Politik

Der große Vergleich Welche Umfrage ist die zuverlässigste?

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(Foto: picture alliance / Armin Weigel/)

Am 24. September wählt Deutschland. Bis kurz vorher veröffentlichen sieben Meinungsforschungsinstitute ihre Umfragen. n-tv.de hat getestet, wie gut die Vorhersagen sind.

Niemand mag schlechte Umfragen. In der SPD schiebt man die miesen Werte beiseite und spricht ihnen einfach die Aussagekraft ab. Zum Beispiel mit Sätzen wie "Der Wahlkampf hat noch gar nicht richtig angefangen." Die Genossen fürchten die Zahlen dennoch, schließlich könnten sie beim Wähler den Reflex auslösen: "Warum SPD wählen? Martin Schulz hat ja eh keine Chance." In der Union freut man sich derweil zwar darüber, wieder die 40-Prozent-Marke erreicht zu haben. Zugleich weiß man um die Gefahr. Mit einem Gefühl à la "Warum wählen? Die Merkel gewinnt doch sowieso" wird sich der eigene Anhang am 24. September, dem Tag der Bundestagswahl, nicht mobilisieren lassen.

Als Orientierung ist die Sonntagsfrage dennoch wichtig für Parteien und Wähler. Sie ist aber auch tückisch und umstritten. Häufig wird kritisiert, dass die Institute ihre Umfragen in hoher Taktzahl bis kurz vor dem Wahltag veröffentlichen. Es wird sogar spekuliert, ob dies das Wahlverhalten beeinflussen könnte. An einem ändert dies jedoch nichts: Einige Vorhersagen der Demoskopen waren in der Vergangenheit sehr nah dran am tatsächlichen Ausgang der Wahlen. n-tv.de hat die Zahlen verglichen und die verschiedenen Institute auf ihre Zuverlässigkeit überprüft.

FDP-Pleite sagte kein Institut voraus

Bei der Bundestagswahl 2013 sagte Forsa das Wahlergebnis am besten voraus. Die Werte von Union, SPD, Grünen, FDP, Linken und AfD wichen in der letzten Umfrage, zwei Tage vor der Wahl, insgesamt nur um 4,7 Prozentpunkte vom Endergebnis ab – der beste Wert unter den führenden sieben Meinungsforschungsinstituten. Forsa lag damit knapp vor der Forschungsgruppe Wahlen (4,9 Punkte), Allensbach (5,2) und Emnid (5,7). Die letzten drei Plätze belegten GMS (7,1), Insa (7,7) und Infratest (8,5.). Fünf der sieben Institute veröffentlichten ihre letzten Zahlen zwei bis drei Tage vor der Wahl, Infratest Dimap zehn und GMS sogar zwölf.

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(Foto: Christoph Wolf/n-tv.de)

Bei der Union wichen die Umfragen von allen Parteien 2013 am stärksten vom Wahlergebnis ab. Insa verfehlte das Resultat von CDU und CSU mit 3,5 Prozentpunkten am deutlichsten. Am zuverlässigsten sagten die Institute das Ergebnis der Linken (8,6) voraus, die bei sämtlichen Demoskopen zwischen 8 und 9 Prozent lag. Keine der letzten Wahlumfragen sagte voraus, dass die FDP den Einzug in den Bundestag verfehlen würde. Fünf der sieben Institute sahen die AfD zuletzt zwischen 4 und 5 Prozent, Infratest lag mit 2,5 am weitesten entfernt von den 4,7 Prozent, die die Partei erreichen konnte.

Bei der Wahl vor acht Jahren waren die letzten Prognosen der Institute ebenfalls ziemlich gut. Die Umfrage von Allensbach kam dem Ergebnis der Bundestagswahl 2009 mit einer Abweichung von insgesamt nur 4 Prozent am nächsten - vor Forsa (4,2) und Emnid (5,2). Dann folgen Infratest (6,4), GMS (7) und die Forschungsgruppe Wahlen (7,4). Die Institute veröffentlichten ihre letzten Zahlen zwei (Forsa) bis zehn Tage (Emnid und Infratest) vor dem Wahltag. Insa erhob zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Daten zur Sonntagsfrage. Bei der Wahl 2009 fielen die letzten Prognosen bei Grünen und Linken besonders exakt aus, bei der SPD am wenigsten. Infratest sah die Sozialdemokraten bei 26 Prozent und damit drei Punkte besser als im Endergebnis - die höchste Abweichung eines Instituts bei den fünf großen Parteien.

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(Foto: Christoph Wolf/n-tv.de)

Weit schlechter waren die Prognosen 2005. Damals erzielten die Forschungsgruppe Wahlen und Infratest mit jeweils 10,6 Prozentpunkten die niedrigsten Abweichungen. Besser lief es 2002, bei der Wiederwahl von SPD-Kanzler Gerhard Schröder. Forsa lag insgesamt nur um 2,7 Prozentpunkte vom tatsächlichen Ergebnis entfernt. Allensbach verfehlte dies vier Jahre vorher sogar nur um 2 Punkte - der niedrigste und beste Wert eines Meinungsforschungsinstituts bei Bundestagswahlen seit 1998.

"Schulz-Effekt" als Beweis

Und 2017? Sowohl Union als auch SPD machten in den zurückliegenden vier Jahren ihre ganz speziellen Erfahrungen mit Umfragen. CDU und CSU stürzten während der Flüchtlingskrise im Vergleich zu ihrem Ergebnis bei der Bundestagswahl (41,5 Prozent) um mehr als zehn Punkte auf nur noch gut 30 Prozent ab. Inzwischen stehen die Schwesterparteien wieder weit besser da. Die SPD verharrte nach der Wahl 2013 lange zwischen 20 und 25 Prozent. Nach der Kanzlerkandidatur von Martin Schulz im Januar diesen Jahres schnellten die Werte bei den Meinungsforschern innerhalb kürzester Zeit jedoch plötzlich auf zwischenzeitlich mehr als 30 Prozent hoch - um seit Mai wieder auf das alte Niveau abzusinken.

Vor allem der so genannte "Schulz-Effekt" dient Politikern von Union und SPD seitdem als Beweis, wie schnell sich die Stimmung drehen kann. Der Verweis auf die extremen Schwankungen folgt dabei auch einem strategischen Kalkül. Er soll den Wert und die Aussagekraft aktueller Umfragen in Zweifel ziehen. Alles andere würde ja den Eindruck erwecken, als könnten die Zahlen richtig liegen und die Stimmung der Bevölkerung abbilden.

Quelle: n-tv.de