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Mittäter auf Pilgerreise getroffen Sauerland-Anführer gesteht

Der mutmaßliche Rädelsführer der islamistischen Sauerland-Gruppe, Fritz Gelowicz, hat als erster der vier Angeklagten vor Gericht sein Schweigen gebrochen. Er berichtete ausführlich über seinen Weg zum Dschihad. Zunächst wollte er im Irak Anschläge verüben, sei dann aber auf Europa ausgewichen. Die Richter sind vom Umfang der Aussagen beeindruckt.

2lr04028.jpg5083578943518205150.jpgIm Terrorismusprozess gegen die sogenannte Sauerland-Zelle hat der mutmaßliche Rädelsführer Fritz Gelowicz mit einem umfassenden Geständnis begonnen. Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht schilderte der deutsche Konvertit zunächst seinen Einstieg in die islamistische Szene und seine Terrorausbildung in Pakistan. Die insgesamt vier Angeklagten sollen laut Anklage Autobombenanschläge in Deutschland geplant haben.

Die Terrorverdächtigen hatten Anfang Juni überraschend Geständnisse angekündigt und in den darauffolgenden Wochen ausführliche Angaben zu den Anklagevorwürfen beim Bundeskriminalamt (BKA) gemacht. "Die Angeklagten haben bestätigt, dass es ihr Vorhaben war, hier möglichst viele amerikanische Soldaten zu töten", sagte Bundesanwalt Volker Brinkmann vor Beginn der Aussagen in Düsseldorf.

Auf Europa ausgewichen

Gelowicz äußerte sich umfassend zu den Vorwürfen der Bundesanwaltschaft. Er schilderte vor dem Terrorismussenat, wie er im Januar 2005 auf einer Pilgerreise nach Mekka die mitangeklagten Atilla Selek und Adem Yilmaz kennenlernte. "Wir haben uns gut verstanden. Wir hatten die gleichen Ansichten zum Dschihad", sagte Gelowicz. Bei einem späteren Treffen in Deutschland sei dann die Entscheidung gefallen, in den Heiligen Krieg zu ziehen.

Er habe ursprünglich im Irak kämpfen wollen, das sei jedoch nicht gelungen. Bei der Terror- und Kampfausbildung in Waziristan sei er davon überzeugt worden, dass es besser sei, Anschläge in Europa zu begehen, sagte Gelowicz aus. "Auch bei El Kaida gab es damals keinen Europäer, der die Möglichkeit hatte, Anschläge in Europa zu begehen. Wir haben uns bereiterklärt, weil es niemand anderen gab."

Außerdem seien Anschläge auf US-Amerikaner im benachbarten Afghanistan "sehr schwer" gewesen. Auf einen gelungenen Anschlag kämen zehn gescheiterte. Der Chef der Gruppe, die sie ausbildete, ein gewisser "Achmed", habe argumentiert, dass ein Anschlag auf die Amerikaner im Ausland "mit viel weniger Aufwand viel größere Wirkung erzielt". Das habe ihn überzeugt, sagte Gelowicz.

Gelowicz berichtete zudem von einer Reise, die ihn und Yilmaz 2006 nach Iran und von dort nach Pakistan führte. Der Student aus Ulm schilderte, er und Yilmaz seien dort von einer islamistischen Gruppe ausgebildet worden unter anderem im Umgang mit Maschinengewehren, Sprengstoff und der Herstellung von Zündern

Anschläge mit Autobomben geplant

Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling zeigte sich zum Auftakt der Verhandlung überzeugt, dass die in rund einmonatigen Vernehmungen abgelegten Geständnisse der vier Angeklagten zu einem schnelleren Abschluss des Verfahrens und zur Klärung der Hintergründe der Attentatspläne beitragen. "Wir sind beeindruckt zum einem von dem Umfang der Aussagen, zum anderen von der Offenheit", sagte der Richter. Nach seinen Angaben umfassen die Aussagen der Beschuldigten einschließlich Anlagen insgesamt 1584 Seiten.

Breitling vertrat zugleich die Auffassung, aufgrund der Aussagen der Terrorverdächtigen sei die Existenz der Terrorgruppe "Islamische Dschihad-Union" (IJU) nicht zu bezweifeln. Es könne nicht zweifelhaft sein, "dass es diese Vereinigung gibt". Fritz G. und die drei weiteren Angeklagten im Sauerlandprozess sollen als Mitglieder der IJU mindestens drei verheerende Autobombenanschläge auf US-Bürger und amerikanische Einrichtungen in Deutschland vorbereitet haben.

Nach Angaben von Bundesanwalt Brinkmann prüft die Bundesanwaltschaft derzeit auch, ob sie einen Haftbefehl gegen den Türken Mevlüt K. aus Ludwigshafen beantragen wird. Dabei gehe es um dessen Rolle bei der Beschaffung der Zünder für die von der Sauerland-Gruppe vorbereiteten Attentate. Mit Blick auf Berichte über eine angebliche Tätigkeit von K. für den Geheimdienst in Ankara fügte Brinkmann allerdings hinzu: "Wir haben keine Erkenntnisse darüber, dass Mevlüt. K. in den Diensten des türkischen Geheimdienstes steht."

Quelle: n-tv.de, AFP

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