Politik

Der Kriegstag im Überblick Russische Truppen nehmen Donezk ins Visier - Melnyk muss Posten räumen

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Nach einem Angriff auf ein Wohngebiet in Kostjantyniwka südlich von Kramatorsk stehen Gebäude in Flammen.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Im Osten der Ukraine intensivieren Russlands Truppen nach ukrainischen Angaben ihre Angriffe auf die Region Donezk. Der ukrainische Präsident entlässt seinen Botschafter in Deutschland. Der frühere Kreml-Chef Medwedew freut sich derweil darüber, dass mit seinem Land wieder "ernsthaft gerechnet" werde. Der 135. Kriegstag im Überblick.

Die russische Armee rückt im Osten der Ukraine weiter vor und nimmt nach der Einnahme des Gebiets Luhansk zunehmend die Region Donezk in den Fokus. Die Besatzer führten Angriffe von Lyssytschansk aus in Richtung Westen, sagte der ukrainische Gouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj. "Wir geben uns Mühe, die bewaffneten Gruppierungen der Russen auf ganzer Linie aufzuhalten." Allerdings greifen diese Hajdaj zufolge von mehreren Seiten an und versuchen, tief in das benachbarte Gebiet vorzudringen. Von unabhängiger Seite lassen sich die Berichte aus den Kampfgebieten kaum überprüfen.

Russland dürfte als nächstes im Gebiet Donezk die größeren Städte Slowjansk und Kramatorsk im Blick haben. Es ist erklärtes Ziel Moskaus, die Region komplett der ukrainischen Kontrolle zu entreißen. Die Stadt Lyssytschansk, die als letzte ukrainische Bastion im Gebiet Luhansk galt, hatte Russland am vergangenen Wochenende eingenommen.

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs in Kiew gab es auch in anderen Teilen des Landes Beschuss, darunter in den Gebieten Charkiw und Tschernihiw. Dabei sei auch zivile Infrastruktur getroffen worden. Es seien jedoch immer wieder Angriffe des Feindes zurückgeschlagen worden, hieß es. Ukrainische Luft-, Raketen- und Artillerieeinheiten feuerten auf Ansammlungen russischer Truppen und auf Munitionslager.

Moskau rühmt sich mit zerstörten westlichen Waffen

Russland vernichtete nach eigenen Angaben bei massiven Angriffen im Osten der Ukraine einmal mehr auch westliche Waffen. In der Nähe der Ortschaft Tschassiw Jar im Gebiet Donezk sei ein Hangar mit von den USA gelieferten M777-Haubitzen zerstört worden, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow. Demnach wurden dort auch zahlreiche ukrainische Soldaten getötet. Auch im Gebiet Mykolajiw im Süden des Landes, in der Region Dnipropetrowsk um die Millionenstadt Dnipro sowie anderen Teilen des Landes seien bei Artillerie- und Raketenangriffen Dutzende ukrainische Soldaten getötet sowie Militärtechnik und teils Munitionslager zerstört worden, sagte Konaschenkow.

Selenskyj entlässt Botschafter Melnyk

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Botschafter seines Landes in Deutschland, Andrij Melnyk, entlassen. Außer Melnyk wurden laut Präsidialamt auch die Botschafter der Ukraine in Ungarn, Norwegen, Tschechien, Indien, auf den Malediven, in Nepal, Sri Lanka und Bangladesch entlassen. Selenskyj bezeichnete die Abberufung als normalen Vorgang. "Ich habe heute Dekrete über die Entlassung einiger Botschafter der Ukraine unterzeichnet. Diese Frage der Rotation ist ein üblicher Teil der diplomatischen Praxis", sagte er in einer Videobotschaft, ohne einen Botschafter namentlich zu nennen. "Für Tschechien, Deutschland, Ungarn, Norwegen und Indien werden neue Vertreter der Ukraine ernannt", sagte Selenskyj. Die Kandidaten würden vom Außenministerium vorbereitet.

Melnyk hatte sich als scharfer Kritiker der Bundesregierung einen Namen gemacht. Der 46-Jährige war zuletzt in die Kritik geraten wegen Äußerungen über den ukrainischen Nationalisten und Antisemiten Stepan Bandera. Die "Bild" und die "Süddeutsche Zeitung" hatten unter Berufung auf ukrainische Quellen berichtet, Melnyk solle abberufen werden und ins Außenministerium nach Kiew wechseln. Noch im Herbst könnte er stellvertretender Außenminister werden, schrieb die "Bild"-Zeitung. Melnyk war seit Januar 2015 Botschafter in Deutschland - eine außergewöhnlich lange Zeit für einen Diplomaten auf einem Posten.

Munitionsnachschub für "Gepard"-Panzer gesichert

Die Bundesregierung hat einem Medienbericht zufolge langfristig den Nachschub an Munition für die der Ukraine zugesagten "Gepard"-Panzer gesichert. Das Kanzleramt habe zusammen mit dem Verteidigungsministerium in Norwegen einen Hersteller gefunden, der weitere Munition für das Flugabwehrsystem herstellen könne, berichtete der "Spiegel" unter Berufung auf Regierungskreise. Eine Bestätigung von Regierungsseite gab es dazu zunächst nicht. Die zusätzliche Munition des norwegischen Herstellers solle bereits kommende Woche auf dem Bundeswehr-Schießplatz in Putlos in Schleswig-Holstein getestet werden.

London: Russische Reserven haben veraltetes Gerät

Die Verstärkungen der russischen Armee in der Ukraine werden nach Ansicht des britischen Verteidigungsministeriums mit veraltetem oder ungeeignetem Gerät losgeschickt. So habe ein großer Teil der russischen Reserven, die aus dem ganzen Land zusammengezogen würden, lediglich Truppentransporter des sowjetischen Typs MT-LB zur Verfügung. Diese Fahrzeuge seien deutlich schwächer gepanzert und bewaffnet als die Schützenpanzer BMP-2, die zu Kriegsbeginn eingesetzt wurden.

Zur militärischen Ausbildung Tausender Ukrainer für den Krieg gegen Russland hat Großbritannien indes ein neues Programm gestartet. Eine erste Gruppe von insgesamt bis zu 10.000 unerfahrenen Freiwilligen aus der Ukraine habe erste Übungen absolviert, teilte das britische Verteidigungsministerium mit. Das mehrwöchige Militärtraining basiert auf der britischen Grundausbildung für Soldaten und umfasst den Umgang mit Waffen, erste Hilfe auf dem Schlachtfeld, militärische Taktik und Kriegsrecht. Mehr als tausend Briten beteiligen sich in den kommenden Monaten an der auf verschiedenen Militärstützpunkten in England stattfindenden Ausbildung.

Medwedew: Russland wird wieder ernst genommen

Der frühere russische Präsident und heutige Vizechef des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, schrieb bei Telegram, der Krieg habe die internationale Bedeutung Russlands gestärkt. "Mit Russland wird nun ernsthaft gerechnet. Wie mit der Sowjetunion. Und in mancher Hinsicht sogar noch ernsthafter, dem Sanktionspaket nach zu urteilen." Vor allem westliche Staaten verurteilen den russischen Angriff heftig. Einige Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten haben ihre Teilnahme an einem Gipfel im November infrage gestellt, sollte Russlands Präsident Wladimir Putin dort persönlich auftreten.

Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter bezweifelte die jüngsten Warnungen Putins, dass Russland den Krieg in der Ukraine noch gar nicht richtig angefangen habe. "Für mich sind das leere Drohungen, weil Russland sich eine weitere Eskalation nicht leisten kann", sagte Kiesewetter. Auch das britische Verteidigungsministerium meldete Zweifel an den Aussagen an. Putin hatte mit Blick auf die russische Offensive in der Ukraine gesagt: "Jeder sollte wissen, dass wir im Großen und Ganzen noch nichts Ernsthaftes begonnen haben."

Scholz warnt vor andauernder Energieknappheit

Maßnahmen gegen Energieknappheit könnten nach Einschätzung von Bundeskanzler Olaf Scholz auch über den kommenden Winter hinaus notwendig sein. "In diesen Tagen beschäftigt uns die Sicherheit unserer Energieversorgung. Sie wird es noch die nächsten Wochen, Monate und auch Jahre", sagte der SPD-Politiker in einer Videobotschaft. Verschärft wird die Debatte durch die Angst um ein Ende der Gaslieferungen aus Russland. Am Montag sollen jährliche Wartungsarbeiten an der Ostseepipeline Nord Stream 1 beginnen, die in der Regel zehn Tage dauern. Die Sorge ist, dass Russland nach der Wartung den Gashahn nicht wieder aufdreht.

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Quelle: ntv.de, chf/dpa

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