Politik

"Hatten keinerlei Informationen"Waldbrände haben spanische Regierung von Sturm auf Ceuta abgelenkt

01.08.2026, 07:21 Uhr
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Spanische Soldaten versperren weiteren Ankömmlingen den Zugang zur Exklave Ceuta. (Foto: picture alliance / Sipa USA)

Knapp 50.000 Menschen strömen innerhalb von 24 Stunden in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika. Die spanische Regierung wird von der Entwicklung überrumpelt: Die schweren Waldbrände im Zentrum und Westen des Landes hätten die volle Aufmerksamkeit beansprucht, sagt ein Insider.

Die spanische Regierung hat die Krise in der nordafrikanischen Exklave Ceuta nicht vorhergesehen. "Wir hatten keinerlei Informationen", räumt ein hochrangiges Regierungsmitglied im Gespräch mit der spanischen Tageszeitung "El Pais" ein. "Hätten wir Informationen gehabt, wären nicht innerhalb von 24 Stunden 50.000 Menschen ins Land gekommen."

Demzufolge war die Regierung von den schweren Waldbränden im Zentrum und im Westen des spanischen Festlands abgelenkt. Das Ausmaß der Brände und die Evakuierung von fast 100.000 Menschen hätten eine Woche lang die Aufmerksamkeit des Premierministeramtes und mehrerer Ministerien beansprucht, darunter des für Grenzschutz und Migration zuständigen Innenministeriums, heißt es. Inmitten dieser Situation habe die Grenze zu Marokko keine Rolle gespielt.

Wie die "El Pais" weiter berichtet, wurden in dieser Phase mehrere Warnhinweise ignoriert. So sollen der Regionalpräsident von Ceuta, Juan Jesús Vivas, und die Guardia Civil auf die steigende Zahl irregulärer Migranten hingewiesen haben, die sich über das Wasser Zugang zur Exklave verschaffen. "Es gab einen stetigen Zustrom von Menschen", zitiert die Zeitung ein weiteres hochrangiges Regierungsmitglied. "In diesen Tagen sprach aber niemand über Ceuta. Dann ist die Lage praktisch über Nacht eskaliert."

Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist mit einer Fläche von 18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. Am Freitag verschafften sich mutmaßlich etwa 50.000 Menschen irregulär Zutritt zu der Exklave, um als Flüchtlinge in die EU aufgenommen zu werden. Mindestens 57 Menschen kamen beim Überqueren der Grenze nach Ceuta übers Meer ums Leben.

Nach Angaben des spanischen Außenministers José Manuel Albares sind nahezu alle irregulär eingereisten Menschen von Ceuta nach Marokko zurückgekehrt. Sie hätten angesichts kaum vorhandener Aussichten auf eine Weiterreise sowie fehlender Unterkunft und Versorgung "enttäuscht und freiwillig" die Rückreise angetreten, berichtet "El Pais".  Spanische Soldaten wurden am Strand positioniert, um weiteren Menschen zur Exklave zu versperren. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner versicherte: "Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten."

Quelle: ntv.de, chr/dpa

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