US-Wahl

Biden schockt mit Anspielung "Die legen euch wieder in Ketten"

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Joe Biden ist für sein loses Mundwerk bekannt.

(Foto: AP)

US-Vizepräsident Biden sorgt wieder einmal für Ärger. Er wirft dem Republikaner Romney indirekt vor, die Sklaverei wieder einführen zu wollen. Sarah Palin fordert Bidens Rücktritt, doch Präsident Obama verteidigt seinen Vize. Dabei könnte der ihn noch in Schwierigkeiten bringen.

"Say it ain't so, Joe". Sag, dass das nicht wahr ist, Joe. Mit diesem Satz hatte Sarah Palin 2008 im Rededuell der Vize-Kandidaten gegen Joe Biden einen Wirkungstreffer erzielt. Gut möglich, dass Biden den Spruch jetzt wieder zu Ohren bekommt, dieses Mal aber von Präsident Barack Obama. Denn der für seine verbalen Ausrutscher berüchtigte Biden hat mal wieder zugeschlagen - und bringt Obama dadurch in Schwierigkeiten.

Bei einer Rede vor Wählern in Virginia kritisierte Biden den republikanischen Haushaltsentwurf scharf. Der ist zum Thema Nummer eins geworden, seitdem Mitt Romney dessen Autor, Paul Ryan, zu seinem Vizepräsidenten auserkoren hat. Der Entwurf zeigt, so Biden, wo die wahren Werte der Konservativen liegen. Romney nämlich wolle nicht nur Sozialausgaben kürzen, sondern auch den großen Banken erlauben, ihre eigenen Regeln zu schreiben. Romney wolle "Wall Street von der Kette lassen", fügte er im exaltierten Stil eines Baptistenpredigers hinzu. "Er wird euch alle wieder in Ketten legen."

Botschaft an Schwarze

Dass Biden vor allem Amerikas Schwarze angesprochen hat, erschließt sich mit Blick auf die Geschichte der Sklaverei von selbst. In Virginia stellen Afro-Amerikaner fast ein Fünftel der Bevölkerung. 2008 gewann Barack Obama den eigentlich konservativen Bundesstaat, vor allem dank der hohen Wahlbeteiligung von schwarzen Bürgern. 2012 ist Virginia wieder einer von mehreren "Swing States", deren Ergebnis die gesamte Wahl entscheiden kann.

Das Romney-Team ging sofort zum Gegenangriff über. "So sieht eine verzweifelte Kampagne aus", sagte der Ex-Gouverneur. "Diese persönlichen Attacken sind des Weißen Hauses unwürdig, und die aussagen des Vizepräsidenten fügen dem Amt nur noch mehr Schaden zu." Der Präsident solle mit seiner "Kampagne der Spaltung und der Wut und des Hasses" zurück in seine Heimatstadt Chicago gehen, so Romney. Andere führende Republikaner sprangen Romney zur Seite, darunter John McCain, der 2008 gegen Obama im Kampf um das Weiße Haus gescheitert war.

Palin will Clinton

Bidens ehemalige Konkurrentin Sarah Palin forderte gar Bidens Rücktritt vom Wahlkampf - und schlug sogleich einen Ersatz vor. "Wenn das nicht der letzte Sargnagel war", sagte Palin dem republikanischen Haussender Fox News, "dann sollten Obamas Strategen darüber nachdenken, Biden mit Hillary (Clinton) zu ersetzen." Sie wolle den Demokraten natürlich keinen Floh ins Ohr setzen, fügte Palin hinzu. "Denn die Kombination Obama-Clinton hätte eine verdammt gute Chance, zu gewinnen."

Obama tat die Kommentare als "politisches Wrestling" ab. Seine Gegner wollen damit "nur Sendezeit füllen", sagte Obama. Auch Biden wollte seine Aussage nicht zurücknehmen. "Manchmal werde ich kritisiert dafür, dass ich meine Meinung sage. Aber das wird sich nicht ändern:" Er habe schließlich nur die Worte der Republikaner benutzt, ließ Biden in einem offiziellen Statement ausrichten. "Wissen Sie, was wirklich empörend ist? Deren Politik und die Auswirkung auf Amerikas Mittelklasse."

Ob Biden Obama mit seiner Direktheit wirklich einen Gefallen getan hat, darf allerdings bezweifelt werden. Denn der Präsident gerät im Wahlkampf weiter unter Druck. Laut einer neuen Umfrage hat Romney in mehreren wichtigen Staaten Boden gut gemacht. In Florida, Virginia und Ohio liegt er laut dem Institut "Purple Insights" sogar vorn. Härtere Rhetorik gegen Romney könnte außerdem Wähler der politischen Mitte abschrecken. Denn Obamas größter Vorteil gegenüber Romney ist, dass ihn mehr Menschen mögen. Verbale Attacken könnten dieses Bild ändern.

Quelle: ntv.de