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Deutsche Pistolen für Afghanistan Waffen landen auf Schwarzmarkt

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Die Waffen der Bundeswehr waren für die afghanischen Sicherheitskräfte bestimmt.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Deutsche Pistolen aus Bundeswehrbeständen werden einem Medienbericht zufolge auf dem Schwarzmarkt in Afghanistan und Pakistan gehandelt. Nach Recherchen des NDR sind darunter Waffen aus einer Lieferung des Bundesverteidigungsministeriums von 10.000 Pistolen an die afghanischen Sicherheitskräfte. Das Verteidigungsministerium kündigte eine Prüfung des Vorgangs an.

Afghanische und pakistanische Waffenhändler sagten dem NDR, es seien hunderte deutscher Pistolen im Angebot. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, sagte dazu, es gebe bislang keine Erkenntnisse über einen Handel mit deutschen Handfeuerwaffen in Afghanistan oder Pakistan. Es werde jetzt geprüft, ob es doch entsprechende Erkenntnisse Hinweise gebe. Es müsse auch überlegt werden, ob noch strengere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden sollten.

Dem NDR sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, es habe den Altbestand von 10.000 ausgemusterten Walther-P1-Pistolen im Januar 2006 "zur Ausrüstung der im Aufbau befindlichen Sicherheitskräfte" an das afghanische Innenministerium übergeben. Dieses habe die Waffen dann an Polizei und Armee verteilt. Mit dem entsprechenden Abkommen sei bestätigt worden, dass die Waffen ausschließlich von den afghanischen Sicherheitskräfte verwendet würden.

Waffen als Prestigeobjekt

Die deutschen Pistolen vom Typ Walther P-1 gelten in Afghanistan und Pakistan nach Auskunft von Experten und Waffenhändlern als Prestigeobjekte und werden zu Preisen von teilweise mehr als 1000 Dollar gehandelt. Unter anderem verkaufen aktive und ehemalige afghanische Polizisten und Soldaten demnach die Waffen illegal. Das bestätigten Händler und ein Ex-Polizist, der seine Waffe zum Kauf anbot.

Nach UN-Angaben verlassen 20 bis 25 Prozent der afghanischen Polizisten jährlich die Sicherheitskräfte. Die deutschen Pistolen werden laut NDR auch in Nordafghanistan gehandelt, wo die Bundeswehr stationiert ist, sowie in der Nordwestgrenzprovinz Pakistans und den angrenzenden Stammesgebieten. Dorthin werden die Pistolen demnach aus Afghanistan eingeschmuggelt.

Quelle: n-tv.de, AFP

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