Politik

Schwer bewaffnet, gut organisiert Wer sind die "grünen Männer"?

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Die prorussischen Bewaffneten in der Ukraine bezeichnen sich als "Selbstverteidigungskräfte."

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Werden in der Ukraine Gebäude besetzt, sind immer gut ausgerüstete Männer in grüner Kampfmontur zu sehen. Sie machen lokalen Milizen den Weg frei und halten sich dann im Hintergrund. Bekommen sie ihre Befehle aus Moskau?

Im Osten der Ukraine werden Rathäuser und Polizeistationen besetzt, die Übergangsregierung scheint die Kontrolle über den russischsprachigen Teil des Landes zu verlieren. Das liegt nicht zuletzt an der Unterstützung durch rätselhafte, uniformierte Bewaffnete, die gemeinhin als "kleine grüne Männer" bezeichnet werden - und schon auf der Krim wie aus dem Nichts erschienen.

Doch wer verbirgt sich hinter den Sturmhauben? An ihren meist grünen Kampfanzügen finden sich keine Hoheitszeichen. Bewaffnung, Ausrüstung und Taktik deuten allerdings darauf hin, dass es sich wie auf der Krim um russische Spezialkräfte handelt - zumindest bei einigen von ihnen. Doch der Kreml betont: Es gebe keinerlei russische Soldaten in der Ukraine. Und tatsächlich fehlen klare Beweise. Dazu kommt, dass sich Polizisten und Mitglieder anderer Sicherheitskräfte mehr oder weniger offen gegen die Regierung in Kiew stellen. Darunter sind ehemalige Angehörige der nunmehr aufgelösten Berkut-Einheiten.

Und selbst wenn sich die "grünen Männer" als "Russen" bezeichnen, sagt das im Osten der Ukraine nicht viel aus. Dort sehen sich viele Einwohner als ethnische Russen und nicht als Ukrainer. Ihre Muttersprache ist Russisch.

"Speznas" in der Ukraine?

Dennoch gibt es eindeutige Hinweise, dass viele der offensichtlich militärisch ausgebildeten, gut organisierten Männer wie ihre Waffen nicht aus der Ukraine stammen. Russischsprechende Journalisten vor Ort weisen beispielsweise darauf hin, dass deren Akzent häufig für eine Herkunft aus Russland spricht. Auch nutzen einige von ihnen gelegentlich Wörter, die außerhalb von St. Petersburg nicht gebräuchlich sind.

Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich bei ihnen um einzelne russische Spezialkräfte, die lokale Milizen anleiten. Vermutlich sind sie Angehörige der Einheit "Speznas" des russischen Militärs. Zu ihren Aufgaben zählt die verdeckte Kriegführung hinter feindlichen Linien.

Es sieht so aus, dass diese Spezialisten im Osten der Ukraine Milizen beim Besetzen von Gebäuden anleiten und die Aktion absichern. Das Zusammenspiel läuft immer nach dem gleichen Muster: Die "Speznas" machen den Milizen den Weg frei, dann stürmen Dutzende Rathaus, Polizeistation oder gar Geheimdienstsitze. Sie verschanzen sich, errichten Barrikaden und stellen Forderungen. Diese reichen von mehr Autonomie für die Region bis hin zu einem Anschluss an Russland nach dem Vorbild der Krim. Die Spezialkräfte halten sich wenn möglich im Hintergrund und vermeiden Gespräche.

Die Verwaltungsgebäude besetzenden Gruppen sollen den Eindruck vermitteln, in der Ostukraine finde ein Aufstand gegen die Übergangsregierung statt - vergleichbar mit den Ereignissen auf dem Maidan und in westukrainischen Städten, als Gegner des später gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch Gebäude besetzten. Dabei gibt es im Osten der Ukraine keine Massenproteste. Die wenigen Demonstrationen zählen nur wenige Teilnehmer, dennoch werden zahlreiche Gebäude gestürmt.

Manchmal nutzen die Spezialkräfte auch eindeutig Zivilisten, um ihre Ziele zu erreichen. So stellten sich am Mittwoch Einheimische - unter Anleitung von Bewaffneten - gepanzerten Fahrzeugen des ukrainischen Militärs entgegen, um ein Vorrücken in die Stadt Slawjansk zu verhindern, wo prorussische Gruppen Gebäude besetzt halten. Die Soldaten schossen nicht auf die Zivilisten, anschließend wurden einige Fahrzeuge von Uniformierten ohne Abzeichen gekapert. Sie fuhren damit durch die Innenstadt von Slawjansk - unter russischen Flaggen. Später gab auch der Rest der Militärkolonne auf. Die Soldaten begannen, vor einem uniformierten Mann ohne Abzeichen die Munition aus ihren Waffen zu entfernen. Im Gegenzug erhielt der Trupp die Zusicherung, mit den Militärfahrzeugen den Rückweg antreten zu dürfen.

Doch nun ging diese Taktik fürchterlich schief. In der Nacht zum Freitag zogen dem Innenministerium zufolge etwa 300 Vermummte zu dem Stützpunkt der ukrainischen Nationalgarde in der Stadt Mariupol. Sie verlangten von den Soldaten, sich ihrem Aufstand gegen die Übergangsregierung in Kiew anzuschließen. Später versuchten sie demnach gewaltsam, auf das Gelände vorzudringen. Die Nationalgarde wehrte gemeinsam mit ukrainischen Spezialeinheiten und Hubschraubern die Attacke ab. Drei Menschen starben, 13 weitere wurden verletzt.

Quelle: ntv.de

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