Als Ersatz für UN-FriedenstruppeWadephul schlägt EU-Mission im Libanon vor

Trotz der Waffenruhe kommt es im Libanon immer wieder zu Angriffen zwischen Israels Armee und der proiranischen Hisbollah-Miliz. Außenminister Wadephul spricht sich für eine europäische Initiative aus, an der auch die Marine beteiligt sein könnte.
Außenminister Johann Wadephul bringt als Ersatz für die zum Jahresende auslaufende UN-Mission im Libanon eine Truppe mit EU-Mandat ins Gespräch. "Wir sollten in der EU prüfen, ob wir im Anschluss an die Unifil-Mission mit einem europäischen Mandat dafür sorgen können, dass kein Sicherheitsvakuum entsteht", sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Das könne die Voraussetzung dafür schaffen, dass sich die israelische Armee zurückzieht, "ohne dass die Hisbollah mit ihrem Terror zurückkehrt".
"Im Libanon mit seiner sich stabilisierenden Regierung gibt es im Moment eine der hoffnungsvollsten Entwicklungen der Region", argumentierte Wadephul. "Wir Europäer müssen alles dafür tun, dass dieser Prozess positiv weitergeht."
Der UN-Sicherheitsrat hatte im August 2025 die Beendigung der gesamten Unifil-Mission beschlossen. Diese wurde 1978 zur Überwachung des Grenzgebiets zwischen Israel und dem Libanon gestartet. Nach ihrem Ende soll die libanesische Armee die Kontrolle übernehmen. Auch die Bundeswehr ist an Unifil beteiligt: Die deutsche Marine hilft im Seegebiet vor dem Libanon dabei, Waffenschmuggel zu verhindern und die libanesische Marine auszubilden.
Frankreich und Italien hatten Ende Juni angekündigt, sich nach dem Ende des UN-Einsatzes im Libanon für eine neue Unterstützungsmission für das vom Krieg erschütterte Land starkzumachen. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte deutlich gemacht, dass es aus seiner Sicht noch unklar ist, was für ein Mandat eine solche neue Mission haben könnte. Die EU plant bereits einen Unterstützungseinsatz für die Streitkräfte und die Polizei im Libanon. Dabei soll es sich um eine mindestens dreijährige militärische und zivile Mission handeln.
Die libanesische und die israelische Regierung führen erstmals seit Jahrzehnten direkte politische Gespräche, um die Waffenruhe im Konflikt Israels mit der proiranischen Hisbollah-Miliz zu festigen. Trotz der Waffenruhe kommt es immer wieder zu Angriffen zwischen Israel und der Hisbollah. Israel hält auch weiter Truppen im Süden des Nachbarlandes. Beirut und die Hisbollah betrachten die von Israel kontrollierte sogenannte "Sicherheitszone" als völkerrechtswidrige Besetzung.