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"Das werde ich so schnell nicht vergessen" Steinbrück schimpft auf Medien

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Steinbrück hatte es im Wahlkampf nicht leicht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Während seines Wahlkampfs musste SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück viel Kritik einstecken. Nun macht er seiner Empörung Luft. Seine Kandidatur bereut er aber nicht. Immerhin sei sie eine "einmalige Erfahrung", die nur ganz wenige Menschen machten.

Der bei der Bundestagswahl unterlegene SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat die Medien scharf kritisiert. "Ich habe in diesem Wahlkampf Erfahrungen gemacht, die ich vorher nicht für möglich gehalten habe, positive und negative. Der Respekt im Umgang zwischen Politik und Medien beschäftigt mich sehr", sagte er der "Zeit".

Er sei zum Teil schlecht behandelt worden, so Steinbrück weiter. Der Höhepunkt sei gewesen, als ihn zwei Zeitungen drei Wochen vor der Wahl "in die Nähe der Stasi und des KGB ziehen wollten", sagte er. "Das werde ich so schnell nicht vergessen. Mein lieber Scholli!"

Er sei keine beleidigte Leberwurst, frage sich aber: "Was heißt das für die Bewerbung und Auslese in unserer Demokratie, wenn Frauen und Männer nicht mehr in die Politik gehen wollen, weil sie das sich und ihren Familien nicht zumuten mögen?" Mit dieser Frage müssten sich die Medien aus Steinbrücks Sicht beschäftigen. Es habe ihn überrascht, dass sich viele Journalisten besonders auf Nebensächlichkeiten konzentrierten. "Ich habe nicht gedacht, dass ein Teil der Medien bereit sein könnte, sich an einer solchen Entpolitisierung zu beteiligen und stattdessen Nebensächlichkeiten hochzujazzen."

Steinbrück hatte während seines Wahlkampf viel Kritik einstecken müssen, unter anderem wegen seiner Äußerungen zu billigem Pinot Grigio und dem Kanzlergehalt. Auch seine Honorare für Vorträge und ein Foto mit einem ausgestrecktem Mittelfinger sorgten für Empörung.

"Qualität für sich"

Seine Kandidatur bereut Steinbrück aber nicht. Sie sei eine "einmalige Erfahrung, eine Erfahrung, die nur ganz wenige Menschen in ihrem Leben machen", sagte der SPD-Politiker. "Diese Einmaligkeit bleibt als Qualität für sich bestehen." Für ihn persönlich habe sich die Kandidatur gelohnt.

Steinbrück äußerte sich auch zum Mitgliedervotum in seiner Partei über den Eintritt in eine Große Koalition. "Meine Wahrnehmung ist, dass dieses Mitgliedervotum kein Selbstgänger ist. Der Fisch ist noch nicht gebürstet", sagte er. Am Ende reiche aber auch eine knappe Mehrheit aus. "Wir haben frühzeitig gesagt, dass wir dieses Votum akzeptieren, auch wenn es 52 zu 48 ausgeht", sagte Steinbrück. Trotzdem sei ein so knappes Ergebnis "für die Gesamtlage der SPD ein ziemlicher Brocken im Rucksack."

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa

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