Politik

FBI sucht nach Motiv Was trieb den Täter von Orlando?

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In Orlando versammelten sich mehrere Tausend Menschen und gedachten der Opfer.

(Foto: REUTERS)

Die US-Bundespolizei ermittelt, die Hintergründe bleiben unklar. Der Attentäter von Orlando passt offenbar nicht in das Schema des typischen Terroristen, seine Aussagen wirken widersprüchlich.

Nach dem folgenschwersten Terrorakt in den USA seit dem 11. September 2001 sucht das FBI fieberhaft nach Hinweisen auf die Motive des Todesschützen von Orlando. Die US-Bundespolizei hat nach den Worten ihres Direktors James Comey ein Dickicht von Äußerungen des Attentäters zu entwirren, die dem ersten Anschein nach nicht zusammenpassen. Das FBI schließt weiterhin nicht aus, dass es Mittäter oder Helfershelfer gibt - auch wenn Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton bereits von einem "einsamen Wolf" sprach.

Augenzeugen zufolge soll der Täter den bei Homosexuellen beliebten Club vor dem Anschlag häufiger besucht haben. "Wir werden in die Zukunft schauen und in die Vergangenheit", versprach Comey. "Kein Stein bleibt auf dem anderen." Comey hatte am Montag nach ersten Erkenntnissen ausgeschlossen, dass der Attentäter von einem internationalen Terrornetzwerk Instruktionen erhalten hatte.

Bei dem Blutbad in einem vorwiegend von Homosexuellen besuchten Club in Orlando waren in der Nacht zum Sonntag 49 Menschen getötet worden. Die Polizei erschoss später auch den Täter. Unklar blieb zunächst, ob Unschuldige auch durch fehlgeleitete Polizeikugeln starben oder verletzt wurden.

Comey schilderte eine sehr verworrene Motivlage des Attentäters. Der Schütze habe sich während der Attacke in drei kurzen Telefonaten sowohl zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bekannt als auch zu den Attentätern des Boston-Marathons und zur islamistischen Al-Nusra-Front. Vor einigen Jahren habe er gesagt, er sympathisiere mit der libanesischen Hisbollah-Miliz und mit Al-Kaida. Diese Organisationen rivalisieren aber, die Boston-Attentäter wiederum haben mit dem IS nichts zu tun.

Der Täter, den die Behörden als den 29 Jahre alten US-Bürger Omar Mateen identifizierten, arbeitete für eine Sicherheitsfirma in Florida. Seine 2011 von ihm geschiedene Ex-Frau sagte, er sei gewalttätig und psychisch labil gewesen. Mateen wurde als Sohn afghanischer Einwanderer 1986 in New York geboren. Sein Vater sagt, sein Sohn habe extreme Probleme mit Homosexuellen gehabt.

Obama reist nach Orlando

Mateen war Medienberichten zufolge häufiger Besucher des vorwiegend von Homosexuellen frequentierten Nachtclubs "Pulse", in dem er später das Blutbad anrichtete. Ein Augenzeuge berichtete dem "Orlando Sentinel", er habe ihn mindestens ein Dutzend Mal in dem Club gesehen. Andere Augenzeugen erklärten, Mateen habe auch eine bei Schwulen populäre Dating-App benutzt. Den Berichten zufolge sind die Informationen Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen zur Motivlage.

Comey und US-Präsident Barack Obama sagten, Mateen sei von verschiedenen Quellen über das Internet extremistisch inspiriert worden. Es sei sehr schwierig, jemanden vor einem Anschlag ausfindig zu machen, der sich selbst radikalisiere. Obama wird nach Angaben des Weißen Hauses am Donnerstag nach Orlando reisen.

Am Dienstag hatten sich mehrere Tausend Menschen in Orlando versammelt und der Opfer der Terrorattacke vom Wochenende gedacht. Etliche von ihnen trugen Regenbogenflaggen oder Blumen bei sich. Auf Plakaten waren Botschaften wie "Liebe siegt" und "Orlando ist stärker" zu lesen.

Fünf Monate vor der US-Präsidentschaftswahl wurde die Tat sofort Gegenstand des erbitterten Wahlkampfs. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump warb für seine Idee eines abgeschotteten Landes. "Wir können nicht weiterhin Tausenden und Abertausenden Menschen erlauben, in unser Land zu strömen, von denen viele das gleiche Gedankengut haben wie dieser brutale Killer."

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Clinton erinnerte die Amerikaner an den Geist von 2001, den Zusammenhalt nach den Terrorangriffen in New York und Washington. Alle politischen Kräfte hätten gemeinsam nach Lösungen gesucht, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. "Präsident (George W.) Bush ging nur sechs Tage nach den Angriffen in ein muslimisches Zentrum", sagte Clinton.

Das Massaker heizte auch die Debatte über schärfere Waffengesetze an. Mateen, der vor einigen Jahren mehrfach vom FBI überprüft worden war, hatte kurz vor der Tat legal ein Gewehr und eine Pistole erworben. Militärische Schutzkleidung wurde ihm dagegen verwehrt. Clinton und viele andere Prominente sprachen sich erneut für ein strengeres Waffenrecht aus.

Quelle: ntv.de, jga/dpa

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