Politik

Kampf gegen sexuellen Missbrauch Vatikan gibt Richtlinien vor

Die deutschen Bischöfe hatten bereits strengere Regeln im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs aufgestellt. Jetzt verschickt Rom an die gesamte Weltkirche Richtlinien im Kampf gegen dieses Verbrechen.

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Papst Benedikt XVI. setzt vor allem auf Vorbeugung von Missbrauch

(Foto: AP)

Nach der Welle von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche gibt der Vatikan den Bischofskonferenzen neue Leitlinien im Kampf gegen dieses schwere Vergehen vor. Ein in Rom veröffentlichter Rundbrief der Glaubenskongregation stellt die Sorge um minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kleriker ins Zentrum. Er verlangt die Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden bei einer Anzeigepflicht für solche Verbrechen. Auswahl und Ausbildung der Priester und Ordensleute sollen einer Vorbeugung von Missbrauch dienen, wie von Papst Benedikt XVI. wiederholt gefordert.

In Deutschland rennt der Vatikan mit den neuen Leitlinien praktisch offene Türen ein. Denn nach dem größten Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche hatten die Bischöfe bereits Ende August 2010 ihre Vorschriften verschärft. So soll künftig bei jedem Verdacht auf sexuellen Missbrauch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden. Die Anzeigepflicht entfällt nur dann ausnahmsweise, wenn das Opfer es ausdrücklich wünscht. Rom nahm die Vorschriften positiv zur Kenntnis.

Die deutschen Leitlinien stünden im Einklang mit dem Rundschreiben der Glaubenskongregation oder sie ergänzten die darin festgehaltenen Vorgaben, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Rom weise noch einmal "unmissverständlich" auf die notwendige Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden hin. "Ich freue mich, dass der Heilige Stuhl (...) unsere Arbeit anerkannt hat", sagte Zollitsch. Das zeige sich nun auch an dem Rundschreiben.

Leitlinien im Umgang mit sexuellem Missbrauch

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Der Apostolische Palast am Petersplatz ist der offizielle Sitz des Papstes.

(Foto: REUTERS)

Ziel des Rundbriefs an die Bischofskonferenzen weltweit ist es, "Minderjährige zu schützen und den Opfern zu helfen, Unterstützung und Versöhnung zu finden." Bis Ende Mai 2012 sollen die Bischöfe der jeweiligen Länder auf dieser Basis ihre spezifischen Leitlinien im Umgang mit sexuellem Missbrauch erarbeitet und nach Rom geschickt haben. In den vergangenen Jahren hatten tausende aufgedeckte Fälle von schwerem Missbrauch hinter Kirchenmauern der USA, Deutschlands, Irlands und Belgiens den Vatikan in eine tiefe Krise gestürzt.

Der Präfekt der Glaubenskongregation, William Levada, erinnert in einem Begleitschreiben zu den Richtlinien daran, dass Papst Benedikt XVI. am 21. Mai 2010 Normen zu den "schweren Vergehen" veröffentlicht hatte. Der jeweiligen rechtlichen Lage in ihren Ländern angemessen sollen die Bischöfe jetzt diese Normen in eigene Richtlinien gießen.

"Der sexuelle Missbrauch Minderjähriger ist nicht nur eine Straftat nach kanonischem Recht, sondern stellt auch ein Verbrechen dar, das staatlicherseits verfolgt wird", halten die Richtlinien aus dem Vatikan fest. Es sei wichtig, "mit den zuständigen Stellen unter Beachtung der jeweiligen Kompetenzen zusammenzuarbeiten." Die Kirche müsse auch bereit sein, "die Opfer und ihre Angehörigen anzuhören und für deren seelsorgerischen und psychologischen Beistand zu sorgen."

Quelle: ntv.de, dpa

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