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Ökostrom-Umlage sorgt für Diskussionen Stromkunden erwartet Nachforderung

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Sonnen- und Windenergie werden mit der Ökostrom-Umlage gefördert - die zahlt aber nicht jeder.

(Foto: picture alliance / dpa)

Stromkunden müssen sich auf eine Nachzahlung einstellen. Wie die Umweltschutzorganisation BUND errechnet hat, könnten für eine vierköpfige Familie knapp 70 Euro zusammenkommen. Im nächsten Jahr soll es noch mehr werden.

Die Strompreise werden für Privathaushalte in diesem und im kommenden Jahr deutlich steigen. Das haben Berechnungen der Umweltschutzorganisation BUND ergeben. Eine vierköpfige Familie mit einem jährlichen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden muss 2013 demnach mit einem Zusatzbetrag von 69,34 Euro rechnen, wie die "Leipziger Volkszeitung" berichtet. Für das kommende Jahr wurde ein Betrag von 79,52 Euro ermittelt.

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Merkel die Rabatte für Unternehmen nicht antasten, Trittin will Kohle-Strom teurer machen.

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Hauptkostentreiber seien Privilegien der Großverbraucher bei der Ökostrom-Umlage, fand das Institut für Zukunftsenergiesysteme heraus, das vom BUND beauftragt wurde. Allein dadurch werde die Durchschnittsfamilie in diesem Jahr mit 51,80 Euro belastet. Hinzu kämen weitere Vergünstigungen für Teile der Wirtschaft. Der BUND forderte, dass Unternehmen nur noch im Härtefall in den Genuss der Privilegien kommen dürften. Auch müssten begünstigte Firmen eine Mindest-Ökostrom-Umlage zahlen.

Vergangene Woche haben die Grünen einen anderen Vorschlag gemacht. Spitzenkandidat Jürgen Trittin will die Produktion des derzeit massiv ins Netz geleiteten Kohlestroms verteuern, um die Umlage zu senken.

Merkel will nicht an Rabatten rütteln

Bundeskanzlerin Angela Merkel will davon allerdings nichts wissen. Noch im Juli hat sie sich erneut für die Ausnahmeregelung für energieintensive Unternehmen bei der Ökostrom-Umlage stark gemacht. Die Chemieindustrie brauche vertretbare und wettbewerbsfähige Energiepreise, sagte sie beim Festakt des Bayer-Konzerns zum 150. Firmenjubiläum im Juli. In Brüssel werde sie dafür kämpfen, dass die Ausnahmeregelungen bestehen bleiben. Dies sei eine Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit der Branche.

Doch in Brüssel wird die Ökostrom-Umlage höchst kritisch gesehen. Die EU-Kommission wollte laut "Spiegel" Mitte Juli ein Verfahren eröffnen, um die Rechtmäßigkeit der Rabatte zu überprüfen. Doch Merkel intervenierte und setzte durch, das Verfahren auf nach der Bundestagswahl zu verschieben.

Mehr Unternehmen von Zahlung befreit

Mit der Ökostromumlage wird Strom aus Wind- oder Solaranlagen staatlich gefördert: Die Betreiber solcher Anlagen bekommen 20 Jahre lang einen festen Abnahmepreis für den Strom garantiert. Damit soll sich die Investition in die neuen Technologien lohnen. Diese Förderung soll theoretisch von allen Stromkunden über die sogenannte EEG-Umlage bezahlt werden.

Bestimmte Unternehmen können sich allerdings von der Zahlung befreien lassen. Die Möglichkeiten dazu hat die schwarz-gelbe Koalition deutlich ausgeweitet, weshalb die Zahl der Befreiungen im vergangenen Jahr massiv in die Höhe sprang: 2012 hatten 2055 Unternehmen die Ausnahmen beantragt und 2011 erst 813. Mit der Maßnahme soll ein Abwandern der Industrie aus Deutschland wegen steigender Strompreise im Zuge der Energiewende verhindert werden.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP

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