Politik

Staat zieht sich zurück Tafeln ein Alarmzeichen

Die kirchlichen Sozialverbände Caritas und Diakonie sind angesichts der wachsenden Zahl von Lebensmittel-Tafeln und Lebensmittelläden für Arme alarmiert. "Es kann kein Ziel sein, auf Dauer ganze Gruppen von Menschen mit Kleiderkammern, Suppenküchen und Sozialtarifen für Strom zu versorgen und auf diese Weise Parallelwelten entstehen zu lassen", sagte der Präsident der katholischen Caritas, Peter Neher, dem "Tagesspiegel".

Der Sozialverband sieht demnach auch den Staat in der Pflicht. "Es wäre fatal, wenn die politischerseits gern gesehene Tafelbewegung dazu beiträgt, dass sich der Staat mit Hinweis auf die Bürgergesellschaft aus der Daseinsvorsorge seiner Bürger sukzessive zurückzieht", heißt es in einem Papier des Caritas-Vorstandes.

Auch der Präsident des Diakonischen Werks der evangelischen Kirche, Klaus-Dieter Kottnik, nannte das "exponentielle Wachstum der Tafelbewegung" ein Alarmzeichen. Er hätte sich "vor Jahren nicht träumen lassen, dass wir in Deutschland einmal 800 Tafeln haben", sagte Kottnik der Zeitung. Es müsse aber immer beides zusammenkommen, Barmherzigkeit und Einsatz für mehr Gerechtigkeit. So könnten die Menschen mit den derzeitigen Hartz-IV-Sätzen oft kaum für ihre eigene Ernährung sorgen.

Der Bundesverband der Tafeln forderte die Politik auf, angesichts der Krise mehr zum Schutz armer Kinder zu unternehmen. Der Zusammenhang sei so einfach wie verhängnisvoll, sagte der Vorstandsvorsitzende Tafeln, Gerd Häuser, der "Berliner Zeitung". Armut bedeute schlechte Ernährung und wenig Bildung. Häuser warf dem Staat vor, immer weiter von seiner Aufgabe der Daseinsfürsorge abzurücken und auf Bürgerengagement zu setzen. Das sei billiger für ihn. So würden die gemeinnützigen Tafeln, die etwa eine Million Menschen täglich mit Lebensmitteln versorgten, zu einem Teil der Sozialpolitik.

Quelle: ntv.de