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Wirtschaftsspionage im Internet USA klagen chinesische Militärs an

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US-Justizminister Holder möchte die "Untergrabung des fairen Wettbewerbs" nicht mehr hinnehmen. Dabei wird auch den USA Wirtschaftsspionage vorgeworfen.

(Foto: AP)

Erstmals gehen die USA im Kampf gegen Wirtschaftskriminalität gegen chinesische Offiziere vor, denen sie Cyberspionage vorwerfen. Doch Experten sind sich uneinig, ob dies mehr als ein symbolischer Akt ist. Zumal die USA auch keine weiße Weste haben.

Erstmals haben die USA Vertreter des chinesischen Staates wegen Wirtschaftsspionage im Internet angeklagt. US-Justizminister Eric Holder machte Vorwürfe gegen fünf Offiziere der chinesischen Volksbefreiungsarmee öffentlich, die mit Cyberattacken Handelsgeheimnisse von US-Unternehmen gestohlen haben sollen. Die US-Regierung werde die "Untergrabung des fairen Wettbewerbs" durch Cyberspionage nicht tolerieren, sagte Holder.

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Gesucht vom FBI: Die USA klagen fünf chinesische Militärs an.

(Foto: AP)

Die vor einem Bundesgericht in Pennsylvania erhobene Anklage richtet sich gegen fünf Hacker, die Teil einer Sondereinheit des chinesischen Militärs sein sollen. Die Verdächtigen sollen demnach zwischen 2006 und 2014 in die Computernetzwerke von fünf US-Unternehmen und einer Gewerkschaft eingedrungen sein. Dort hätten sie Industriegeheimnisse und vertrauliche Informationen über Unternehmensstrategien gestohlen, um chinesischen Firmen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

China reagierte mit scharfem Protest auf die Anklage. In einer vom Außenministerium in Peking veröffentlichten Erklärung hieß es, die Vorwürfe seien "konstruiert". Sie verletzten die Grundsätze in den internationalen Beziehungen und "gefährden die Zusammenarbeit zwischen China und den USA sowie das gegenseitige Vertrauen". Weder die chinesische Regierung noch das Militär hätten jemals online Industrie-Spionage betrieben. China setzte demnach zudem seine Beteiligung an einer bilateralen Arbeitsgruppe für Cyber-Fragen aus, die vergangenes Jahr bei einem Besuch von US-Außenminister John Kerry in Peking eingerichtet worden war.

Vergleich mit NSA zurückgewiesen

Das Weiße Hause machte klar, dass es sich bei der Klage vor allem um ein politisches Signal handele und eine tatsächliche Bestrafung eher unwahrscheinlich erscheine. Man setzte weiter auf Verhandlungen mit Peking, sagte Regierungssprecher Jay Carney. Man wolle weiterhin "konstruktive und produktive Beziehungen" zu China. Auf die Anmerkung von Journalisten, dass die Beschuldigen kaum in die USA kommen würden, um sich vor Gericht zu verantworten, reagierte Carney ausweichend. Dazu müsse man die Angeklagten selbst fragen.

Energisch wies der Sprecher des Weißen Hauses Vergleiche der chinesischen Hackerangriffe mit der massenhaften Überwachung des Internets durch den US-Geheimdienst NSA zurück. Beim NSA-Programm gehe es um die nationale Sicherheit der USA. Bei der Cyberspionage der Beschuldigten gehe es darum, chinesischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Experten zeigten sich zunächst uneins, wie wirksam die erste formelle Anklage sein wird. James Lewis vom Center for Strategic and International Studies sprach von einem "deutlichen Signal". Dagegen zweifelte Eric Johnson von der Vanderbilt University, dass sich China dadurch werde bremsen lassen.

Auch deutsche Firma betroffen

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Dieses Hochhaus in Shanghai soll die Zentrale der chinesischen Einheit 61398 sein.

(Foto: REUTERS)

Opfer der Cyberattacken waren den Angaben zufolge der Atomenergiekonzern Westinghouse, der US-Ableger des deutschen Photovoltaik-Konzerns Solarworld, der Stahlriese US Steel, der Aluminiumhersteller Alcoa, das auf Metallproduktion spezialisierte Unternehmen Allegheny Technologies sowie die große Industriegewerkschaft USW. Die Bandbreite der gestohlenen Informationen sei "bedeutend" und erfordere eine "aggressive Antwort", sagte Holder. Zum ersten Mal werde die US-Justiz daher Vertreter eines anderen Staates wegen Cyberspionage zur Verantwortung ziehen. Solarworld begrüßte die Ermittlungen. "Offensichtlich sind wir im Bereich Solartechnologie so weit vorne, dass man uns nur mit Diebstahl und nicht mehr durch Forschung und Entwicklung folgen kann", erklärte das Unternehmen.

Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass die fünf Hacker je auf einer Anklagebank in den USA sitzen werden. Die Verdächtigen gehören mutmaßlich zu der Einheit 61398 der Volksbefreiungsarmee, die von einem unscheinbaren Hochhaus in einem Vorort von Shanghai aus die Cyberangriffe steuern soll. Laut einer im Februar vergangenen Jahres veröffentlichten Untersuchung der US-Sicherheitsfirma Mandiant soll die Spezialeinheit mit dem Wissen und der "direkten Unterstützung" Pekings eine "ausgedehnte Cyberkampagne" gegen mehr als 140 Ziele in den Vereinigten Staaten führen.

Washington in Erklärungsnot

Die Wirtschaftsspionage über das Internet verursacht für die USA hohe Schäden. Der "Washington Post" zufolge reichen die Schätzungen über die jährlichen Einbußen von 24 bis 120 Milliarden Dollar (bis zu 87,5 Milliarden Euro). Ein Bericht des US-Kongresses aus dem Jahr 2012 bezeichnete China als den "bedrohlichsten Akteur im Cyberspace". Das US-Justizministerium bildete laut "Washington Post" in den vergangenen Jahren hunderte Staatsanwälte dazu aus, Fälle von Cyberspionage aus dem Ausland zu verfolgen. Die chinesische Regierung wies die Anschuldigungen stets zurück.

Die Enthüllungen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden über die massiven Spähprogramme des US-Geheimdienstes NSA haben die Regierung in Washington allerdings in Erklärungsnöte gebracht. Der "Spiegel" und die "New York Times" hatten im März berichtet, dass die NSA in China neben der Staatsführung auch den Netzwerkriesen Huawei ins Visier genommen habe. Die Firma ist der zweitgrößte Netzwerkausstatter der Welt und einer der größten Konkurrenten des US-Konzerns Cisco.

Als Grund für die Ausforschung gab die NSA den Berichten zufolge in einem internen Papier an, dass "viele unserer Ziele über Huawei-Produkte kommunizieren" und der Geheimdienst auf dem Stand der Technik bleiben müsse. US-Präsident Barack Obama ließ die Vorwürfe zurückweisen und versicherte dem chinesischen Staatschef Xi Jinping bei einem Treffen Ende März, dass "die Vereinigten Staaten nicht spionieren, um sich einen wirtschaftlichen Vorteil zu verschaffen".

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/rts

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