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"Dieser Kerl spielt keine Spielchen" - der künftige US-Präsident Donald Trump über Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un.
"Dieser Kerl spielt keine Spielchen" - der künftige US-Präsident Donald Trump über Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 17. November 2016

Künftige Nordkorea-Politik: Was hat Trump mit dem "Wahnsinnigen" vor?

Von Christoph Rieke

Mit dem Motto "America first" punktet Donald Trump bei der US-Wahl. Doch insbesondere im Konflikt um Nordkorea ist eine klare Haltung gefragt. Zur Not will sich der künftige US-Präsident mit Diktator Kim Jong-Un treffen - und Burger essen.

Es klingt wie der Anfang eines Witzes: Donald Trump und Kim Jong-Un sitzen am Tisch und essen Burger. Hier der populistische US-Präsident, dort der stalinistische Diktator aus Nordkorea – beim Plausch über das nordkoreanische Atomprogramm. Schon bald könnte sich dieses Szenario tatsächlich ereignen. Seinen Vorschlag vom Mai, sich mit Nordkoreas Machthaber auf einen Burger zu treffen, verteidigte Trump mit Pragmatismus: "Warum nicht? Ich habe kein Problem, mit ihm zu sprechen."

Zweifelsohne wäre solch ein Treffen ein historischer Schritt, zu dem bisher noch kein amtierender US-Präsident bereit gewesen ist. Fest steht aber auch, dass Trump noch keine klare außenpolitische Linie hat. Und das gilt insbesondere für das Pulverfass Nordkorea. Dem US-Magazin "Time" zufolge hat der künftige US-Präsident nur drei Mal das Wort "Korea" in seinen mehr als 7000 Tweets während der Wahlkampfphase verwendet – ein Indiz dafür, dass der Korea-Konflikt auf seiner außenpolitischen Agenda nur eine Randnotiz ist.

In Nordkorea ist der Wahlkampf beim imperialistischen Feind indes ganz genau beobachtet worden. Für gewöhnlich werden US-Politiker von der Führung des abgeschotteten Landes mindestens als Kriegstreiber diffamiert. Trump ist allerdings im Vorfeld der US-Wahlen vom Staatsmedium "DPRK Today" als "weiser Politiker" und "vorausschauender Präsidentschaftskandidat" gelobt worden.

Sorgen in Japan und Südkorea

Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Atlanta im Juni wetterte Donald Trump gegen die hohen Kosten für im Ausland stationierte GIs.
Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Atlanta im Juni wetterte Donald Trump gegen die hohen Kosten für im Ausland stationierte GIs.(Foto: REUTERS)

Nicht nur wegen dieser Sympathiebekundungen wuchs in den vergangenen Monaten die Anspannung bei den amerikanischen Verbündeten Südkorea und Japan. Im Wahlkampf hatte Trump mehrmals angekündigt, die USA von der Rolle des Weltpolizisten zu erlösen. "Wir verteidigen Südkorea. Wir verteidigen so viele Länder. Und wir bekommen nur Peanuts", wetterte er. In der Tat trägt Südkorea nicht einmal die Hälfte der Kosten im Land stationierten 28.500 US-Soldaten. Sorgen löste zudem Trumps Ratschlag an Japan aus, sich Atomwaffen zuzulegen, um auf mögliche Bedrohungen durch Nordkorea reagieren zu können.

Nach seinem Wahlsieg schlug Trump allerdings einen moderateren Ton an. "Wir gehen die ganze Strecke mit Ihnen, wir werden nicht schwanken", soll er in einem Telefonat mit der südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye gesagt haben. Demnach seien die USA entschlossen, ihren Alliierten "gegen die Instabilität in Nordkorea" zu verteidigen. Eine Unsicherheit bleibt trotzdem in Japan und Südkorea. Park hob deshalb in dem Telefonat noch einmal die Bedeutung der Allianz hervor, schließlich neige das kommunistische Regime in Pjöngjang insbesondere während der Übergangszeit zwischen zwei US-Regierungen zu Provokationen.

"Dieser Kerl spielt keine Spielchen"

Die nordkoreanische Propaganda stellt die USA als imperialistischen Klassenfeind dar, den es zu vernichten gilt.
Die nordkoreanische Propaganda stellt die USA als imperialistischen Klassenfeind dar, den es zu vernichten gilt.(Foto: AP)

Trotz seiner außenpolitischen Unerfahrenheit ist sich Trump der nuklearen Gefahr aus Nordkorea bewusst. Anfang des Jahres warnte er in einem Interview mit dem US-Sender CBS davor, "den Wahnsinnigen" zu unterschätzen: "Er hat seinen Onkel ausgelöscht und diesen und jenen eliminiert. Dieser Kerl spielt keine Spielchen. Und wir können keine Spiele mit ihm spielen, weil er wirklich Raketen hat. Und er hat wirklich Atomsprengköpfe." Experten zufolge könnten nordkoreanische Atomwaffen in drei bis vier Jahren das amerikanische Festland erreichen.

Bis dahin braucht Trump eine klare Haltung zur Korea-Politik. Noch ist unklar, von wem diese maßgeblich mitbestimmt wird. Als einer der Favoriten auf das Amt des Außenministers gilt der frühere UN-Botschafter der USA, John Bolton. Für die amerikanisch-nordkoreanischen Beziehungen ist diese Personalie allerdings problematisch: Der politische Hardliner bezeichnete Kims Vater Kim Jong-Il im Jahr 2001 als "tyrannischen Dikator" eines Landes, in dem für viele "das Leben ein höllischer Albtraum" sei. Ein nordkoreanischer Sprecher bezeichnete Bolton daraufhin als "menschlichen Abschaum und Blutsauger".

Diese verbalen Gefechte scheinen Trump wenig zu interessieren. Ohnehin sieht er nur geringe Erfolgsaussichten einer Hamburger-Diplomatie mit Kim: "Die Chancen liegen bei 10 bis 20 Prozent, dass ich ihm den Besitz seiner verdammten Atomwaffen ausreden kann." Am Tag nach seinem Wahlsieg erreichte ihn die inoffizielle Bestätigung: "Washingtons Hoffnung auf eine nukleare Abrüstung Nordkoreas ist eine überholte Illusion", schrieb die nordkoreanische Zeitung "Rondon Sinmu" in einem Kommentar.

"Kim einfach verschwinden lassen"

Während seines Wahlkampfs punktete Trump mit dem Slogan "America first". Der künftige US-Präsident sieht andere Staaten in der Pflicht, regionale Krisen zu lösen. Deshalb solle Nordkoreas einziger Verbündeter China die diplomatische Sisyphosarbeit leisten. "China behauptet, keinerlei Kontrolle über Nordkorea zu haben." Aber das stimme nicht, sagte Trump in dem CBS-Interview. "China hat die totale Kontrolle. Ohne die chinesische Unterstützung hätte Nordkorea nicht genug zu essen." Deshalb müsse sich China um das Problem zu kümmern. Notfalls wolle er China wirtschaftlich dazu zwingen.

Am liebsten wäre es Trump allerdings, wenn China dafür sorgte, "den Typen sehr schnell auf die eine oder andere Weise verschwinden zu lassen". Auf die Frage, ob er damit eine Ermordung von Kim meint, antwortete er schulterzuckend: "Es gibt Schlimmeres. Er ist ein schlechter Kerl."

In einer früheren Version des Textes war ein Tweet eines Fake-Accounts eingebaut. Wir haben den Tweet entfernt und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Quelle: n-tv.de

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