US-Wahl

Rückkehr zum alten Glanz Romney verspricht bessere USA

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Mitt Romney nimmt die Nominierung an.

(Foto: AP)

"Jobs, Jobs, Jobs", ist die Kernaussage der mit Spannung erwarteten Rede des Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner, Mitt Romney, die Parteikollegen wie Newt Gingrich von alten Reagan-Zeiten träumen lässt. Clint Eastwood bringt aber erstmal einen imaginär anwesenden Präsidenten zum Schweigen.

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Newt Gingrich, flankiert von Frau Callista: "Die wichtigste Abstimmung seit der Wahl Ronald Reagans 1980"

(Foto: dpa)

Es sollte die wichtigste Rede seines Lebens werden und sie musste das Publikum begeistern: Die Anforderungen an den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney waren hoch und die Inszenierung perfekt. Denn bevor der Obama-Herausforderer die Bühne betrat, wurde das Feld gut vorbereitet: Mit Gebeten, bisher nie gewährten Einblicken in Romneys Privatleben und Glauben und Kampfansagen an Präsident Barack Obama.

Als Erstes wurde das republikanische Familienalbum aufgeblättert, um an die glorreichen Zeiten zu erinnern: Newt Gingrich und seine Frau Callista erinnerten mit überlebensgroßen Bildern und Einspielfilmen an die konservative Ikone Ronald Reagan, die im Gegensatz zu Barack Obama (oder seinem an der Wiederwahl gescheiterten Vorgänger Jimmy Carter), immer alles richtig gemacht hatte. Jeb Bush, der nicht so geheime Liebling vieler Republikaner, Bruder desjenigen Ex-Präsidenten, dessen Namen auch auf dieser republikanischen Veranstaltung nicht genannt wurde, ging Obama ebenfalls frontal an.

Schließlich wurde es persönlich: Mitt Romneys mormonischer Glaube, den die Wahlkampfstrategen des republikanischen Kandidaten bislang lieber ausblendeten, betrat die Bühne in Gestalt von Grant Bennett, guter Freund und ebenfalls Gemeindemitglied. Bennett erzählte heitere Geschichten von seinem Freund Mitt, der gerne schon mal um 06:00 morgens anruft, Mitt, dem strahlenden Vorbild, Mitt, dem "grundguten" Mann. Auch der Feuerwehrmann in Rente und seine Frau, ebenfalls mormonische Gemeindemitglieder, schwärmten von Mitt Romney, dem Mann, der ihrer Familie beistand, als ihr Sohn an Krebs erkrankte und schließlich starb. Da konnten viele im Publikum die Tränen nicht mehr zurückhalten.

"Überraschungsgast" aus Hollywood

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"Was meinen Sie mit "Halt den Mund", Mr. President?" Der bekennende Republikaner Eastwood scherzte mit einem Stuhl.

(Foto: REUTERS)

Und dann kam er: nein, nicht Mitt, sondern "Dirty Harry". "Spart Euch ein wenig für Mitt auf", forderte Clint Eastwood die jubelnde Menge auf. Der 82-Jährige erinnerte an die Zeit vor drei Jahren, als alle "Yes we can" gerufen und Kerzen angezündet hätten: "Alle weinten, Oprah weinte, ich weinte sogar auch, bis ich rausfand, das es 23 Millionen Arbeitslose gibt und das ist wirklich ein Grund zu weinen. Es ist Zeit, dass jemand anderes kommt und dieses Problem löst", so Eastwood.

Nachdem er so den Boden für die Rede Romneys bereitet hatte, versuchte er sich noch an einer komödiantischen Einlage. "Mister President", sprach Eastwood einen leeren Stuhl neben sich an, "wie gehen Sie mit Versprechen um, die Sie gegeben haben?" Anschließend entspann sich ein Dialog zwischen dem sichtlich gealterten Mimen und seinem imaginären Präsidenten, der unter dem Applaus der Delegierten in der Feststellung gipfelte: "Wenn jemand seinen Job nicht macht, müssen wir ihn gehen lassen."

Dann musste nur noch Floridas Senator Marco Rubio die Geschichte seiner kubanischen Einwanderer-Familie erzählen, die dem "American Dream" wohl am nächsten kommt, mit Eltern, die sich aufopferten, damit ihre Kinder einst ein besseres Leben haben, bevor Mitt Romney endlich seinen Einzug in die Halle halten konnte. Händeschüttelnd bahnte sich der Star des Abends seinen Weg zur Bühne.

"Mein Land verdient Besseres"

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Feierte die Baby-Boomers, den Mann im Mond und Amerika: Mitt Romney

(Foto: AP)

Bewegt nahm Romney dort die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten an. Nach kleinen Neckereien mit seinem nominierten Vize-Präsidentschaftskandidaten Paul Ryan, in dem Romney darüber aufklärte, dass sein iPod doch bessere Musik beinhalte als Ryans, ging es ans Eingemachte: Romney versprach den USA die Rückkehr zu altem Glanz. "Jetzt ist es an der Zeit, die amerikanische Verheißung wiederherzustellen."

"Was unser Land jetzt braucht, ist weder kompliziert noch tiefgründig. Was die USA brauchen, sind Jobs. Viele Jobs", sagte der Multimillionär und erneuerte sein Versprechen, in seiner ersten Amtszeit zwölf Millionen neue Jobs zu schaffen, ohne jedoch darauf einzugehen, wie er das schaffen will.

Obama heilt Planeten, Romney hilft Menschen

Stattdessen rief Romney die Wähler auf, die "Enttäuschungen der vergangenen vier Jahre" unter Obama zu vergessen. "Ich weiß, dass viele Amerikaner eine frische Begeisterung über die Möglichkeiten eines neue Präsidenten verspürt haben", so der 65-Jährige. "Ich wünschte mir, Präsident Obama wäre erfolgreich gewesen, denn ich will, dass Amerika erfolgreich ist." Aber Obamas Versprechen seien "Enttäuschung und Spaltung" gewichen.

Zu guter Letzt bekräftigte Romney unter dem Jubel seiner Zuhörer die umstrittene Gesundheitsreform von Obama umgehend rückgängig machen zu wollen und beteuerte noch einmal seinen Glauben an die Institution Ehe. Zwischen dem Applaus kam es immer wieder zu Protesten, mehrere Anwesende versuchten, die Ansprache mit lauten Rufen zu stören und wurden aus der Halle verwiesen.

Der Kampf gegen Klimawandel ist für den Politiker dann nur noch eine gelungene Schlusspointe: "Präsident Obama hat versprochen, den Anstieg des Meeresspiegels zu verlangsamen und den Planeten zu heilen", sagte Romney unter dem Gelächter der Delegierten. "Mein Versprechen ist, euch und euren Familien zu helfen."

Ob Romney nur seine Anhänger begeistern konnte oder tatsächlich die Rede seines Lebens gehalten hat, wird sich Anfang November herausstellen, wenn er in der Präsidentschaftswahl schließlich gegen Amtsinhaber Barack Obama antritt. Der hat allerdings noch kommende Woche beim Parteitag der Demokraten in Charlotte die Gelegenheit, die Rede Romneys zu toppen.

Quelle: ntv.de, mit AFP/dpa