Politik

Tauziehen um Arktis-Öl Russland schickt mehr Soldaten

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2007 stellte Russland zur Machtdemonstration eine Fahne am Nordpol auf.

(Foto: dpa)

Mit Soldaten und der ersten Öl-Raffinerie im Polargebiet will Russland seine Führung in der Arktis demonstrieren. Bei der "internationalen" Arktis-Konferenz geht es vor allem um russische Rohstoff-Interessen. Durch den Klimawandel sind Öl und Gas leichter zu erreichen. Es wird aber auch schwerer, Hoheitsgebiete zu verteidigen.

Russland macht seine Ansprüche auf die immensen Bodenschätze in der Polarregion geltend. Das größte Land der Erde sei eine "Führungsnation" in der Region. Zur internationalen Arktis-Konferenz in der nordrussischen Stadt Archangelsk ist auch Regierungschef Wladimir Putin angekündigt. Bei dem zweitägigen Treffen am Weißen Meer sollen russische Experten beweisen, dass das auf Öl- und Gasexporte angewiesene Land zu Recht ein riesiges Gebiet von rund 1,2 Millionen Quadratkilometern fordert.

Auf der Bühne der Weltpolitik fristete der hohe Norden bisher ein Schattendasein, doch wegen des Klimawandels ist die Region zu einem Brennpunkt geopolitischer Interessen geworden. Auch Deutschland ist nicht gänzlich unbetroffen. Russland und Norwegen sind die wichtigsten Energielieferanten für Deutschland.

Soldaten sollen Gebiete abgrenzen

Vor allem Öl und Gas, angeblich 25 Prozent der weltweiten Vorräte, aber auch Diamanten und Kohle liegen in gewaltigen Mengen unter dem Eismeer. Die Bodenschätze machen die Region zum Rohstofflager der Zukunft. Und die immer schneller schmelzenden Eismassen erleichtern den Zugang. Es geht um Milliardeneinnahmen.

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Durch den Klimawandel könnten sich die Machtverhältnisse in der Arktis verschieben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Moskau tut alles, um seinen Anspruch zu untermauern: Mehr Grenzsoldaten werden in das Gebiet verlegt, neue Brigaden gebildet, Militärstützpunkte ausgebaut. Das Außenministerium nennt als Grund den Klimawandel. "Früher war unsere Staatsgrenze durch Eis und harsches Klima gesichert", sagte Sonderbotschafter im Moskauer Außenministerium Anton Wassiljew in einem Interview. Nun sind tausende Kilometer unbewacht. "Wirtschaftliche Entwicklung ist unmöglich ohne verlässliche Lösungen in Sicherheitsfragen", sagte Zivilschutzminister Sergej Schoigu am ersten Tag der Konferenz. Für eine bessere Ausbeutung der Rohstoffe will Russland die erste Raffinerie in der Polarregion sowie ein umfassendes Kommunikations- und Überwachungssystem aufbauen.

"Wir sehen die Arktis als unser Haus und als unsere Zukunft", sagte Wassiljew weiter. "Russland spricht von sich selbst als Führer in der Arktis. Aber das kann auch nicht anders sein - denn die Hälfte der Arktis gehört Russland." Moskaus Standpunkt: Der Meeresboden sei eine natürliche Verlängerung des russischen Festlands. Beweise dafür will Moskau im kommenden Jahr dem zuständigen UN-Gremium vorlegen. Kürzlich lief deshalb eine weitere Forschungsexpedition Richtung Nordpol aus.

Konferenz ist wenig international

Offiziell dient die Konferenz unter dem Motto "Dialograum Arktis", gut 1000 Kilometer nördlich von Moskau, der Zusammenarbeit. Tatsächlich sind kaum Vertreter der Arktis-Staaten zugegen. Zu den Teilnehmern gehören unter anderem der isländische Präsident Ólafur Ragnar Grímsson, Fürst Albert von Monaco, US-Forscher sowie der Präsident des Arktischen Rates. Den Ausbau und den Schutz der Transportwege gelte es zu besprechen, erklärt Wassiljew. Nun, da die Nordostpassage entlang der Nordküste Europas und Asiens im Sommer fast immer eisfrei ist, bietet sich die Strecke auch als alternativer Seeweg gen Fernost an.

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Umweltschützer sorgen sich um bedrohte Tierarten, die von den Bohrungen betroffen sein könnten.

(Foto: dpa)

Doch gleichzeitig macht Moskau klar, dass es keine Einmischung in seiner "Vorratskammer" duldet: NATO-Kräfte in der Polarregion seien nicht erwünscht, verkündet das Außenministerium. Und eine waffenfreie Arktis sei derzeit auch nicht in Sicht. Bereits in der Vergangenheit hat Russland immer wieder betont, dass es die Gegend notfalls auch mit militärischer Gewalt verteidigen werde.

Russland selbst zelebriert motivstark seinen Anspruch: Im Stadtzentrum von Archangelsk feiert die Jugend den Wissenschaftler Michail Lomonossow, ein Kind des Nordens - und einer der ersten Polarforscher. Russland ehrt den berühmten Gelehrten im Jahr seines 300. Geburtstages als Vorbild. Nur wenige hundert Meter weiter schwenken auch ein paar Dutzend Studenten ihre Fahnen zu Ehren des Helden. An der nächsten Ecke hängen Werbeplakate für die Arktis-Tagung und Putins Regierungspartei Geeintes Russland einträchtig nebeneinander. Die Kundgebung am Lomonossow-Denkmal vor der gleichnamigen Arktis-Universität, dem Konferenzort, ist kein Zufall. Das Gedenken an Lomonossow bildet den perfekten Bezug zu den russischen Ambitionen in der Polarregion.

Umweltschützer fürchten um sensibles Gebiet

Über all die Forderungen und Diskussionen scheint ein großes Problem in Vergessenheit zu geraten - die Umwelt. Naturschützer warnen vor Bohrungen in der Region mit ihren vielen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Die Arktis sei wegen des Klimawandels eines der sensibelsten Gebiete der Welt, teilt der World Wide Fund for Wildlife kurz vor dem Konferenzstart mit. So gebe es etwa noch keine effektiven Mittel zum Schutz vor einer möglichen Ölpest. Albert von Monaco dürfte dabei auf der Seite der Umweltschützer stehen. Vor einem Jahr war er bei einer ähnlichen Konferenz mit Putin aneinander geraten. Anstatt Machtinteressen zu debattieren, müsse der Klimaschutz im Zentrum stehen, sagte Albert.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

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