Politik

Ermittlungen im Fall Fortuyn Weitere Attentate geplant?

Der mutmaßliche Mörder des niederländischen Politikers Pim Fortuyn hatte möglicherweise noch weitere Attentate geplant. Die Staatsanwaltschaft in Amsterdam bestätigte, dass bei dem 32-Jährigen Namen und Adressen von drei weiteren Kandidaten der Liste Pim Fortuyn (LPF) gefunden wurden.

Sechs Politiker der LPF erhielten mittlerweile Polizeischutz. Der des Mordes an Fortuyn Verdächtigte wird von dem Anwaltsbüro von Britta Böhler verteidigt. Die Juristin machte sich als Rechtsbeistand des Kurdenführers Öcalan einen Namen.

Trauerfeier in Rotterdam

In Rotterdam fand die offizielle Trauerfeier für Fortuyn statt. Am Trauer-Gottesdienst nahmen auch Ministerpräsident Wim Kok und ein Abgesandter von Königin Beatrix teil. Die Totenmesse zelebrierte Bischof Adrian van Luyn. Erneut säumten mehrere zehntausend Menschen die Straßen, um von Fortuyn Abschied zu nehmen. Sie applaudierten und warfen Blumen auf die weiße Limousine mit dem Sarg.

Tausende Niederländer hatten sich bereits am Donnerstag vor der Kathedrale von Rotterdam versammelt. Fortuyns Sarg, der zunächst in der Kirche aufgebahrt war, wurde zum Familiengrab auf einem kleinen Friedhof in Driehuis-Westerveld überführt. Die Beisetzung fand im engsten Familienkreis statt.

Mutmaßlicher Mörder angeklagt

Der 54-jährige Rechtspopulist und bekennende Homosexuelle war vor einem Rundfunkstudio in Hilversum mit mehreren Schüssen getötet worden. Sein mutmaßlicher Mörder wurde am Mittwoch dem Gericht vorgeführt. Der unmittelbar nach den tödlichen Schüssen festgenommene Volkert van der Graaf verweigerte weiterhin die Aussage.

Die Anklage lautet auf Mord und illegalen Waffenbesitz. Der Haftrichter ordnete für Van der Graaf eine vorläufige Inhaftierung für zehn Tage an. In dieser Zeit müsse ein dreiköpfiger Haftprüfungsausschuss über die endgültige Inhaftierung entscheiden.

Motiv weiter unklar

Nach Angaben der Polizei hat der Mann, der als Angestellter bei der Umweltschutzorganisation "Vereniging Millieu Offensif" (VMO) arbeitete, bislang zum Tatvorwurf geschwiegen. Das Motiv für den Mord an Fortuyn, dessen Liste bei den bevorstehenden Wahlen gute Chancen vorausgesagt wurden, blieb daher weiter im Dunkeln.

Van der Graaf war Fortuyns Partei nach Angaben eines Sprechers bereits bekannt. Er sei ein radikaler Tierschützer, der sich mit einem Mitglied der Fortuyn-Liste angelegt habe, sagte Jim Janssen van Raaij der Nachrichtenagentur AFP.

Noch ein Mord?

Inzwischen untersucht die niederländische Polizei, ob eine Verbindung zu dem bisher nicht aufgeklärten Mord eines Umweltschutzbeamten der Provinz Gelderland im Dezember 1996 besteht. Dies bestätigte ein Sprecher der Polizei in Apeldoorn. Der Beamte Chris van der Werken, der Bewilligungen nach der Umweltgesetzgebung bearbeitete, sei damals aus der Nähe erschossen worden. Eine Verbindung zwischen der VMO und der Tat sei aber nie bewiesen worden.

Quelle: n-tv.de

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