Politik

Flüchtlinge aus Libyen befürchtet Tunesier wieder auf Lampedusa

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Die italienische Küstenwache greift die Flüchtlinge aus.

(Foto: AP)

Die Schlechtwetterpause ist vorbei: Erstmals seit einer Woche kommen wieder Hunderte von Bootsflüchtlingen auf der italienischen Insel Lampedusa an. Der Exodus aus Libyen verschärft das Problem.

Auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa sind wieder mehrere Schiffe mit Flüchtlingen aus Tunesien eingetroffen. Insgesamt erreichten rund 500 Flüchtlinge Lampedusa und die Nachbarinsel Linosa, wie die Küstenwache mitteilte. Innenminister Roberto Maroni äußerte die Befürchtung, dass auch viele Menschen aus dem umkämpften Libyen bald nach Lampedusa kommen könnten.

Die italienische Küstenwache griff nach eigenen Angaben in der Nacht zum Mittwoch ein erstes Schiff mit fast 350 Flüchtlingen auf und begleitete es an die Küste. Im Laufe des Tages erreichten vier weitere Schiffe aus Tunesien Lampedusa, ein weiteres mit 22 Flüchtlingen landete auf der Insel Linosa.

Einem Bericht der Tageszeitung "Corriere della Sera" zufolge befanden sich auf dem Schiff, das in der Nacht aufgegriffen wurde, auch zwei deutsche Fernsehjournalisten. Sie hätten die Überfahrt der Flüchtlinge über das Mittelmeer mit ihrer Kamera festgehalten. Die beiden Journalisten seien zu einer Personenkontrolle kurzzeitig festgenommen, dann aber freigelassen worden.

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Erstversorgung nach der Ankunft auf Lampedusa.

(Foto: AP)

Zuletzt waren am 23. Februar etwa 30 Menschen aus Tunesien auf der Insel angekommen. Darauf folgte eine Woche schlechten Wetters, das weitere Überfahrten unmöglich machte. Mitte Februar hatten in nur wenigen Tagen mehr als 5600 Menschen aus Tunesien Lampedusa erreicht. Die Insel liegt nur etwa 130 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt und ist wegen der geografischen Lage für viele Menschen in Afrika seit langem ein "Tor nach Europa".

Einwanderungswelle aus Libyen befürchtet

Der Exodus aus Libyen nach Tunesien verschärft offensichtlich das Problem. In Libyen hielten sich 1,5 Millionen Menschen illegal auf, sagte Innenminister Maroni vor dem Parlament in Rom. Sie strömten derzeit in östlicher und westlicher Richtung nach Tunesien und Ägypten, "aber ich denke, dass sie sich dann auch gen Norden (also auch nach Italien) wenden könnten." Zudem wolle eine ganze Generation aus Tunesien fliehen, so Maroni.

Maroni beklagte sich erneut auch darüber, dass die EU zu wenig tue, um den Flüchtlingsstrom einzudämmen und eine Machtübernahme durch Islamisten in Libyen zu verhindern. "Es besteht die Gefahr, dass Libyen ein Afghanistan vor unserer Haustür wird." Europa bewege sich nur im Schneckentempo, unfähig, auf einen Notstand zu reagieren.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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