Politik

Saddam will Katar zerstören US-Kommando wird verlegt

Rund 600 Mitarbeiter des Zentralkommandos der US-Streitkräfte CENTCOM sollen im November in den Golfstaat Katar geschickt werden. Als Bestandteil einer halbjährlichen Übung werde das Zentralkommando einen Teil seines Kommandostabs nach Katar verlegen, teilte ein Sprecher des Zentralkommandos am Mittwoch mit. Laut einem Regierungsbeamten erwägt der US-Sicherheitsstab eine komplette Verlegung des Zentralkommandos von Tampa im US-Bundestsstaat Florida nach Katar. Zuvo hatte der US-Sender "Fox News Network" berichtet, die Verlegung soll bereits diesen Freitag beginnen.

CENTCOM überwacht die US-Militäreinsätze in 25 Staaten im Nahen Osten, in Zentral- und Südwestasien sowie in Nordostafrika. Der CENTCOM-Kommandeur General Tommy Franks hatte im November erklärt, er erwäge, sein Hauptquartier näher an Afghanistan zu verlegen und nannte Katar als möglichen Sitz. Diplomaten zufolge würde der El-Udeid-Stützpunkt auch im Falle eines US-Angriffs auf den Irak eine wichtige Rolle spielen.

Saddam Hussein droht

Der irakische Präsident Saddam Hussein soll bereits im August mit der Zerstörung des Golfstaates Katar gedroht haben, sollte tatsächlich die US-Armee den Militärstützpunkt El Udeid für einen Angriff auf den Irak nutzen.

Die Kairoer Zeitung „Al-Gumhuria“ berichtete am Mittwoch unter Berufung auf irakische Quellen über die Begegnung des irakischen Präsidenten mit dem katarischen Außenminister, Scheich Hamad bin Dschasim Al Thani, Ende August in Bagdad. Der Außenminister habe Saddam Hussein zunächst aufgefordert, die UN-Waffenkontrolleure wieder ins Land zu lassen. Anderenfalls würde „die Hölle losbrechen“. Der Präsident habe sich dies ruhig angehört, hieß es.

Doch als der katarische Außenminister ihm gesagt habe, er habe auf El Udeid „Waffen gesehen, die ich noch nie zuvor gesehen habe“, und dass diese im Falle eines US-Angriffs gegen den Irak eingesetzt würden, sei Saddam wütend aufgesprungen und habe ihn angeschrieen. Nach Angaben der Zeitung fragte er seinen Gast, ob Katar bereit sei, ein Agent der USA zu sein und sich auf die Seite der Feinde der arabischen Nation zu stellen. Sollte Katar der US-Armee erlauben, von El Udeid aus den Irak anzugreifen, werde er das Land „komplett zerstören“. Der Außenminister sei nach der Begegnung sofort zum Flughafen gefahren, hieß es.

Vorbehalte im US-Kongress

Der Regierung von US-Präsident George W. Bush ist es bis Mittwoch nicht gelungen, von entscheidenden Mitgliedern des Kongresses Rückendeckung für einen Irak-Feldzug zu erhalten. Der Mehrheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, Dick Armey, sagte nach einem Treffen mit Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und CIA-Direktor George Tenet: "Ich lege die Latte ganz hoch". Er müsse von der Notwendigkeit eines Krieges überzeugt werden, sagte er. Aus Kongresskreisen hieß es, viele Abgeordnete lehnten einen militärischen Alleingang der USA ab.

Klare Worte vor der UNO?

US-Präsident George W. Bush will bei seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen (UNO) am Donnerstag um Solidarität im Abrüstungsstreit mit Irak werben. UN-Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete unterdessen den Weltsicherheitsrat als alleiniges Gremium für die Ergreifung von Maßnahmen bei einer Bedrohung der internationalen Sicherheit.

UN-Generalsekretär Kofi Annan hat Washington indes vor einem militärischen Alleingang gegen den Irak gewarnt. Ohne die USA namentlich zu nennen, lehnte er am Mittwoch Militäraktionen ohne Autorisierung des Sicherheitsrates ab. Annans Rede könne als "freundliche Warnung an die USA verstanden werden", sagte ein hochrangiger UN-Beamter im Gespräch mit Journalisten. Zugleich warnte Annan aber auch den Irak vor Konsequenzen, wenn die Regierung in Bagdad weiterhin die Erfüllung von UN-Resolutionen verweigere.

Kein detaillierter Aktionsplan

"Wir müssen zusammenarbeiten", sagte der US-Präsident am Dienstag in Washington. Er wolle vor der UNO darlegen, "wie ich glaube, wie wir vorgehen sollten ". Die USA erwarten, dass die UNO auf die Durchsetzung der von ihr gefassten Irak-Resolution drängt. In seiner Rede wird Bush aber offenbar keinen detaillierten Aktionsplan vorlegen.

Aus US-Regierungskreisen, die mit der Abfassung der Rede befasst sind, verlautete, Bush wolle kein Ultimatum stellen, sondern der UNO eine Chance zum Handeln geben. Klar sei aber auch, dass Untätigkeit keine Option sei, und die USA gegebenenfalls selbst handeln müssten.

Ein hoher Regierungsbeamter erklärte, es stehe nicht nur eine militärische Option zur Diskussion. Den Vorschlag des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac, den Irak ultimativ zur bedingungslosen Rückkehr der UN-Waffeninspekteure innerhalb von drei Wochen aufzufordern, nannte der Beamte eine "interessante Idee".

Deutsch-amerikanische Beziehungen

Angesichts des deutsch-amerikanischen Streits über die Irak-Politik hat der US-Botschafter in Berlin, Daniel Coats, die Unterstützung der Freunde und Alliierten der USA gefordert. Zugleich stellte er Deutschland Konsultationen in Aussicht. Im ARD-Morgenmagazin sagte Coats: "Wir verstehen, dass hier Wahlen sind. " Amerika habe nicht das Recht, sich da einzumischen.

In der n-tv -Sendung "Maischberger" fügte Coats jedoch hinzu: Er sei sich sicher, dass sich die Probleme "in den nächsten Wochen" klären würden. "Gute Beziehungen beider Staaten sind schließlich für beide Seiten sehr wichtig."

Bundesaußenminister Fischer versicherte den USA indes die weitere deutsche Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus. Die USA könnten auf die "ungebrochene Solidarität" der Deutschen zählen, sagte er nach Angaben eines deutschen Außenamtssprechers. Fischer war in New York mit US-Außenminister Colin Powell zu einem Kurzgespräch über die Irak-Krise zusammengetroffen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.