Politik

Vier Tote in Sadr-City Schiiten-Miliz gegen US-Armee

Wenige Stunden nach dem Selbstmordanschlag in der Bagdader Vorstadt Sadr-City mit zehn Toten sind bei Zusammenstößen zwischen US-Soldaten und Angehörigen einer Schiiten-Miliz im selben Viertel zwei Amerikaner und zwei Iraker getötet worden.

Das US-Militärkommando in Bagdad erklärte, die US-Soldaten seien am Freitagmorgen bei einer "Routinepatrouille" in Sadr-City in einen Hinterhalt geraten. Augenzeugen berichteten hingegen arabischen Reportern, die Mitglieder der "Mahdi-Armee " des radikalen Geistlichen Muktada el Sadr hätten auf die US-Soldaten geschossen, als diese das Büro ihres Anführers in Sadr-City nach Waffen durchsuchen wollten.

Der arabische TV-Sender El Dschasira berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, am Freitag seien rund 30 Kilometer westlich von Bagdad zwei weitere Iraker von US-Soldaten getötet worden. Zuvor hätten Unbekannte am selben Ort einen US-Konvoi mit Panzerfäusten angegriffen und dabei mehrere Amerikaner verletzt.

Ein Geistlicher, der dem jungen Kleriker Muktada el Sadr nahe steht, sagte am Freitag in einer Predigt vor Tausenden von Schiiten in Sadr-City: "Die Amerikaner dürfen die heilige Sadr-City nicht betreten." Die Verantwortung für den Anschlag vom Donnerstag lastete der Prediger den Anhängern des entmachteten Regimes von Saddam Hussein an. Sadr-City hieß vor dem Einmarsch der Amerikaner in Bagdad Saddam-City und wurde von den Bewohnern kürzlich nach dem 1999 vom Saddam-Regime ermordeten Geistlichen Mohammed Sadik el Sadr, dem Vater Muktadas, benannt.

Unterdessen wollen die USA ungeachtet der Bedenken Berlins und Moskaus am Termin für die Irak-Geberkonferenz am 23. und 24. Oktober in Madrid festhalten. Niemand habe bislang formell eine Verschiebung beantragt, sagte Außenamtssprecher Richard Boucher. Auch die spanische Außenministerin Ana Palacio lehnte eine Verschiebung der Konferenz ab.

Bundeskanzler Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin hatten bei ihrem Treffen in Jekaterinburg Bedenken geäußert. Schröder hatte gesagt, die spanische Regierung müsse entscheiden, ob der Termin zu halten sei oder nicht. Das hänge auch davon ab, ob der Internationale Währungsfonds und die Weltbank bis dahin ihre Vorarbeiten abschlössen. Aus Regierungskreisen war zuvor verlautet, Deutschland wäre es "nicht unrecht", wenn die Konferenz später stattfinden würde. Bei der Konferenz wird es um die Finanzierung des Wiederaufbaus im Irak gehen. Die Veranstalter hoffen auf Milliarden-Zusagen der internationalen Staatengemeinschaft.

Quelle: ntv.de