Politik

Internetnutzer unter Beobachtung So oft trifft die NSA die Falschen

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(Foto: REUTERS)

US-Geheimdienste spähen massenhaft Internetnutzer aus. Das ist längst bekannt. Doch selbst bei gezielten Abhörmaßnahmen liegt die NSA oft daneben. Immer wieder wird die Kommunikation unbescholtener Bürger abgefangen, gespeichert und ausgewertet.

Gefangen in einem Netz, das für andere ausgeworfen wurde - so beschreibt die "Washington Post" die Situation, in der Millionen von Internetnutzern stecken. Das Blatt hat die Überwachungsmaßnahmen des US-Geheimdienstes NSA im Internet Monate lang analysiert. Mit Hilfe von Daten, die der Whistleblower Edward Snowden bereit gestellt hat. Auf den ersten Blick mag das Ergebnis kaum überraschen: Dass die NSA eher mit einem Treibnetz als mit der Angel arbeitet, ist schließlich längst bekannt. Dank der Recherchen kommt jetzt allerdings heraus, wie oft der Geheimdienst mit seinen Methoden auch bei vermeintlich gezielten Abhörmaßnahmen die Falschen trifft.

Aus dem umfangreichen Datenmaterial, das aus rund 160.000 Emails und Kurznachrichten aus Präsident Barack Obamas erster Amtszeit besteht, geht hervor: Neun von zehn Personen, die die NSA bei Überwachungsmaßnahmen ausgespäht hat, sind nicht die ursprünglichen Überwachungsziele gewesen. Bei ungefähr der Hälfte dieser Personen handelte es sich um Amerikaner, der Rest stammt aus anderen Ländern.

Liebesbriefe und Geldprobleme

Ein genauerer Blick auf diese Daten offenbart, wie verwundbar auch gewöhnliche Internetnutzer angesichts der Möglichkeiten der NSA sind. In dem Material finden sich Liebesbriefe, Details über Affären, psychische Probleme oder finanzielle Sorgen. Obwohl diese Informationen für die Geheimdienste nutzlos sind, blieben sie gespeichert.

Die Mitarbeiter der NSA haben zwar versucht, die Zusammenhänge einiger Informationen zu konkreten Personen zu verschlüsseln. Laut "Washington Post" geschah das an 65.000 Stellen. Die Zeitung fand aber auch 900 E-Mail-Adressen, die den Rückschluss auf US-Bürger zulassen.

Die Sammelwut der NSA ist aber nicht nur ein massiver Eingriff in die Privatsphäre von Internetnutzern. Auch das geht aus den Dokumenten hervor. In dem gewaltigen Datenwulst stecken nach Angaben der "Washington Post" auch hochbrisante Informationen, die für die Sicherheit der USA von großem Nutzen sein könnten. So ist zum Beispiel von einem geheime Atomprojekt im Ausland die Rede, vom doppelten Spiel eines vermeintlichen Verbündeten und den Identitäten von Hackern, die US-Netzwerke angegriffen haben. Genauere Details dazu legte die "Washington Post" nicht offen, um laufende Gegenmaßnahmen nicht zu konterkarieren.

Quelle: ntv.de, ieh/AFP

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