Politik

Aufarbeitung noch nicht abgeschlossen Rostocker Friedenseiche abgesägt

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Vor dem Sonnenblumenhaus in Lichtenhagen pflanzten Rostocker erst am Sonntag eine Friedenseiche.

(Foto: dapd)

Der Bundespräsident hält eine Rede und Tausende sind gekommen, um den rechten Krawallen von 1992 zu gedenken. Vor das Sonnenblumenhaus, in dem vor zwanzig Jahren Asylanten angegriffen wurden, pflanzen Bürger eine Friedenseiche. Nur drei Tage später ist es vorbei mit dem Frieden, sie wird nachts gefällt.

Sie sollte ein Zeichen der Hoffnung sein: Die neugepflanzte Friedenseiche vor dem Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen ist in der Nacht abgesägt worden. Der Baum war erst am Wochenende zur Erinnerung an die ausländerfeindlichen Ausschreitungen von 1992 gepflanzt worden.

Die Polizei hatte in den vergangenen Tagen ihre Streifengänge verstärkt. Die Baumfällung wurde aber von Anwohnern bemerkt, wie ein Stadtsprecher mitteilte. Im Internet bekannten sich Antifaschisten zu der Tat. Die Gruppe kritisierte, die Eiche sei als "Symbol für Deutschtümelei und Militarismus ... für die Menschen, die 1992 dem Mob in Rostock-Lichtenhagen ausgesetzt waren, ein Schlag ins Gesicht". Sozialsenatorin Liane Melzer sagte: "Das Absägen der Eiche ist ein Zeichen, dass der Aufarbeitungsprozess noch längst nicht beendet ist." Es werde ein neuer Baum gepflanzt.

Im August 1992 hatten Jugendliche und Erwachsene in Rostock die überfüllte zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein benachbartes Heim für vietnamesische Arbeiter mit Steinen und Brandsätzen tagelang angegriffen, ohne von der Polizei wirksam gestoppt zu werden. Aus der Menge der Schaulustigen bekamen sie dafür immer wieder Applaus. In den Häusern befanden sich 150 Menschen, darunter rund 100 Vietnamesen und zahlreiche Sinti und Roma. Durch Glück wurde niemand getötet.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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