Politik

Von den Fluten hochgespült SPD obenauf

Die Hochwasserkatastrophe scheint die Bundesregierung aus ihrem Tief in der Wählergunst gezogen zu haben. Kurz vor der Bundestagswahl erreichte die SPD dank ihres Managements der Krise in den Umfragen eine Trendwende. Bei mehreren Meinungsforschungsinstituten legten die Sozialdemokraten in der Gunst der Wähler deutlich zu.

Nach dem von der Forschungsgruppe Wahlen erstellten ZDF-Politbarometer liegt die SPD bei der Frage nach der politischen Stimmung - sie berücksichtigt langfristige Bindungen an eine Partei nicht - mit 40 Prozent erstmals seit Monaten (plus drei Prozent) wieder vor der CDU/CSU mit 39 Prozent (minus vier Prozent). Die FDP stieg von neun auf zehn Prozent, die Grünen blieben unverändert bei acht Prozent.

"Wir sind ganz dicht dran", kommentierte SPD-Generalsekretär Franz Müntefering in Berlin die jüngsten Umfragewerte seiner Partei. Auch andere Meinungsforschungsinstitute sehen die Sozialdemokraten im Aufwind.

Vorspung lange bei vier bis sechs Punkten

Fast ein Jahr lang hatte der Vorsprung der CDU/CSU vor der SPD stets zwischen vier und sechs Prozent betragen. Bundeskanzler und SPD-Chef Gerhard Schröder hat aber durch sein Hochwasser-Krisenmanagement bei vielen Bürgern vor allem in Ostdeutschland deutlich an Sympathie gewonnen.

"Sonntagsfrage": SPD im Aufwind

Auch in der so genannten Sonntagsfrage legten die Sozialdemokraten beim ZDF-Politbarometer auf Kosten der Union zu. Sie berücksichtigt längerfristige Grundüberzeugungen und taktische Überlegungen.Wenn also am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären, bekäme die SPD 38 Prozent der Wählerstimmen; die Grünen erhielten sieben Prozent. Die Union würde 39 Prozent auf sich vereinen, die FDP neun Prozent. Dagegen würde die PDS mit vier Prozent den Wiedereinzug in den Bundestag verfehlen und somit Schwarz-Gelb zu einer Regierungsmehrheit verhelfen.

Auch andere Prognosen sehen Umschwung

Auch in einer Erhebung von Infratest-dimap für die ARD konnte die SPD um zwei Prozent zulegen. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, kämen die Sozialdemokraten demnach auf 36 und die Union - wie schon vor zwei Wochen - auf 41 Prozent. FDP und PDS kämen auf acht beziehungsweise vier Prozent - je ein Prozenpunkt weniger als noch vor 14 Tagen.

Laut Forsa-Umfrage für den Sender RTL und das Magazin "Stern" konnte die SPD im Vergleich zur Vorwoche sogar drei Prozentpunkte zulegen - auf 38 Prozent. Die Union liegt dort unverändert bei 40 und die FDP bei acht Prozent (minus zwei Prozent).

Auch die Emnid-Wahlforscher ermittelten eine ‚Erholung’ der Werte für die Regierung: Hatte die SPD Anfang der Woche noch bei 34 Prozent gelegen, wollten am Freitag bereits 36 Prozent den Sozialdemokraten die Stimme geben (Union 40/39). Die Grünen verbesserten sich im Laufe der Woche bei der Emnid-Sonntagsfrage von 6 auf 7 Prozent.

Grüne wittern Morgenluft

Der Grünen-Vorsitzende Fritz Kuhn will sich offenbar die Wahlkampfärmel noch ein bisschen höher krempeln: "Jetzt haben wir noch vier Wochen Wahlkampf, und in den vier Wochen werden SPD und Grüne noch zusätzliche Punkte sammeln", kommentierte er höchst erfreut die jüngsten Umfragewerte.

Kuhn warf der Union vor, auf dem Gebiet der Ökologie und bei ihren Krisenkonzepten zur Bewältigung des Hochwassers "völlig versagt " zu haben. Vor allem beim Klimaschutz sei deutlich geworden, dass das Thema Ökologie die Union und ihren Kandidaten Stoiber vor der Flut überhaupt nicht interessiert habe. "Das merken die Wähler jetzt. "

Quelle: ntv.de