Politik

Zölle, Krieg und "Enthauptung"Trump jagt weltweit nach seltenen Erden

25.03.2026, 18:03 Uhr rpeters_foto1x1Von Roland Peters, New York
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Die USA versuchen, sich auf der ganzen Welt kritische Rohstoffe zu verschaffen. (Foto: AP)

In der Krise zwischen den USA und China steht auch die zukünftige Dominanz der US-Tech-Konzerne auf dem Spiel - und damit die Zukunft der Vereinigten Staaten. Um sie mit kritischen Rohstoffen zu sichern, schreckt Präsident Trump offenbar vor wenig zurück.

Wer am weltweiten KI-Boom teilhaben möchte, braucht Rechenzentren. Wer Rechenzentren bauen will, braucht Computerchips. Wer Chips herstellt, braucht seltene Erden und andere kritische Rohstoffe. Sie versprechen die technologische Dominanz und die geopolitische obendrein. Man könnte auch schreiben: Seltene Erden sind die neue Leitwährung der Geopolitik.

US-Präsident Donald Trump jagt ihnen auf der halben Welt nach. Aber es geht um mehr als Chips. Es geht um Computertechnik, militärische Fähigkeiten der USA und damit auch um die Nationale Sicherheit. Die Beute: Größtmögliche Unabhängigkeit vom wirtschaftlichen Hauptrivalen China und allen anderen.

Im aktuellen Iran-Krieg etwa setzen die USA das KI-System "Maven" ein, das mithilfe von Satelliten, Drohnen und anderen Datenquellen allein am ersten Tag 1000 Ziele für Angriffe markierte. Offenbar so erfolgreich, dass Vizeverteidigungsminister Steve Feinberg wenige Tage danach befahl, das System im kompletten US-Militär zu implementieren.

Doppelstrategie gegen China

Washington verfolgt eine Doppelstrategie. Ob Ukraine, Venezuela, Grönland oder Sambia: Die USA versuchen, sich auf der ganzen Welt kritische Rohstoffe zu verschaffen; so viele Zugänge wie möglich und wenn nötig mit Gewalt. Derzeit kommen etwa 90 Prozent aller verarbeiteten seltenen Erden aus China - in den USA wird zwar auch gefördert, für die Weiterverarbeitung werden sie aber nach China verschifft.

Zugleich versucht das Weiße Haus, die Versorgung der heimischen Industrie und des Tech-Sektors mit seltenen Erden abzusichern. Dafür wurde eine strategische Rohstoffreserve namens "Project Vault" ("Projekt Tresor") angelegt. Mögliche Versorgungsengpässe sollen so überbrückt und Preise für die Rohstoffe beeinflusst werden können.

Derzeit kann Peking seine Dominanz auf dem Weltmarkt selbst gegen die USA als Druckmittel einsetzen, wie sich im vergangenen Jahr während der Verhandlungen im Handelskrieg mit Washington zeigte, als China den Export seltener Erden vorübergehend einschränkte. "Panik brach in der Regierung und Konzernen aus", beschreibt die "New York Times" die Reaktion in Washington. Project Vault ist eine der Folgen. An mehreren Orten im Land sollen zukünftig seltene Erden gelagert werden. Wo sich Standorte befinden, ist unklar. Trump verglich die Absicht hinter Project Vault mit der strategischen Ölreserve des Landes.

Zu den sogenannten kritischen Rohstoffen gehören neben den 17 seltenen Erden auch Lithium, Kobalt, Nickel oder Grafit. Trump möchte mehr einheimische Produktion von Technik, aber dafür muss er die Voraussetzungen und Planungssicherheit schaffen - und dafür benötigen die USA garantierten Zugang zu diesen Ressourcen. Sie werden für alles gebraucht, was modern und nach Zukunft klingt: für Computer, Handys, Drohnen, Roboter, Elektroautos und Windkraftanlagen. Aber auch für Ölraffinerien, Fernseher und den Bau von Kampfflugzeugen oder Tomahawk-Raketen.

Im globalen Rennen um Rohstoffe hat sich Trump auch in eine ganze Reihe von internationalen Konflikten gestürzt, die Nato aufs Spiel gesetzt, geht im Alleingang militärisch vor oder mischt sich in bestehende Kriege ein. Aber auch Handelsabkommen für mehr Zugang seien mit verschiedenen Ländern in Arbeit, sagte eine Sprecherin der US-Regierung.

Ukraine und Venezuela

Mit der Ukraine etwa hat Washington bereits im April 2025 ein Abkommen über die gemeinsame Förderung von kritischen Rohstoffen geschlossen - Trump hatte es zur Bedingung für weitere US-Unterstützung in Kiews Verteidigungskrieg gegen Russland gemacht. Solange dieser tobt, wird eine Förderung schwierig sein. Die USA haben also auch ein strategisches Interesse an einem Friedensschluss.

Anfang des Jahres ließ Trump ein Spezialkommando den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro aus Caracas entführen und nach New York City bringen. Seither hört Venezuela auf die Wünsche Washingtons. "Ich lenke es", sagte Trump. Dafür brauchte es keinen "Regime Change" - es genügte die "Enthauptung", wie es in manchen US-Medien genannt wird. Maduro wurde entfernt, einige wenige unliebsame Akteure mussten die Regierung verlassen. Vizepräsidentin Delcy Rodríguez fügt sich offenbar genug, um Trump zufriedenzustellen.

Venezuela ist nicht nur ein Ölland. Südlich des Orinoco-Flusses, wo der Amazonas beginnt, liegen wichtige Rohstoffe wie Bauxit, Koltan, Nickel und seltene Erden. Dort ist der Staat besonders schwach und bewaffnete Gruppen haben häufig das Sagen. Aus dem chaotischen Bergbau verschwinden laut Analysen mehr als 80 Prozent der Gewinne, seltene Erden und andere Rohstoffe des "schwarzen Sandes" werden überwiegend geschmuggelt und enden zur Verarbeitung in China, stellte das venezolanische Investigativmedium Armando.info fest.

US-Innenminister Doug Burgum reiste bereits mit Vertretern von 20 US-Rohstofffirmen nach Caracas. Er schüttelte dort auch Innenminister Diosdado Cabello freundlich die Hand - gegen den ein US-Haftbefehl wegen "Verschwörung zum Narco-Terrorismus" samt Kopfgeld von 25 Millionen Dollar vorliegt. Danach unterzeichnete Burgum eine Exportlizenz für das staatliche venezolanische Bergbauunternehmen Minerven, das unter anderem mit der Guerilla ELN zusammenarbeitet. Die venezolanische Nationalversammlung diskutiert derzeit eine Änderung des Bergbaugesetzes, die jahrzehntelange Förderlizenzen und Steuernachlässe für ausländische Konzerne erlauben würde. Zuvor hatte das von der Regierung kontrollierte Parlament bereits eine ähnliche Reform für den Ölsektor durchgewinkt.

Kuba, Grönland und Sambia

Ähnliches hat Trump mit Kuba vor, berichten US-Medien. Trump hat gegen den kommunistischen Inselstaat eine Ölblockade sowie harte Sanktionen verhängt. Demnach möchte er Havanna in den derzeit laufenden Verhandlungen zu Zugeständnissen zwingen - unter anderem fordert er den Rücktritt von Präsident Miguel Díaz-Canel. Es soll bei den Verhandlungen zudem um Rohstoffschätze auf der Insel gehen, die das Weiße Haus unter seinen Einfluss bekommen möchte. In Kuba lagern die weltweit drittgrößten Kobalt- und die fünftgrößten Nickelreserven. Bislang fördert dort nur das kanadische Unternehmen Sherritt International. Havanna soll dazu bereit sein, die Insel für ausländische Investitionen zu öffnen. Washington könnte diktieren, für wen.

Gegen den Iran, wo ebenfalls seltene Erden lagern, führt Trump gemeinsam mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu offenbar aus unterschiedlichen Motiven seit Anfang März Krieg; aber mindestens in einem Punkt sind sich beide einig: Sie sähen statt der islamistischen Mullahs, die China und Russland näher stehen als dem Westen, gerne eine kooperative Regierung in Teheran. Wer weiß, was dann für Geschäfte möglich wären?

Ebenfalls Anfang des Jahres beschwor Trump eine Krise mit Dänemark, Europa und der Nato herauf, als er einen Anschluss Grönlands erzwingen wollte. Auf der riesigen Arktisinsel lagern einige der weltweit größten Vorkommen kritischer Rohstoffe, mit denen China potenziell Konkurrenz gemacht werden könnte - auch wenn die klimatischen Bedingungen eine Förderung aktuell stark einschränken. Trump behauptete, er wolle Grönland vor dem Einfluss Chinas und Russlands schützen. Es besteht bereits ein weitreichendes Kooperationsabkommen zwischen den USA und Dänemark.

Das US-Außenministerium erwägt, Sambia die Finanzierung der HIV-Behandlungen von etwa 1,3 Millionen Menschen zu beenden, falls die Regierung US-Unternehmen keinen leichteren Zugang zu ihren seltenen Erden gewährt. Derzeit hat in dem afrikanischen Land primär China Zugriff. Mit Brasilien, wo die zweitgrößten nachgewiesenen Reserven seltener Erden lagern - nach China -, verhandeln die USA seit Monaten. In Marokko, Paraguay und Peru unterstützt die US-Regierung passende Bergbauprojekte.

Die im Dezember veröffentlichte Nationale Sicherheitsstrategie gehört zu diesem Vorstoß des Weißen Hauses. "Du kannst das Heimatland nicht verteidigen, wenn du nicht in der eigenen Hemisphäre dominant bist", wird Alexander Gray von "Politico" zitiert, der in Trumps erster Amtszeit Stabschef des Nationalen Sicherheitsrats war. All das dient einem Ziel: unabhängiger von China zu werden. Zu groß ist die Befürchtung, dass Peking die Versorgung abschneidet - und sich dauerhaft gegen Washington durchsetzen kann.

Quelle: ntv.de

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