Politik

Präsidentschaftswahlkampf 2020 Wer Trump herausfordern könnte

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Donald Trump hat den Wahlkampf bereits begonnen - sein Herausforderer steht noch nicht einmal fest.

(Foto: REUTERS)

Die demokratische Partei in den USA ist sich darüber einig, dass Donald Trump einer der schlechtesten Präsidenten in der Geschichte des Landes ist. Uneinigkeit herrscht hingegen, wenn es darum geht, wer den 72-Jährigen im Weißen Haus ablösen soll. Wir haben uns zehn potenzielle Kandidaten näher angeschaut. Ein erstes Fazit: Viele Politiker, die derzeit als aussichtsreichste Bewerber gelten, sind eher alt oder stehen relativ weit links. Oder beides.

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Bernie Sanders

(Foto: AP)

Bernie Sanders: Der Senator aus dem US-Bundesstaat Vermont sorgte im Präsidentschaftswahlkampf 2016 mit seinen sozialistischen Ideen für eine Renaissance des linken Flügels innerhalb der demokratischen Partei. Im Gegensatz zu allen anderen Kandidaten auf dieser Liste hat Sanders bereits erklärt, dass er auch 2020 wieder für das Präsidentenamt kandidieren will. Neben seinem fortgeschrittenen Alter - am Wahltag wäre er 79 Jahre alt - bleibt eines seiner größten Mankos wie schon 2016 der fehlende Rückhalt unter Schwarzen, die bekanntlich einen großen Teil der demokratischen Wählerschaft ausmachen.

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Joe Biden

(Foto: dpa)

Joe Biden: Neben Sanders dürfte der ehemalige US-Vizepräsident der Kandidat mit dem größten Wiedererkennungswert sein. Biden, der an der Seite von Barack Obama acht Jahre Teil der US-Regierung war, lässt eine mögliche Kandidatur jedoch weiterhin offen. Laut einer jüngsten Umfrage würde er im Augenblick einen Zweikampf mit Trump für sich entscheiden. Auch gegen Biden spricht sein Alter: Am Tag der Amtseinführung im Januar 2021 wäre er 78 Jahre alt. Zusätzlich ist er ein Politiker der alten Garde, der in der Zeit von #MeToo, "Black Lives Matter" und sozialistischen Einflüssen in der eigenen Partei ein wenig fehl am Platz erscheint.

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Elizabeth Warren

(Foto: Reuters)

Elizabeth Warren: Die Senatorin, die Trump immer als "Pocahontas" verspottet, wird von vielen Experten als eine mögliche Präsidentschaftskandidatin gehandelt. Da Warren und Sanders in zahlreichen politischen Fragen übereinstimmen, wird davon ausgegangen, dass nur einer der beiden am Ende kandidieren wird. Eine Umfrage ergab allerdings, dass selbst in Warrens Heimat-Bundesstaat Massachusetts 58 Prozent der Wähler gegen eine Kandidatur der 69-Jährigen sind. Zwar ist Warren mit einer Zustimmungsquote von 57 Prozent durchaus beliebt. Doch selbst ihre Befürworter befürchten, dass sie gegen Trump den Kürzeren ziehen würde.

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Kamala Harris

(Foto: REUTERS)

Kamala Harris: Obwohl sie erst seit 19 Monaten in Washington tätig ist, hat die 53-jährige Senatorin aus Kalifornien sich rasch einen Namen gemacht. Sie ist jung, dynamisch und repräsentiert gleich zwei Minderheiten im US-Senat: Frauen und Bürger mit Migrationshintergrund. Sie wurde in den Medien bereits als "weibliche Obama" gefeiert. Doch ihr fehlt es an Unterstützung in der weißen Arbeiterschicht. Durch ihre Arbeit im Geheimdienstausschuss des Senats und vor allem durch die Art, wie sie Zeugen ins Verhör nimmt, dürfte sie auch weiterhin im Gespräch bleiben. Fraglich ist jedoch, ob sie die richtige Kandidatin wäre, um Trump zu besiegen.

John Kerry

John Kerry

(Foto: Shawn Thew/EPA/dpa)

John Kerry: Der demokratische Präsidentschaftskandidat von 2004 könnte sechzehn Jahre später einen erneuten Anlauf auf das Weiße Haus nehmen. Auch Kerry hält sich, wie die meisten, zu seinen politischen Absichten bedeckt. Doch nachdem Trump das von Kerry ausgehandelte Atomabkommen mit dem Iran außer Kraft gesetzte hatte, gäbe es nun auch einen persönlichen Grund für ihn, gegen Trump in den Wahlkampf zu ziehen. Als der 74-jährige frühere US-Außenminister von CBS News zu seinen Zukunftsplänen befragt wurde, sagte er: "Ich denke im Moment nicht darüber nach. Über 2020 zu reden ist im Augenblick eine Ablenkung und Zeitverschwendung. Was wir tun müssen, ist, uns auf 2018 zu konzentrieren." Also auf die Midterm-Wahlen, in denen das Repräsentantenhaus und ein Drittel der Senatoren neu bestimmt werden.

Ex-Bürgermeister von New York City und Unternehmer Michael Bloomberg (74) hat 2016 ordentlich zugelegt. Auf Platz acht hat er 40 Millionen dank seines Informationsdienstleistungs- Nachrichten und Medienunternehmen Bloomberg L.P eingenommen. Zum Vergleich: 2015 lag er noch auf Platz 14.

Michael Bloomberg

(Foto: picture alliance / dpa)

Michael Bloomberg: Der ehemalige Bürgermeister von New York erklärte am Sonntag bei CNN, dass er erst nach den Midterm-Elections im November eine Entscheidung über eine mögliche Kandidatur treffen werde. Sollte sich der 76-Jährige, dessen Vermögen laut Forbes auf 51,8 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, für eine Kandidatur entscheiden, dann warten einige Herausforderungen auf ihn. Die größte: Der ehemalige Republikaner, der als Politiker der Mitte gilt, könnte in einer sich stärker nach links orientierenden Partei Schwierigkeiten haben, Unterstützer zu finden. Auch sein Vermögen dürfte in einer Zeit, in der der "Sumpf" in Washington trockengelegt werden soll, als negativ ausgelegt werden.

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Jerry Brown

(Foto: AP)

Jerry Brown: Der Gouverneur von Kalifornien hat sich zusammen mit seiner Regierung in Sacramento eines klar auf die Fahne geschrieben: gegen Trump - wann, wie und wo auch immer. Der bevölkerungsreichste Bundesstaat, der als liberales Aushängeschild in Sachen Klima-, Einwanderungs- und Waffenpolitik gilt, legt ein ums andere Mal rechtliche Mittel ein, um Regierungsentscheidungen aus Washington anzufechten. Für den bereits 80 Jahre alten Brown wäre es nach 1976, 1980 und 1992 bereits der vierte Versuch, die demokratische Präsidentschaftskandidatur zu gewinnen. Sein hohes Alter sowie die Tatsache, dass Kalifornien außerhalb Kaliforniens in den USA eher unbeliebt ist, sprechen jedoch gegen Brown.

Die Außenseiter: Neben den üblichen Verdächtigen dürfen sich seit Trumps überraschendem Wahlsieg vor zwei Jahren auch politikfremde Persönlichkeiten Chancen auf das Weiße Haus ausrechnen. Dazu zählen bei den Demokraten unter anderem Talkshow-Queen Oprah Winfrey, Milliardär und NBA-Teambesitzer Mark Cuban sowie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Auch der schillernde Anwalt der Porno-Darstellerin Stormy Daniels, Michael Avenatti, erwägt eine Präsidentschaftskandidatur. Sollte sich einer der vier für eine Kandidatur entscheiden, so ist davon auszugehen, dass er oder sie zu den Topfavoriten zählen würden.

Fazit: Trotz der täglich vehement von Demokraten vorgetragenen Kritik an Trump gibt es in der Partei niemanden, der als klarer Favorit in den Wahlkampf ziehen würde. Das Feld der potenziellen demokratischen Kandidaten ist auch deshalb so groß, weil die Partei inhaltlich nicht klar aufgestellt ist. Noch sind es gut zwei Jahre bis zu den Wahlen, doch bereits im November nach den Midterm-Elections wird mit den ersten offiziellen Kandidatur-Erklärungen gerechnet.

Quelle: n-tv.de

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