Politik

Fake-Film US-Präsident prügelt auf CNN-Logo ein

Selbst die meisten Wähler der Republikaner sagen, dass Trump zu viel twittert. Er selbst findet sein Verhalten in den sozialen Medien "modern-präsidial". Den Sender CNN attackiert er mit einem zehn Jahre alten Wrestling-Film – ein klarer Fall von Fake News.

Donald Trump setzt seine Attacken auf den Sender CNN fort. Auf Twitter postete der US-Präsident ein Video, das ihn selbst zeigt, wie er am Rande einer Wrestling-Veranstaltung einen Mann zu Boden reißt und auf ihn einprügelt. Über das Gesicht des Mannes ist – ein wenig stümperhaft – ein CNN-Logo montiert.

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Die Szene, die als Vorlage für dieses Filmchen diente, ist zehn Jahre alt. Der Mann, der von Trump verprügelt wird, ist Vince McMahon, der Chef des Unternehmens World Wrestling Entertainment.

Auf die "Fake-News-Medien" schimpft Trump schon seit einer Ewigkeit, doch seit ein paar Tagen hat er CNN verstärkt ins Visier genommen. Der Sender hatte einen Bericht über Trump zurückgezogen und sich dafür entschuldigt, nachdem sich herausgestellt hatte, dass er falsch oder zumindest unzureichend belegt war. Dabei ging es um Kontakte aus Trumps Umfeld zu einem russischen Investmentfonds. Drei Mitarbeiter des Senders reichten wegen des Beitrags ihre Kündigung ein.

Trump hält sich für "MODERN-PRÄSIDIAL"

Er denke darüber nach, künftig nicht mehr von "Fake News CNN" zu sprechen, sondern von "Fraud News CNN", twitterte Trump am Samstag. In einem weiteren Tweet ging er auf Kritik auch aus den Reihen der Republikaner ein, die Trumps Ausdrucksweise auf Twitter für unangemessen halten. "Mein Gebrauch der sozialen Medien ist nicht präsidial – er ist MODERN-PRÄSIDIAL", schrieb er in den für ihn typischen Großbuchstaben.

Die meisten Amerikaner halten nicht viel davon, wie Trump twittert. 69 Prozent sagten in einer Umfrage Anfang Juni, dass Trump zu viel twittert. Selbst 53 Prozent der republikanischen Wähler waren dieser Ansicht.

In der vergangenen Woche hatte Trump das Moderatorenpaar Joe Scarborough und Mika Brzezinski auf eine Weise attackiert, die selbst für seine Verhältnisse ungewöhnlich aggressiv war. Brzezinski sei "dumm wie ein Stein" und habe bei einer Silvesterfeier in seinem Golfclub Mar-a-Lago "schlimm geblutet wegen eines Gesicht-Liftings".

Am Samstag sagte er bei einer Art Wahlkampfauftritt vor Veteranen in Washington, die "Fake Medien" versuchten, ihn zum Schweigen zu bringen. "Die Fake Medien haben versucht, uns daran zu hindern, ins Weiße Haus zu kommen. Aber ich bin Präsident, und sie nicht."

Die Prügelei war gar keine

"Fake" ist übrigens auch die Vorlage für Trumps aktuelle Attacke auf CNN. Auf einem Film von 2007 kann man deutlich erkennen, dass Trump seinerzeit nicht McMahon geschlagen hat, sondern den Boden – seine Faust hinterlässt kleine Dellen in der Gummimatte. Überraschend ist das natürlich nicht. Wrestling ist schließlich mehr Show als Sport.

Die Debatte über Trumps Verhalten in den sozialen Medien hat einen ernsten Hintergrund. Nach dem Angriff auf ein Baseball-Team aus republikanischen Kongressmitgliedern, bei dem der Abgeordnete Steve Scalise schwer verletzt wurde, haben mehrere Politiker in Washington erklärt, sie würden künftig ihren Ton mäßigen, um niemanden zu Hass und Gewalt anzustacheln. Trump dagegen scheint eher aufzudrehen. Auf die Frage, ob sein Verhalten auf Twitter zu einer gewalttätigen Atmosphäre beitrage, sagte seine Sprecherin Sarah Huckabee Sanders am vergangenen Donnerstag, der Präsident habe nie den Einsatz von Gewalt angeregt. "Ganz im Gegenteil."

In einer Reaktion erklärte CNN, es sei traurig, dass der Präsident der Vereinigten Staaten zu Gewalt gegen Reporter aufrufe. "Es ist klar, dass Sarah Huckabee Sanders gelogen hat, als sie sagte, der Präsident habe das nie getan." Statt sich auf seine anstehende Auslandsreise und sein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin beim G20-Gipfel in Hamburg vorzubereiten, zeige Trump "kindisches Verhalten, das weit unter der Würde seines Amtes ist".

Quelle: n-tv.de, hvo

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