US-Wahl

Romney droht Niederlage in Heimatstaat Die Schlacht um Detroit

In Michigan nehmen sie Romneys sein Nein zur Rettung von GM noch immer übel.

In Michigan nehmen sie Romneys sein Nein zur Rettung von GM noch immer übel.

(Foto: Reuters)

Es wäre die bisher größte Überraschung des US-Wahlkampfes: Rick Santorum könnte Michigan gewinnen, obwohl es Romneys Heimat ist und er dort einst als sicherer Sieger galt. Das Romney-Lager reagiert und geht zur großen TV-Offensive über.

Romney neben einem Wahlkampfplakat seines Vaters.

Romney neben einem Wahlkampfplakat seines Vaters.

(Foto: REUTERS)

Die negative Werbemaschine läuft auf Hochtouren in Michigan, befeuert von Geld und Angstschweiß. Rund 3,2 Million Dollar haben Mitt Romneys Kampagne und die ihn unterstützende Gruppe "Restore our Future" bereits für Werbezeit im Fernsehen ausgegeben, dreimal mehr als Rick Santorum. Doch in den Umfragen führt der konservativen Ex-Senator von Pennsylvania deutlich mit bis zu zehn Prozent vor Romney. Der fürchtet nun bei der Vorwahl am 28. Februar ein Debakel, das ihm vielleicht sogar die Nominierung kosten kann.

Denn Michigan galt einst als Romney-Land: Sein Vater George war hier Manager im Automobilsektor und später ein beliebter Gouverneur. Romney wurde in Detroit geboren und präsentiert seine Michigan-Wurzeln stolz in einem neuen Werbespot, der hier fast täglich im Fernsehen läuft. Noch im Januar lag Romney deutlich vor seinen Konkurrenten, Michigan galt nicht als umkämpfte Vorwahl. Doch das hat sich dramatisch verändert: Santorum hat sich nach den jüngsten Wahlerfolgen als konservative Alternative zu Romney etabliert. Nun kann er ihn plötzlich dort angreifen, wo Romney als unverwundbar galt.

Großangriff auf Santorum

Umso aggressiver schlägt Romney nun auf Santorum ein: In einem neuen Werbespot wird der Ex-Senator als Freund hoher Staatsausgaben dargestellt. Als Senator habe er Milliardenkosten durch sogenannte "Earmarks" verursacht - Anhänge zu Gesetzen, die Geld des Bundes für Projekte in den Bundesstaaten sichern. "Ich hatte jede Menge Earmarks", gab Santorum einst in einer Talkshow zu. "Ich bin sogar stolz darauf." Diese Aussage verwendet Romney im Spot nun gegen ihn. Er selbst versprich, das Staatsdefizit unter Kontrolle zu bringen und sämtliche Ausgaben daraufhin überprüfen zu wollen, ob sie es wert sind, "dafür Geld von China zu leihen".

Sparfuchs Romney gegen Verschwender Santorum, das Hauptargument des Mannes aus Michigan gegen seinen Rivalen. Ob das funktioniert, ist fraglich. Denn ausgerechnet Michigan ist ein Beispiel für die heilende Kraft der Dollars aus Washington.

Romneys Heimschwäche

Obama zu Besuch in Michigan: Die Rettung der Autoindustrie wird hier von den meisten begrüßt.

Obama zu Besuch in Michigan: Die Rettung der Autoindustrie wird hier von den meisten begrüßt.

(Foto: REUTERS)

General Motors und Chrysler, zwei der größten Arbeitgeber im Automobil-Staat, wurde 2009 vor dem Untergang gerettet gerettet, mit Milliarden von der US-Regierung. Hundertausende Jobs wären sonst verloren gegangen, so das Argument damals - nicht nur von der Obama-Regierung, sondern auch von der unter seinem Vorgänger George W. Bush. Romney aber sprach sich öffentlich für eine kontrollierte Pleite der Auto-Giganten aus. "Lasst Detroit bankrott gehen", verkündete er damals in einem Artikel in der New York Times.

Daran erinnern sie sich jetzt in Michigan, vor allem mit Blick auf GMs erfolgreichen Jahresabschluss und die zurückeroberte Position als Weltmarktführer bei den Autoherstellern. Chrysler bedankte sich zum diesjährigen Super Bowl sogar mit einem sündhaft teuren Werbespot für die Rettung. Und auch die mächtige Gewerkschaft der Autobranche, die UAW, meldet sich zu Wort. "Fast jeder in Michigan hat mindestens eine Schwester, einen Bruder, einen Cousin, der mit der Autoindustrie verbunden ist", sagt die Gewerkschafterin Stacie Steward in einer Videobotschaft der UAW. "Als er [Romney] das 2008 geschrieben hat, war das sehr furchteinflößend."

Und Santorum nahm diese Steilvorlage prompt auf. "Gouverneur Romney war für die Rettung der Wall Street aber gegen die Rettung von Detroit", erklärte er in einer Rede vor dem Detroit Economic Club. Er selbst sei wenigstens konsequent gegen beides gewesen, so Santorum.

Santorum schlägt zurück

Gegen Romneys gut finanzierte Medienattacken hat sich Santorum ebenfalls eine Botschaft einfallen lassen: Er stellt seinen Kontrahenten als Dreckschleuder dar. "Rombo" heißt sein neuer Werbespot, in der ein Manager Santorum-Figuren mit Schmutz beschießt, bis ihm die Waffe zum Schluss das eigene Hemd versaut. Aufrichtiger Familienvater gegen gewissenlosen Lügenbaron: Schon Newt Gingrich hatte eine ähnliche Taktik probiert, war aber an seiner eigenen Vorbelastung gescheitert. Santorum, mit seinem konservativen Saubermann-Image, bietet hingegen kaum Angriffsfläche für Romney.

Wie stark sich Santorum zurzeit fühlt, wurde zuletzt am Samstag deutlich, als er sich trotzt Romneys Druck Zeit für einen Angriff auf Obama fand. Vor Anhängern der Tea Party behauptete er, dessen Politik basiere nicht "auf der Theologie der Bibel", sondern einem "verlogenen Ideal, einer anderen Theologie". Gefragt, ob er den Präsidenten für einen Christen halte, antwortete Santorum: "Wenn er das sagt, dann ist er es."

Obama sammelt fleißig Spenden

Das Obama-Lager ließ umgehend ausrichten, der Ex-Senator habe die Grenze des guten Geschmacks deutlich übertreten. Wirklich Sorgen machen wird sich Obama jedoch nicht: Je stärker Santorum wird, desto schwächer wird Romney. Und gegen den ultra-konservativen Santorum rechnet sich Obama weitaus bessere Chancen aus; in den Umfragen liegt er zurzeit rund acht Prozent vor ihm.

Außerdem hat Obama den Januar genutzt, um noch einmal seine Wahlkampfkassen zu füllen. Zusammen mit den Demokraten sammelte er fast 30 Millionen Dollar an Spenden ein. Die Kampagne allein bekam rund 12 Millionen Dollar. Damit hat er seinen Vorsprung im "Money-Race" noch einmal deutlich ausgebaut.

Romney hingegen muss kämpfen: Geht Michigan verloren, dürften weitere Zweifel an seiner Befähigung für das Duell mit Obama aufkommen. Santorum hingegen könnte beweisen, dass er auch in weniger konservativen Bundesstaaten Stimmen holen kann.

Am Ende könnte Romneys Wahlkampf also dort scheitern, wo sein Vater einst Wahlkämpfe gewann.

Quelle: n-tv.de

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