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US-Polizist erschießt Teenager Schwere Ausschreitungen in St. Louis

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Ein Plünderer flieht aus einem Laden in Ferguson.

AP

In der US-Stadt St. Louis kommt es nach den tödlichen Schüssen eines Polizisten auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen zu Straßenschlachten. Viele fühlen sich an den Fall Trayvon Martin erinnert - denn wieder pocht der Schütze auf Notwehr.

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Hunderte Menschen fanden sich unmittelbar nach der Tat am Ort des Geschehens ein.

(Foto: AP)

In der Stadt St. Louis im US-Bundesstaat Missouri ist es nach den tödlichen Schüssen der Polizei auf einen unbewaffneten Jugendlichen afroamerikanischer Abstammung zu schweren Ausschreitungen gekommen. Wie der örtliche Fernsehsender KSDK TV 5 berichtete, lieferten sich die Demonstranten gewaltsame Straßenschlachten mit der Polizei und plünderten mehrere Geschäfte. Zudem wurden mehrere Supermärkte in Brand gesetzt und Fahrzeuge zerstört.

Dem Bericht zufolge setzten die Beamten Schlagstöcke und Tränengas ein und versuchten auch, die Menge mit Polizeihunden auseinanderzutreiben. Als die Lage weiter eskalierte, musste die Polizei Verstärkung aus den Nachbargemeinden anfordern. Da die Proteste spontan an mehreren Orten der Stadt zugleich aufflammten, hatten die Einsatzkräfte es besonders schwer, geordnet dagegen vorzugehen.

Die hauptsächlich afroamerikanischen Demonstranten hatten sich direkt nach der Tat an dem Ort im Stadtteil Ferguson versammelt, an dem der 18-jährige Michael "Mike" Brown am Samstag erschossen worden war. Wegen der aufgebrachten Menge habe die Polizei Stunden gebraucht, um den Leichnam des Teenagers abzutransportieren. Nach Polizeiangaben handelte der Schütze aus Notwehr. Der Jugendliche habe den Polizisten attackiert und nach seiner Waffe gegriffen, sagte der örtliche Polizeichef Jon Belmar.

Familie engagiert Trayvon-Martin-Anwalt

Ein Zeuge berichtete hingegen, dass der Polizist ihn und Brown angesprochen habe, als sie gemeinsam auf der Straße liefen. Der Beamte habe sie aufgefordert, den Gehsteig zu benutzen, woraufhin es zu einem Wortwechsel gekommen sei an dessen Ende der Polizist sich ihnen mit vorgehaltener Waffe genähert habe. Brown habe sich mit erhobenen Händen umgedreht und sei dann von mehreren Schüssen niedergestreckt worden. Nach Einschätzung der Zeitung "Post Dispatch" wirft der Vorfall ein Schlaglicht auf die Spannungen zwischen den hauptsächlich weißen Polizisten und den afroamerikanischen Einwohnern von St. Louis.

Browns Mutter Lesley McSpadden sagte im Fernsehen, dass ihr Sohn kürzlich die High School abgeschlossen und nun ein College habe besuchen wollen. Sie könne nicht verstehen, warum die Polizei im Falle eines Konfliktes mit ihrem Sohn keinen Schlagstock oder eine Elektroschockpistole eingesetzt habe, die sein Leben nicht gefährdet hätten. Der betreffende Polizist solle gefeuert und verurteilt werden. "Ich würde ihn gerne zum Tode verurteilt im Gefängnis sehen", sagte die mit den Tränen kämpfende Frau.

Nach Informationen des Lokalblattes engagierte Browns Familie den Anwalt Benjamin Crump. Der Verteidiger vertrat bereits die Angehörigen des 17-jährigen Trayvon Martin, der im Februar 2012 in der Stadt Sanford in Florida erschossen worden war. Der Schütze George Zimmerman gab damals an, in Notwehr gehandelt zu haben, nachdem der unbewaffnete Teenager ihn geschlagen habe. Der Fall löste eine landesweite Kontroverse um Rassismus und laxe Waffengesetze aus. Der Prozess endete mit einem Freispruch.

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Quelle: n-tv.de, bwe/AFP/dpa

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