Politik

Unterwerfung in Hannover Seehofer will ein Kätzchen sein

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Horst Seehofer und Angela Merkel in Hannover: Er weiß, wo sein Platz ist. Jedenfalls während des CDU-Treffens.

(Foto: REUTERS)

Vor den Delegierten des CDU-Parteitags kokettiert CSU-Chef Seehofer mit seinem Ruf als Querulant. Seine Rede ist keine Huldigung an Kanzlerin Merkel, sondern die vollständige Unterwerfung. Natürlich ist das nur Ironie. Mit wahrem Kern.

Der Auftritt des Vorsitzenden der Schwesterpartei ist immer ein besonderer Moment auf CDU-Parteitagen. Offiziell handelt es sich um ein Grußwort. Aber natürlich ist die Rede des CSU-Chefs weitaus mehr. Zumal das Verhältnis von CDU und CSU grundsätzlich nie frei von Spannungen ist.

Dazu kommt: Horst Seehofer ist berüchtigt für seine Unberechenbarkeit. Wird er Angela Merkel preisen oder wird er seine Rede mit Spitzen gegen die Bundeskanzlerin garnieren. Jeder weiß, Seehofer kann scharfe Attacke gegen Merkel ebenso wie devote Huldigung.

Seehofer entscheidet sich nicht nur für die Huldigung, er spricht es sogar aus. "Das war die Abteilung Unterwerfung", sagt Seehofer nach der entsprechenden Passage seiner Rede. Die Delegierten lachen.

"Du bist unsere Nummer eins!"

"Passt schon", sagten die Bayern, wenn sie besonders zufrieden seien, hatte Seehofer zuvor erklärt. Und lobt die CDU für ihren Parteitag: "Passt schon." Besonders beeindruckt hat ihn offenbar das Wahlergebnis von fast 98 Prozent, mit dem Merkel am Vortag als CDU-Chef bestätigt worden war. Auf dem Flug nach Hannover habe er überlegt, wann es einem CSU-Vorsitzenden zuletzt vergönnt gewesen sei, ein solches "kubanisches Wahlergebnis" zu erreichen. Ihm sei aber kein Beispiel eingefallen. "Du bist unsere Nummer eins!", ruft er Merkel zu.

Und Seehofer zitiert die "Süddeutsche Zeitung", die vor einigen Tage schrieb: "Wenn Horst Seehofer in seinem Übermut keine Fehler macht, könnte die CSU der Union am Wahltag den entscheidenden Schub verleihen." Der CSU-Chef verspricht, seine Partei werde in den nächsten Monaten "ein schnurrendes Kätzchen sein und kein brüllender Löwe".

Das war die Abteilung Unterwerfung.

Der Rest der Rede ist viel vom Bekannten: freundliche Worte für die FDP, Angriffe gegen die SPD, vor allem gegen ihren Kandidaten Peer Steinbrück, Absage an schwarz-grüne Spekulationen. Letzteres gefährde nur die Chancen einer Bestätigung der schwarz-gelben Koalition.

Seehofer greift auch einen Vorwurf an die Union auf, zu einem Kanzlerwahlverein verkommen zu sein. "Mir ist ein Kanzlerwahlverein lieber als ein Kandidatenwahlverein". Er weiß, wovon er spricht. In Bayern wird wohl am 15. September gewählt, wenige Tage vor der Bundestagswahl.

Quelle: ntv.de, hvo