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2012 fest im Blick Sarah Palin stellt die Weichen

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Sarah Palin goes for President.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die frühere republikanische Kandidatin für die Vizepräsideschaft hat zwar derzeit kein politisches Amt inne, aber Sarah Palin mischt bei der Kongresswahl kräftig mit. Ihr Einfluss ist enorm, landesweit mobilisiert sie ihre Anhänger und läuft sich warm für 2012.

Sie hat kein Amt mehr, aber Einfluss. Sarah Palin, so hat es den Anschein, läuft sich warm für die Präsidentschaftswahl 2012. Wenn die Wähler in den USA am 2. November zur Stimmabgabe gehen, bestimmen sie nicht nur die Machtverhältnisse im Kongress neu. Sie stellen auch die ersten Weichen auf dem langen Weg ins Weiße Haus. Palin sammelt ihre Truppen: Landesweit hat sie ein Netzwerk von Kongresskandidaten aufgebaut, die ihr ergeben sind. Die Wahl ist auch ein Votum über Palins Ambitionen.

Nach der Wahl ist vor der Wahl: In den Wochen nach der Kongresswahl werden sich die ersten Bewerber für die Präsidentschaftswahl 2012 erklären. Der lange Vorlauf ist nötig, weil ernsthafte Kandidaten einige hundert Millionen Dollar an Wahlkampfspenden sammeln müssen. Die Star-Konservative Palin würde als Galionsfigur der Rechten und als Hassfigur des liberalen Bürgertums Emotionen - und Finanzmittel - mobilisieren wie kein anderer Kandidat.

Meisterin des Aufwirbelns

Die frühere Alaska-Gouverneurin, die 2008 als republikanische Kandidatin für die Vizepräsideschaft keine besonders gute Figur gemacht hat, kokettiert offen mit einer Kandidatur fürs Weiße Haus. "Natürlich würde ich es versuchen", sagte Palin kürzlich im TV-Sender Fox News. "Es wäre absurd, würde ich nicht darüber nachdenken, was ich für mein Land tun könnte." Ihre Bedingung: Die amerikanischen Wähler müssten "bereit sein für jemanden, der die Dinge aufwirbelt" - also für jemanden wie Sarah Palin.

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Palin macht die Kongresswahl zum Votum über ihre Ziele.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die Politikerin ist eine Meisterin des Aufwirbelns, darin stimmen Freunde wie Gegner überein. Obwohl sie bei der Wahl zum Kongress nicht selbst kandidiert, hat sie ihr doch ihren Stempel aufgedrückt. Bei der innerparteilichen Kandidatenaufstellung in den vergangenen Monaten hat sie ihr ganzes Gewicht in die Wagschale geworfen, um besonders konservativen Republikanern zur Spitzenkandidatur in den Wahlkreisen zu verhelfen. Reihenweise blieben moderate Establishment-Republikaner auf der Strecke.

Königsmacherin der Partei

Palin ist die Königsmacherin der Partei. Derzeit ist sie kreuz und quer auf Wahlkampftour in den USA. Im neu gewählten Kongress werden etliche Republikaner sitzen, die ihren Sieg auch der Frau aus Alaska zu verdanken haben.

Als Vizepräsidentschaftskandidatin wurde Palin 2008 erst gefeiert, dann wegen allzu offensichtlicher Bildungslücken verlacht. Am rechten Rand freilich hat sie sich als ernstzunehmender Machtfaktor etabliert. Sie präsentiert sich als Stimme des "wahren Amerika": christlich, konservativ, gegen Abtreibung und vehement gegen die Politik von Präsident Barack Obama.

Ein-Personen-Medien-Imperium

Seit Palin letztes Jahr ihr Amt als Gouverneurin von Alaska niedergelegt hatte, stieg sie auf zum Ein-Personen-Medien-Imperium. Im Nu wurde Palin zur Multimillionärin, sie hat mehr als zwei Millionen Exemplare ihrer Autobiografie verkauft. Das nächste Buch soll noch in diesem Jahr erscheinen. Im rechten TV-Sender Fox News ist sie als Kommentatorin präsent, demnächst läuft eine achtteilige TV-Reiseserie über "Sarah Palins Alaska".

Noch ist offen, ob hinter Palins Kokettieren mit der Präsidentschaft ernsthafte Absicht steckt - oder doch nur der Plan, ihren Marktwert als Medien-Prominente zu steigern. In Obamas Umfeld scheinen sich manche Strategen eine Kandidatur geradezu zu wünschen, weil Palins Schwächen von den eigenen Problemen ablenken würden. Obamas Sprecher Robert Gibbs schickte bereits ein vergiftetes Lob nach Alaska: "Sarah Palin ist eine eindrucksvolle Kraft bei den Republikanern. Ich habe den Eindruck, sie läuft sich warm."

Quelle: n-tv.de, Peter Wütherich, AFP

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