US-Wahl

Schwuler Berater wurde gemobbt Romneys Außenexperte kündigt

Richard Grenell ist ein Experte für Außenpolitik, Republikaner, scharfzüngig und offen schwul. Die Kombination dieser Eigenschaften wurde ihm zum Verhängnis. Der kontroverse Romney-Sprecher schmeißt hin - offenbar in erster Linie, weil konservative Republikaner ein Problem mit ihm hatten.

Richard Grenell, Romneys Experte für Außenexperte, hat gekündigt.

Richard Grenell, Romneys Experte für Außenexperte, hat gekündigt.

(Foto: YouTube/RussiaToday)

Richard Grenell machte sich zuletzt viele Gedanken: darüber, wie Callista Gingrichs Haare "angeschraubt" aussehen, oder wie First Lady Michelle Obama im Weißen Haus beim Fitnesstraining "den Teppich im East Room vollschwitzt". Seine Eingebungen behielt Grenell nicht für sich, er teilte sie mit der ganzen Welt über Twitter. Mittlerweile sind die Einträge gelöscht. Es war nicht das einzige Problem von Mitt Romneys außenpolitischem Sprecher - nun hat er gekündigt.

Seine "Fähigkeit, klar und deutlich über Themen zu sprechen" sei zuletzt "schwer beeinträchtigt gewesen durch hyper-parteiische Diskussionen über persönliche Angelegenheiten", erklärte Grenell. Gemeint sind vermutlich die Anfeindungen, denen sich Grenell von Seiten erz-konservativer Republikaner ausgesetzt sah. Die hatten lautstark gegen seine Ernennung protestiert, weil der 45-Jährige schwul ist und sich offen für die Homo-Ehe ausspricht.

Der rechte Parteiflügel jubelt

Vor allem Bryan Fischer, Chef des ultra-konservativen "American Family Association", hatte die Riege der Grenell-Gegner angeführt. Nun feierte er den Abgang des ungeliebten Beraters in einer Radiosendung als "großen Erfolg" - vor allem über Mitt Romney.

Der habe einsehen müssen, mit Grenells Einstellung vor gut einer Woche einen Fehler gemacht zu haben. "Ich garantiere euch, dass er diesen Fehler nochmal macht, dass er einen homosexuellen Aktivisten in seine Kampagne holt", so Fischer.

Die Romney-Kampagne wies diesen Vorwurf umgehend zurück. "Wir wollten, dass er bleibt", sagte Romneys Kampagnenmanager Matt Rhoades. Und Grenell ließ wissen, dass seine Sexualität "nie ein Thema" für Romney gewesen sei.

Grenell zuletzt ohne Auftritte

Dennoch wirft Grenells Entscheidung Fragen auf. Ausgerechnet in den vergangenen Tagen, als die Außenpolitik mit dem Jahrestag der Tötung von Osama bin Laden im Vordergrund stand, war Grenell nur Zuschauer. Die Romney-Kampagne hatte ihn nach Ansicht von Medienvertretern regelrecht auf Eis gelegt - vermutlich auch wegen seiner kontroversen Twitter-Nachrichten.

Für die "Log Cabin Republicans", einer kleinen Gruppe homosexueller Republikaner, steht jedoch fest: Grenell geht, weil Romney nicht zu ihm stehen wollte. Grenell sei "regelrecht gejagt worden vom rechten und linken Rand", meint "Log Cabin"-Chef R. Clarke Cooper.

Quelle: ntv.de

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