Politik

Heiße Phase im Tarifstreit Streiks und Verhandlungen

Die Tarifrunden in Deutschland sind in die heiße Phase gegangen. Die IG Metall setzte vor der Wiederaufnahme von Gesprächen am Mittwoch ihren Streikkurs fort.

IG-Metall-Chef Klaus Zwickel kündigte weitere Streiks an, "bis wir ein akzeptables Angebot erreicht haben". Im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg und in Berlin-Brandenburg streikten am Dienstag rund 19.000 Beschäftigte, auch für Mittwoch waren Arbeitsniederlegungen angesetzt.

Zur Höhe eines möglichen Abschlusses brachte Zwickels Stellvertreter Jürgen Peters 3,8 Prozent ins Gespräch. Bislang hatte die IG Metall eine 4 vor dem Komma gefordert.

Verhandlungen in der Druckindustrie

Bei der entscheidenden Tarifrunde für die Druckindustrie in Frankfurt zeichnete sich am Dienstagabend keine schnelle Einigung ab. Allerdings kamen die Gespräche nach einem Vorschlag der Gewerkschaft ver.di über ein Gesamtpaket in Bewegung, hieß es aus Verhandlungskreisen. Beide Seiten sehen die fünfte Runde als letzte Chance, um zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Sollten die Verhandlungen scheitern, droht auch in der Druckindustrie ein Arbeitskampf.

Die Gewerkschaft ver.di fordert 6,5 Prozent mehr Geld für die 220.000 Beschäftigten der Druckindustrie und strebt einen Abschluss von mindestens 3,6 Prozent für ein Jahr an. Außerdem will sie eine Erhöhung des Weihnachtsgeldes erreichen. Die Arbeitgeber haben zuletzt Lohnerhöhungen in einem Korridor zwischen 2,5 und 2,8 Prozent angeboten. Sie zeigten sich bereit, auf die zunächst geforderte Laufzeit von zwei Jahren zu verzichten.

Schlichtung im Baugewerbe

Im Baugewerbe ging die Schlichtung unter Vorsitz des CDU-Politikers Heiner Geißler in die erste Runde. Zuvor hatte der Vorsitzende der IG Bauen-Agrar-Umwelt, Klaus Wiesehügel, die Forderung nach einer Erhöhung der Löhne und Gehälter um 4,5 Prozent für die 950.000 Beschäftigten erneuert.

Die Arbeitgeber hatten während der Tarifverhandlungen kein konkretes Angebot vorgelegt. Innerhalb von 14 Tagen muss in der Schlichtung ein Schiedsspruch gefällt werden. In dieser Zeit gilt für tarifgebundene Unternehmen die Friedenspflicht. Geißler erwartet nach eigenen Angaben schwierige Verhandlungen. Die Schlichtung soll am kommenden Dienstag in München fortgesetzt werden.

Warnstreiks im Einzelhandel

Im Tarifkampf der 380.000 Beschäftigten des bayerischen Einzelhandels kündigte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft ver.di, Hubert Thiermeyer, Warnstreiks und erste Streiks in einzelnen Betrieben ab kommender Woche an. Ab 1. Juni werde es intensivere Aktionen gegen ausgewählte Betriebe geben. Am Dienstag hatte ver.di mit Urabstimmungen über einen Streik begonnen. Auch in Rheinland-Pfalz entscheiden 120.000 Beschäftigte über Streiks. Das Ergebnis soll nicht vor Ende Mai vorliegen.

Quelle: ntv.de