US-Wahl

Santorum kehrt auf politische Bühne zurück Der Rechtsüberholer

Santorum greift wieder in den Wahlkampf ein.

Santorum greift wieder in den Wahlkampf ein.

(Foto: Reuters)

Zwei Monate nach seinem Rücktritt vom US-Wahlkampf ist Rick Santorum wieder da: mit einer eigenen Polit-Organisation im Rücken und jeder Menge Ambitionen - und nur sparsam dosierter Zustimmung für Romney, der ihn in den Vorwahlen bezwang.

Eine "große Neuigkeit" hatte Rick Santorum versprochen, seit Wochen ging es in seinen Emails an Unterstützer nur noch darum - stets verbunden mit der Bitte, doch ein paar Dollar zur Begleichung seiner Wahlkampfschulden zu spenden. Nicht wenige Fans des konservativen Ex-Senators werden dabei an den Posten als Mitt Romneys Vizepräsident gedacht haben. Schließlich gilt Santorum inzwischen als neue Ikone der bibeltreuen USA, dem Teil des Landes, in dem Romney im Wahlkampf Kontaktschwierigkeiten hatte. Am Freitag war es schließlich soweit: Santorum lüftete sein Geheimnis - das sich jedoch lediglich als cleverer Karriereschachzug entpuppte.

Der frühere Präsidentschaftskandidat hat seine eigene politische Gruppierung gegründet. Die konservative Grasswurzel-Organisation "Patriot Voices" soll in Zukunft Santorums traditionelle Ansichten über Gott, Staat und Familie ins Land tragen. "Wir glauben an die Außergewöhnlichkeit Amerikas, an sein Unternehmertum und an persönliche Verantwortung", so die Gruppe über sich selbst.

Alte Thesen, neue Verpackung

Das ABC der US-Wahlen

Abtreibung bis Caucus
Delegierte bis F-Wort
Gesundheitsreform bis Iowa
Luftkrieg bis Obama
President-elect bis Swing States
Tea Party bis Zukunft

Es sind Santorums alte Wahlkampfforderungen, teilweise wörtlich übernommen und in nur wenig geändertem Design neu präsentiert. Man ist gegen Obamas Gesundheitsreform und für die Erhaltung der "traditionellen Familie", gegen Islamismus und für das US-Militär, gegen die iranischen Atombombe und für "die Würde menschlichen Lebens" - und damit gegen Abtreibung, Santorums Hauptthema im Wahlkampf.

Die "patriotischen Stimmen" von Santorums Gruppe sollen auch Mitt Romney im Wahlkampf gegen Obama helfen. "Obamas Niederlage ist unser primäres Ziel" so die Patrioten-Webseite, deren Logo stark an die radikale Tea Party erinnert. Wie genau diese Unterstützung aussehen wird, bleibt offen, vermutlich aber werden Santorums Aktivisten beim Sammeln von Spenden, bei der Registrierung von republikanischen Wählern und dem Verteilen von Flyern helfen.

Gebremste Freude über Romney

Santorum selbst hatte Romney bereits vor einigen Wochen seine Hilfe zugesagt, allerdings war er seitdem kaum in Erscheinung getreten. Die Wunden aus dem teilweise überharten Vorwahlkampf schmerzen wohl noch immer: Zwar seine Romney eine "enorme Verbesserung" gegenüber Obama, doch sei er selbst "eine noch größere Verbesserung gewesen", so Santorum. "Aber das Thema ist nun abgehakt."

Überschäumende Begeisterung klingt anders. Und so soll "Patriot Voices" vor allem den Druck der republikanischen Rechten auf Romney aufrecht erhalten. Santorum hatte ihm in den Vorwahlen vorgeworfen, deren konservative Prinzipien nicht glaubhaft zu vertreten. Nun soll "Patriot Voices" dafür sorgen, dass Romney nicht vergisst, dass er ohne den rechten Flügel seiner Partei nicht gewinnen kann.

Eine Million Fans für 2016?

Auf eine Million Mitglieder will Santorum seine Truppe ausbauen, sie wäre damit eine der größten Wahlkampforganisationen der Republikaner. Allein als Steigbügelhalter für Mitt Romney ist sie jedoch kaum gedacht. Vielmehr könnte "Patriot Voices" Santorum helfen, seine organisatorische Schwäche aus den diesjährigen Vorwahlen wettzumachen.

Denn 2016 wird in den USA wieder der Präsident gewählt. Möglich, dass Santorum dann erneut antritt, getragen von seinem konservativen Millionen-Chor.

Quelle: n-tv.de

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