eine Chance, Kavanaughs Nominierung hinauszuzögern, bis sich nach den anstehenden Kongresswahlen am 6. November möglicherweise die Mehrheitsverhältnisse im Senat ändern und der erzkonservative Richter verhindert werden könnte.

Fords Ehemann Russell sagte der Zeitung "Washington Post", die Nominierung Kavanaughs habe bei seiner Frau schmerzhafte Erinnerungen wachgerufen. "Sie sagte: Das packe ich nicht." Sie habe gesagt, sie werde nach Neuseeland auswandern, wenn Kavanaugh an das Oberste Gericht berufen werde.

Ford hatte nach eigener Schilderung erstmals 2012 während einer Paartherapie mit ihrem Ehemann genauer von der sexuellen Attacke erzählt, die sie als 15-Jährige erlebt habe. Sollte die Anhörung der Wissenschaftlerin in dem Ausschuss öffentlich stattfinden, ist ein gigantisches Medienspektakel zu erwarten.

Quelle: n-tv.de