Politik
Der Ex-Senator von Pennsylvania, Rick Santorum, arbeitet als Anwalt und regelmäßiger Kommentator in konservativen Medien, allen voran Fox News.
Der Ex-Senator von Pennsylvania, Rick Santorum, arbeitet als Anwalt und regelmäßiger Kommentator in konservativen Medien, allen voran Fox News.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 03. Januar 2012

Republikanische Kandidaten: Mann mit Google-Problem

von Sebastian Schöbel

Wer den Nachnamen von Rick Santorum in die weltgrößte Suchmaschine eingibt, erhält als erstes Ergebnis nicht etwa den Internetauftritt des republikanischen Präsidentschaftskandidaten, oder den Link zu einem Zeitungsartikel, sondern eine einfache Webseite mit einem einzigen Eintrag: Einer Definition des Begriffs "Santorum". Zitierbar ist dieser Text nicht, jedenfalls nicht in anständigen Medien, es reicht der Hinweis, dass es sich um ein unerwünschtes Nebenprodukt einer speziellen Sexpraktik handelt.
 

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Es ist die Rache des liberalen und vernetzten Amerikas an einem Politiker, der seine gesamte Karriere hindurch als erzkonservativer Hau-Drauf Karriere gemacht hat. 2003 verglich Santorum Homosexualität mit Pädophilie und Sodomie – eine missglückte Formulierung, wie er später zu erklären versuchte, doch da war es schon zu spät. Eine Internetkampagne hatte bereits erreicht, dass Santorums Name fortan eine doppelte Bedeutung hat. Versuche Santorums, den Eintrag löschen zu lassen, scheiterten.

Kongresskarriere mit 32 Jahren

Dabei versucht der heute 53-Jährige eigentlich ein vorbildlich katholisches Leben zu führen. Zusammen mit seiner Frau Karen hat Santorum sieben Kinder, ist Mitglied des alt-ehrwürdigen Malteser-Ordens und verfügt über gute Kontakte zur Laienorganisation Opus Dei. Geboren wurde er in Virginia, wuchs dann in Illinois und machte schließlich Karriere als Politiker in Pennsylvania. Der ausgebildete Jurist arbeitete sich in der republikanischen Partei hoch und wurde 1990 mit erst 32 Jahren Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus. Vier Jahre später wechselte er in den US-Senat. Eine glänzte Polit-Karriere stand ihm bevor, zumal sich Santorum als treuer Anhänger des ultra-konservativen Flügels erwies: gegen Gleichberechtigung von Schulen und Lesben, gegen Abtreibung und für die Einführung von "Intelligentem Design" als Lehrfach an Schulen.

Den Irakkrieg unterstützte Santorum ebenso wie den Anti-Terror-Krieg der Neokonservativen in der Bush-Regierung – so sehr, dass er einst voreilig den Fund von Massenvernichtungswaffen im Irak verkündete. Nebenbei betätigte er sich als eifriger Agitator gegen die "faschistischen" Umtriebe des radikalen Islam, in dem er eine der größten Bedrohungen für die USA sieht.

Zwangspause nach missglückter Unterstützung

Doch dann machte Santorum einen entscheidenden Fehler – und lernte auf diesem Wege, welche Wucht die Wut der Konservativen entfalten kann. Als er sich 2006 um seine Wiederwahl in den Senat bemühte, unterstützte Santorum auch den moderaten Parteikollegen Arlen Specter – zu moderat für den rechten Rand der Partei. Santorum verlor Stammwähler und konnte auch nicht mit einem radikal anti-islamischen Wahlkampf seinen Rückstand aufholen.

Er kehrte zurück zur Juristerei, hielt sich jedoch als konservativer Kommentator vor allem auf Fox News im Gespräch und blieb somit ein oft genannter Kandidat für diverse politische Posten, lehnte aber stets ab. Bei der Wahl 2008 hielt er zu Mitt Romney, weil ihm John McCain zu wenig konservativ war. Dem Vietnamveteran McCain warf Santorum später vor, trotz Folter in Kriegsgefangenschaft nichts vom Nutzen verschärfter Verhörtechniken zu verstehen.

Im Aufstieg der Tea Party sieht Santorum nun die Chance für sein politisches Comeback. Allerdings muss er sich um die Stimmen am rechten Rand gleich mit zwei weiteren Kandidaten streiten: Sowohl Michele Bachman als auch Rick Perry sind bei den konservativen Wählern beliebt. Sollte Santorum die Vorwahl gewinnen ist im das tief-rote Lager also sicher – ob das aber für den Hauptwahlkampf gegen Obama reichen würde, bei dem moderate Wechselwähler den Ausschlag geben dürften, ist mehr als fraglich.

Quelle: n-tv.de