Politik

Massenvergewaltigung im Kongo UN-Mission im Blickpunkt

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Frauen in der Nähe der Stadt Goma. Die kleinen Dörfer sind Rebellentruppen offenbar schutzlos ausgeliefert.

(Foto: REUTERS)

In Kriegen und Bürgerkriegen werden Vergewaltigungen immer wieder als Waffe eingesetzt. Auch in der Demokratischen Republik Kongo. Ein aktueller, unglaublich brutaler Fall wirft nun Fragen auf - und zwar an die MONUSCO-Mission der Vereinten Nationen.

Eine Massenvergewaltigung mit mehr als 150 Opfern in der Demokratischen Republik Kongo hat schwere Mängel in der Kommunikation zwischen den UN-Friedenstruppen und der Bevölkerung aufgedeckt. Der UN-Sonderbeauftragte für den Kongo, Roger A. Meece, berichtete, dass Bewohner eines der betroffenen Dörfer anwesende UN-Blauhelme nicht über das brutale Vorgehen informiert hatten.

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Soldat der MONUSCO: Was stimmt nicht im Verhältnis zur Bevölkerung?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Demnach machten Soldaten der UN-Friedensmission MONUSCO (bis Juli 2010: MONUC) Anfang August zwei Mal Halt in einem der Dörfer nahe der Stadt Goma, in denen die Frauen von Rebellen überfallen und immer wieder vergewaltigt wurden. Keiner der Dorfbewohner habe die Blauhelme alarmiert oder um Hilfe gebeten, sagte Meece. Erst zehn Tage später sei die Friedensmission von der viertägigen Vergewaltigungsorgie durch die ruandische Hutu-Rebellengruppe "Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas" (FDLR) unterrichtet worden.

Mitglieder der FDLR besetzten am 30. Juli die Stadt Luvungi und misshandelten vier Tage lang zahlreiche Frauen. "Fast alle berichteten Vergewaltigungen wurden von zwei bis sechs bewaffneten Männern begangen, oft spielten sich die Gewalttaten vor den Augen der Kinder und Männer der Frauen ab", teilte die Hilfsorganisation International Medical Corps (IMC) mit. Eine große Anzahl der Frauen sei vor den Vergewaltigungen geschlagen worden, und einigen der Opfer seien die Kinder aus den Armen gerissen worden. Die Verbrechen ereigneten sich nur 30 Kilometer von einem Stützpunkt der UN-Friedenstruppen entfernt.

Ausmaß "unüblich"

Nach Angaben der Sprecherin des Büros der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten, Stefania Trassari, kommen Vergewaltigungen in der Demokratischen Republik häufig vor - aber eine derartige Massenvergewaltigung sei unüblich.

Meece kündigte an, die Kommunikationswege zwischen der UN-Mission und der Bevölkerung im Osten Kongos gründlich zu überprüfen und nach Möglichkeit zu verbessern. Der Kongo wurde von 1998 bis 2003 von einem brutalen Bürgerkrieg erschüttert. Damals und in den bis heute andauernden regionalen Konflikten kamen schätzungsweise 5,4 Millionen Menschen ums Leben.

Der Operation MONUSCO werden selbst immer wieder erhebliche Vorwürfe gemacht. In einigen Fällen verstießen Soldaten gegen die Menschenrechte, 2004 gab es den Verdacht, Soldaten hätten Kinder sexuell missbraucht. International wird kritisiert, dass die Einsatzkräfte aus Ländern stammen, in denen es selbst gar keine demokratischen Verhältnisse gibt, etwa aus Nepal oder Pakistan. Militärexperten schätzen die Ausrüstung der Soldaten zudem als extrem veraltet ein.

Quelle: ntv.de, jmü/dpa

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