Politik

Wohin mit dem Atommüll? So läuft die Endlager-Suche

Die Debatte um Gorleben schwelt beinahe seit Menschengedenken. Nun einigen sich Bund und Bundesländer auf einen Neustart in der Debatte. Der Weg für ein sogenanntes Suchgesetz ist frei - was das genau bedeutet, erklärt n-tv.de.

Bund und Länder haben sich auf ein sogenanntes Suchgesetz verständigt. Ist damit schon ein Standort fürs Atommüll-Endlager gefunden?

Nein, längst nicht. Das wird noch sehr lange dauern - Experten rechnen mit dem Jahr 2031. Dann rollen aber zunächst die Bagger, denn das Endlager muss erst gebaut werden. Allzu viel Zeitdruck herrscht nicht: Die derzeitigen Zwischenlager sind für 40 Jahre genehmigt. Das Endlager müsste bis zum Jahr 2040 startklar sein.

Welche Standorte kommen infrage?

Mit bis zu fünf Standorten, die untersucht werden sollen, kalkuliert der Gesetzentwurf. In Hessen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Thüringen sowie Hamburg, Berlin und Bremen gibt es wohl keine geeigneten Standorte. Geologisch sind Orte in Niedersachsen die beste Wahl. Jedoch können auch Salzstöcke in den bevölkerungsarmen Ländern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt untersucht werden. Im Bayerischen Wald gibt es Granit, wo Atommüll eingelagert werden könnte, in Baden-Württenberg und Nordrhein-Westfalen Tonvorkommen.

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Wohin mit all dem Dreck? Diese Frage wird sich wohl erst im Jahr 2031 entscheiden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Welche Standorte werden wohl kein Endlager werden?

Vieles deutet darauf hin, dass Salzstöcke wie bei Gorleben nicht mehr ganz oben auf der Liste stehen. Nach den Erfahrungen mit dem früheren Salzbergwerk Asse in Niedersachsen, wo früher schwach- und mittelradioaktiver Müll eingelagert wurde, gibt es Zweifel. Wird Salz von der Kommission etwa wegen Risiken durch Wassereinbrüche als zu unsicher bewertet, könnte Gorleben noch vor dem Neustart zu den Akten gelegt werden. Alternativ könnte die Einlagerung des Atommülls in Ton oder Granit empfohlen werden.

Wie viele potenzielle Endlager sollen erkundet werden?

Am Ende sollen zwei Standorte unter Tage erkundet werden - was allein eine Milliarde Euro kosten dürfte. Es sei denn, einer der beiden Standorte wäre der seit 1977 als einzige Option im Fokus stehende Salzstock Gorleben. Hier flossen schon 1,6 Milliarden Euro in die Erkundung. Die neue Suche könnte über zwei Milliarden kosten. Dafür zahlen sollen die Energiekonzerne, die mit ihren Atomkraftwerken den Strahlenmüll produziert haben.

Wie soll nun die Suche genau ablaufen?

Zunächst wird eine sogenannte Enquete-Kommission eingerichtet. Ihr Vorsitzender könnte der frühere Umweltminister Klaus Töpfer (CDU) werden, der schon 2011 die Ethikkommission zum Atomausstieg geleitet hatte. Das mit 24 Personen besetzte Gremium wird bis 2015 arbeiten - was genau die Kommission tun wird, ist aber noch ungewiss. Sie soll einen Konsens über das Vorgehen erstellen. Dazu sitzen in der Kommission nicht nur Politiker, sondern auch Vertreter von Umweltverbänden, der Kirchen, der Wissenschaft, der Wirtschaft und von Gewerkschaften.

Bestimmt die Kommission dann, welche Standorte erkundet werden?

Nein. An den Rat der Kommission selbst sind der Bund und die Länder nicht gebunden. Bei den Suchkriterien und der Entscheidung, welcher Standort erkundet werden wird, haben Bundestag und Bundesrat das letzte Wort.

Gibt es dennoch weiter die umstrittenen - und stets von Tausenden Demonstranten begleiteten - Atomtransporte nach Gorleben?

Voraussichtlich nicht. Das Suchgesetz soll einen Neustart symbolisieren. Mit weiteren Transporten nach Gorleben würden hingegen Fakten geschaffen werden. Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg haben ihre Bereitschaft signalisiert, den Müll vorerst in Zwischenlagern bei Atomkraftwerken zu lagern. Infrage kämen etwa Brunsbüttel und Philippsburg. Insgesamt sind noch 21 Behälter aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield und fünf aus La Hague in Frankreich "heimatlos" - sie müssen zurückgenommen werden.

Quelle: n-tv.de, jtw/dpa