Politik
(Foto: Screenshot https://www.youtube.com/watch?v=2NrLLkdu0mg)
Donnerstag, 01. Oktober 2015

Bomben treffen CIA-Verbündete: Warum Russland Amerikas Freunde bekämpft

Von Christoph Herwartz

Unter dem Vorwand, den Islamischen Staat zu schwächen, zieht Putin an der Seite Assads in den Krieg. Doch er hat ganz andere Ziele.

Russland ist nicht nach Syrien gekommen, um den Islamischen Staat zu bekämpfen. Wladimir Putins Bomben trafen nicht die Dschihadisten rund um die Städte Homs und Hama. Keine der akribisch recherchierten Karten, die den Frontverlauf in Syrien abbilden, verzeichnet in dieser Gegend Stellungen des IS. Bewohner der bombardierten Städte laden Clips auf Youtube hoch, die Rauchsäulen zeigen. Ein russischer Aktivist verglich Videomaterial des russischen Verteidigungsministeriums mit Satellitenbildern von Google Earth und lokalisierte so den Zielort der Attacke: Er liegt in Ltamenah, an der Front zwischen dem Assad-Regime auf der einen und Rebellengruppen auf der anderen Seite. Diese Rebellen haben aber nach Erkenntnis der Beobachter nichts mit dem IS zu tun. Es sind die gleichen Gruppen, die anderenorts vom IS bekämpft werden. Es wurde mindestens eine Gruppe getroffen, die vom US-Geheimdienst CIA unterstützt wird.

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Putin hat sich nur wenig Mühe gegeben, seine Absichten zu verschleiern. Zwar ist seine Mission offiziell gegen den IS gerichtet. Doch als er in einem Interview eines amerikanischen TV-Senders gefragt wurde, ob er seine Truppen nach Syrien schicke, um Staatschef Baschar al-Assad zu retten, antwortete er: "Da haben Sie Recht."

Assads Kernland ist bedroht

Zwar eroberte der IS vor einigen Wochen die in Zentralsyrien gelegene Stadt Palmyra und rückte damit wieder etwas näher an die Hauptstadt Damaskus heran. Doch das ist nicht die eigentliche Bedrohung für Assad. Gefährlicher für sein Regime ist, dass die Rebellen im Nordwesten des Landes zusammenarbeiten und die Idlib-Region weitgehend eingenommen haben. Damit kommen sie der Gegend um Latakia nahe, wo wichtige Militärstützpunkte liegen und wo sich Assad am ehesten auf die Unterstützung der Bevölkerung verlassen kann: An der Küste bei Latakia und Tartus leben Menschen, die sich wie Assad zu den Alawiten zählen und von seiner Herrschaft immer am meisten profitiert haben.

Auch die russischen Stützpunkte befinden sich dort. Wenn Putin Assad retten will, muss er dieses Gebiet verteidigen – gegen wen auch immer. Und er rettet dort nicht nur Assad, sondern auch seine eigenen Militärbasen.

Der Kampf gegen den IS wird hintangestellt. Die von Russland geschmiedete Koalition gegen die Dschihadisten, Putins Treffen mit Barack Obama, die Beteuerung, man bekämpfe nur den Islamischen Staat – das ist alles ist nur Begleitmusik für Russlands Aufmarsch an der Seite Assads im Kampf gegen die Kriegspartei, die dem Westen am nächsten steht.

Deutschland hoffte auf Entspannung

Durch die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim hat sich das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen so weit verschlechtert, dass schon von einem "Neuen Kalten Krieg" die Rede war. Wegen der wohlklingenden Begleitmusik zu Moskaus Engagement in Syrien hatte der Westen zuletzt auf eine Wende in den Beziehungen zu Russland gehofft. In Deutschland hatte Angela Merkel gesagt, man müsse nun sogar mit Assad reden. Sigmar Gabriel hatte nahegelegt, man könne Sanktionen aufheben. Doch statt einer Entspannung bedeutet Russlands Kampfeinsatz eine weitere, dramatische Verschlechterung der Beziehungen.

Die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen sind nicht nur ein Bürgerkrieg, sie sind auch ein Stellvertreterkrieg. Und seit Mittwoch sind sie sogar ein Stellvertreterkrieg, in den eine Seite direkt eingreift.

Quelle: n-tv.de