Politik

Anschlag vor koptischer Kirche in Kairo Attentäter feuern in Hochzeitsgesellschaft

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Die koptische Kirche im Vorort Waraak in Kairo.

(Foto: dpa)

Statt unbeschwerter Feier erleben Gäste einer Hochzeit in Kairo eine Katastrophe. Vor der Kirche fährt ein Mann auf einem Motorrad vor und schießt wahllos. Der Vorfall ist vorläufiger Höhepunkt einer Reihe anti-koptischer Anschläge seit dem Militärputsch.

Ein bewaffneter Attentäter hat am Sonntag mindestens vier Gäste einer koptischen Hochzeitsfeier in Kairo erschossen. Der Mann hatte vom Rücksitz eines Motorrads, das ein anderer Mann lenkte, wahllos in die Gruppe gefeuert. Die Täter flüchteten anschließend. Die Polizei leitete eine Großfahndung ein.

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Das Attentat löste Entsetzen bei den Kopten aus.

(Foto: dpa)

Der Priester der Kirche im Kairoer Vorort Waraak, Thomas Daoud Ibrahim, erzählte, er habe sich im Innern der Kirche befunden, als er die Schüsse hörte. Als er hinausgelaufen sei, habe er einen toten Mann und eine tote Frau gesehen. Mindestens zwölf Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht. Nach Angaben der staatlichen ägyptischen Nachrichtenagentur "Mena" waren unter den Toten auch ein acht Jahre altes Kind sowie ein 13 Jahre alte Mädchen.

Verhältnis zwischen Muslimen und Kopten erschüttert

Es ist noch unklar, was der Hintergrund des Anschlags sein könnte. Seit den Umstürzen in Ägypten der vergangenen zweieinhalb Jahre hat sich auch das Verhältnis zwischen Muslimen und koptischen Christen in Ägypten verschlechtert. Die Kopten machen etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus.

Kirchenbesucher kritisierten, dass schon seit Monaten keine Polizisten mehr zur Bewachung des Gotteshauses abgestellt worden waren. Die linke Tagammu-Partei sah die Schuld für die Attacke bei den Muslimbrüdern. Ihnen warf sie nach Angaben des Nachrichtenportals "Al-Ahram" vor, sie hätten Unfrieden zwischen den verschiedenen Religionsgruppen gesät. Die ägyptische Muslimbruderschaft distanzierte sich in einer Erklärung ihres Pressebüros in London von dem Angriff.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International macht in einem Anfang Oktober vorgestellten Bericht eine regelrechte Welle von Angriffen auf Kopten aus, die mit der gewaltsamen Machtübernahme der Armee im August zusammenhänge. Damals hatte die Armee Protestcamps von Islamisten geräumt, die gegen die Absetzung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi protestiert hatten. Dabei waren hunderte Menschen getötet worden. Seither sind besonders die Anhänger eines politischen Islam im Land extrem aufgebracht.

Quelle: ntv.de, nsc/dpa

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