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Inspekteure verlassen Syrien am Samstag Russland schickt Kriegsschiffe los, Briten senden Jets

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Russland besitzt eine erhebliche Seestreitkraft.

(Foto: REUTERS)

Russland ist nicht einverstanden mit einem Militärschlag in Syrien - und zeigt das auch. Der Kreml sendet weitere Schiffe Richtung Mittelmeer. Auch andere Länder verstärken ihre Präsenz. Die Arbeit der UN-Kontrolleure endet nämlich bald.

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Britische Typhoon-Jets auf einem Stützpunkt bei London.

(Foto: Reuters)

Russland will weitere Kriegsschiffe ins Mittelmeer schicken. Ein auf den Kampf gegen U-Boote spezialisiertes Schiff werde "in den nächsten Tagen" die bereits vorhandenen Einsatzkräfte verstärken, sagte ein Vertreter des russischen Generalstabs. Später werde ein Schiff mit einer Raketenabschussvorrichtung folgen. Vermutlich handelt es sich um den Raketenkreuzer "Moskwa" und die "Warjag", ein Lenkwaffenkreuzer. "Die bekannte Lage, die im östlichen Mittelmeer heraufzieht, macht eine Anpassung unserer Seestreitkräfte nötig", sagte der Generalstabsvertreter. Im Mittelmeer sind auch mehrere Kriegsschiffe der USA unterwegs, von denen aus Raketenangriffe auf Ziele im Anrainerstaat Syrien möglich wären.

Großbritannien schickte sechs Kampfflugzeuge nach Zypern. Die Kampfjets vom Typ Typhoon würden am Stützpunkt Akrotiri stationiert, teilte das Verteidigungsministerium mit. Es handele sich um eine "reine Vorsichtsmaßnahme, um die britischen Interessen zu schützen", etwa durch die Verteidigung britischer Hoheitsgebiete. Die Flugzeuge sollen angeblich nicht an möglichen Einsätzen gegen Syrien teilnehmen.

Vorbereitung auf Giftgasopfer

Die türkische Armee bereitet sich auf mögliche Vergeltungsaktionen nach den  erwarteten US-Angriffen vor.  In der Provinz Hatay an der Grenze zu Syrien seien  Luftabwehrraketen in Stellung gebracht worden, berichteten mehrere  Zeitungen. Die türkische Luftwaffenbasis in  Diyarbakir, rund hundert Kilometer nördlich der Grenze, wurde  demnach um 20 zusätzliche Kampfjets verstärkt. Die zivilen Behörden  in der Grenzregion bereiten den Berichten zufolge die Behandlung  von Giftgasopfern vor.

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Das Beobachterteam unterwegs in Damaskus.

(Foto: imago stock&people)

Die UN-Inspekteure in Syrien werden nach den Worten von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon das Land am Samstagmorgen verlassen. An diesem Freitag sollen die Untersuchungen noch weiterlaufen, sagte Ban. Die Chemiewaffen-Experten würden ihm Bericht erstatten, sobald sie Syrien verlassen hätten. Die Inspekteure der Vereinten Nationen setzten demnach ihre Arbeit im Umland der syrischen Hauptstadt Damaskus fort. Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad meldeten, das Team sei am Vormittag in den Bezirk Al-Ghuta Al-Scharkija gefahren.

Ban sagte, er habe mit US-Präsident Barack Obama gesprochen. Es sei unter anderem darum gegangen, wie man die Untersuchungen beschleunigen könnte. "Ich habe auch meinem ernsthaften Wunsch Ausdruck verliehen, dass das Untersuchungsteam seine Arbeit fortsetzen kann", sagte Ban. Er habe Obama versichert, dass die Inspekteure alle Ergebnisse mit der Staatengemeinschaft teilen würden.

Iran erinnert an Vietnam

Ein Militärschlag löst nach Einschätzung des iranischen Außenministers Mohammed Dschawad Sarif mehr Terrorismus weltweit aus. "Ein Krieg in Syrien würde nur zu einer Spirale der Gewalt, mehr Extremismus und besonders mehr Terrorismus weltweit führen", sagte er. Nur eine rationale Zusammenarbeit aller Staaten und eine Rückkehr zur Diplomatie könnten eine Katastrophe in der Region verhindern.

Sarif stellte Militäreinsätze generell infrage. "Ob nun in Vietnam, Afghanistan oder im Irak, all die militärischen Optionen haben weder diesen Ländern noch dem Westen was gebracht, außer dass sie alle kläglich gescheitert sind."

Auch der russische Vizeaußenminister Gennadi Gatilow bekräftigte die ablehnende Haltung seiner Regierung zu einem möglichen militärischen Eingreifen des Westens in Syrien. Ein solcher Einsatz wäre eine "unverhohlene Kampfansage" an die UN-Charta und verstoße auch gegen "andere internationale Rechtsnormen", sagte Gatilow.

US-Präsident Barack Obama lässt indes den Zeitpunkt für einen Militäreinsatz offen. "Ich habe noch keine Entscheidung getroffen", sagte er dem Fernsehsender PBS. Zugleich äußerte Obama, dass die USA zu der Einschätzung gelangt seien, dass die syrische Regierung unter Machthaber Assad für die mutmaßlichen Giftgasangriffe der vergangenen Woche verantwortlich ist. Ähnlich hatte sich zuvor US-Vizepräsident Joe Biden geäußert. Gerüchten zufolge zeigt sich die Schuld durch abgehörte Telefonate zwischen Abteilungen der syrischen Armee.

Obama schloss im Gespräch mit dem Sender aus, dass sich die USA "direkt" in den syrischen Bürgerkrieg einmischen. Regierungssprecher Jay Carney hatte ebenfalls bereits gesagt, dass die USA Assad nicht stürzen, jedoch eine klare Botschaft an Damaskus senden wollen. Angesichts der Vorwürfe, die syrischen Regierungstruppen hätten im Großraum Damaskus Chemiewaffen eingesetzt, diskutieren derzeit mehrere Staaten eine militärische Intervention.

Die Armee habe ihm verschiedene Handlungsmöglichkeiten dargelegt, fügte Obama hinzu. Zudem habe er ausführliche Diskussionen mit seinen Sicherheitsberatern geführt. Die Entscheidung, ob und wie die USA in Syrien eingreifen werden, sei aber noch nicht gefallen. Ein solcher Eingriff könne nicht alle Probleme in Syrien lösen. Er würde dem Assad-Regime aber ein "ziemlich starkes Signal" geben, den Giftgaseinsatz besser nicht zu wiederholen.

Quelle: n-tv.de, jmü/dpa/AFP

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