Politik

Wie die Wahl das Land verändert So stark verliert die SPD in der Fläche

Die Ergebnisse der Europawahl tauchen die politische Landkarte Deutschlands in neues Licht: Im Herzen Europas wechseln ganze Regionen ihre Farben. Vor allem in den Großstädten und im Osten Deutschlands schimmern neue Kräfte auf. Das Rot der SPD schwindet.

Der Osten kippt nach rechts, die großen Städte leuchten plötzlich grün: Am Morgen nach der Wahlnacht zur Europawahl tritt Deutschland in einem veränderten Farbkleid auf. Wie aus der Analyse der vorläufigen amtlichen Ergebnisse nach Wahlkreisen hervorgeht, haben sich die politischen Machtverhältnisse in vielen Regionen Deutschlands fundamental verändert.

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Die Erosion der SPD als einst stärkste Kraft wird erst in der Fläche in vollem Ausmaß sichtbar: Wo bei der zurückliegenden Europawahl 2014 noch ganze Landkreise in sozialdemokratischem Rot erschienen, machen sich nun das Schwarz der Union, das Blau der AfD oder die Farbe der Grünen breit.

Besonders bemerkenswert: Anders als von AfD-Chef Alexander Gauland behauptet, zeigt der vorläufige Wahlausgang in diesem Bild keine "Spaltung Deutschlands". Im Gegenteil, auffällige Trends wie der Niedergang der SPD oder der Aufstieg der Grünen führen bei der Europawahl 2019 zu bundesweit ähnlichen Bewegungen.

Eine klare Trennung in Ost und West ist - anders als etwa noch bei der Bundestagswahl 2017 - zumindest in der Betrachtung der jeweils stärksten Kraft auf Kreisebene nicht mehr zu erkennen. Gaulands "Spaltung" betrifft allenfalls Teile des deutschen Ostens. Der Aufstieg der AfD beschränkt sich größtenteils auf das Bundesland Sachsen, den Osten Brandenburgs und Teile Thüringens.

Sehr viel deutlicher sticht dagegen eine andere Entwicklung ins Auge: In vielen Großstädten und Ballungsgebieten schieben sich die Grünen an den einst großen Volksparteien vorbei nach vorn. Was bei der zurückliegenden Europawahl vor fünf Jahren noch als politischer Ausnahmefall im Kreis Freiburg im Breisgau galt, entwickelt sich mehr und mehr zum bundesweiten Trend: Die Grünen steigen in urbanen Gebieten zur politisch stärksten Kraft auf.

In der regionalen Wählergunst punktet eine ökologisch ausgerichtete Politik dabei nicht nur gegen klassische Themen der Sozialdemokratie. Auch die CDU muss sich mittlerweile in mehr und mehr Regionen hinter den Grünen einreihen. Dabei scheint ihr Politikansatz nicht nur in akademisch geprägten Städten wie Darmstadt, Tübingen oder Jena an Zugkraft zu gewinnen. Auch in ländlichen Räumen wie etwa im Norden Schleswig-Holsteins, rund um Hannover oder entlang der Elbe müssen Christdemokraten sich an einen schlagkräftigen neuen Gegner gewöhnen.

Hinweis: Alle Daten, Hintergründe und Infografiken zur Europawahl 2019 finden Sie hier.

Noch sind die Entwicklungen nur das Ergebnis einer Europawahl, ohne konkrete Auswirkungen auf die Machtbalance in den deutschen Länderparlamenten oder gar auf Bundesebene. Mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen dürften viele Politiker das Votum jedoch als klares Signal verstehen, wie sehr sich die Wahlmotive, Ansichten und Meinungen in der Bevölkerung verändert haben.

Und: Schon im Herbst könnte sich der Trend bestätigen. Am 1. September wird in den beiden Bundesländern Brandenburg und Sachsen jeweils ein neuer Landtag gewählt. Ende Oktober stehen dann die Landtagswahlen in Thüringen an.

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Quelle: n-tv.de

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