Politik
Ein Ausschnitt aus einem Clip von Denis Cuspert (Abu Talha al-Almani). Der deutsche Islamist wirbt in sozialen Netzen sehr effizient für den Dschihad.
Ein Ausschnitt aus einem Clip von Denis Cuspert (Abu Talha al-Almani). Der deutsche Islamist wirbt in sozialen Netzen sehr effizient für den Dschihad.
Donnerstag, 29. Januar 2015

Großeinsatz in sozialen Netzwerken: Wie der Westen den IS im Internet bekämpft

Von Issio Ehrich

Der Islamische Staat rekrutiert sehr erfolgreich im Web. Allein bei Twitter verbreiten mehr als 45.000 Nutzer die Propaganda der Fanatiker. Sicherheitsbehörden und die Betreiber sozialer Netzwerke kämpfen immer verbissener dagegen an.

Der Westen kämpft nicht nur in Syrien und dem Irak gegen den Islamischen Staat (IS). Der Krieg tobt auch in sozialen Netzwerken wie Youtube, Facebook und Twitter. Die US-Unternehmen, die die Plattformen betreiben, setzten viel daran, Accounts von Dschihadisten zu sperren und die Inhalte, die sie verbreiten, zu löschen. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass die Miliz ihre großen Rekrutierungserfolge bei jungen Männern und Frauen in Europa und den USA vor allem ihrer geschickten Propaganda verdankt.

Sie sind nicht nur eine Gefahr: Für Sicherheitsbehörden sind Posts und Videos des IS mitunter auch eine wertvolle Informationsquelle.
Sie sind nicht nur eine Gefahr: Für Sicherheitsbehörden sind Posts und Videos des IS mitunter auch eine wertvolle Informationsquelle.(Foto: REUTERS)

Eine Studie, die im März erscheinen soll, lässt nun erahnen: Der Kampf im Netz steht der Herausforderung auf dem Boden in wenig nach. J.M. Berger von der Denkfabrik Brookings Institution stellte erste Ergebnisse der Studie Anfang der Woche bei einer Anhörung im US-Kongress vor und ließ vor allem Zahlen für sich sprechen. Allein bei Twitter verbreiten demnach mindestens 45.000 Nutzer IS-Propaganda.

Zwar gilt: Nicht viele der Accounts sind sonderlich populär. Nur einer von vier verfügt über mehr als 500 Follower. Und nur bei einer Handvoll sind es mehr als 20.000. Aber das ist laut Berger nicht das Entscheidende.

Der IS hat laut dem Terror-Experten längst Methoden entwickelt, um mit minimalem Einsatz maximale Wirkung zu erzielen. Eine wichtige Rolle spielen dabei sogenannte Bots. Tausende dieser computergesteuerten Twitter-Konten verbreiten die Mitteilungen wichtiger IS-Propagandisten automatisch. Zugleich gibt es so etwas wie eine Cyberarmee - IS-Anhänger, die sich in enger Absprache untereinander darauf spezialisieren Tweets und Posts weiterzuverbreiten.

Ein effektives Instrument des IS ist es dabei, Tweets mit populären Hashtags, die mitunter überhaupt nichts mit dem Dschihad zu tun haben, zu versehen. Berichten des "Guardian" zufolge nutzten sie zum Beispiel in der Zeit des Referendums über die Unabhängigkeit Schottlands immer wieder den Hashtag #voteno.

Sonderrechte für Sicherheitsbehörden

Youtube reagierte schon sehr früh auf die hochprofessionelle Internet-Propaganda des IS: Die Videoplattform von Google ging eine enge Kooperation mit Sicherheitsbehörden ein. Die genießen seither einen besonderen Status bei Sperr- und Löschanträgen. Meldet etwa das Counter-Terrorism Internet Referral Unit (CTIRU) aus Großbritannien einen verdächtigen Beitrag, löscht Youtube diesen ohne eine weitergehende aufwändige Überprüfung.

Ganz so weit geht Twitter noch nicht. Ein Löschantrag der Sicherheitsbehörden ist dort mitunter noch ein langwieriger Prozess. Im August 2014, kurz bevor der IS das Video der Hinrichtung des amerikanischen Journalisten James Foley veröffentlichte, intensivierte der Kurznachrichtendienst aber seine Bemühungen, Accounts zu sperren massiv. Seither, so das Ergebnis der Studie Bergers, wurden die Konten von 800 bestätigten IS-Mitgliedern gesperrt. Hinzu kamen demnach 18.000 Accounts, die mit ihnen in Verbindung standen.

Twitter zielt vor allem auf die besonders aktiven Accounts. Und das ist angesichts der Bot-Strategie und Unterstützer-Konten laut Berger die genau richtige Herangehensweise. Berger kommt zu dem Schluss: Die aktiven Nutzerkonten können nicht vollständig ersetzt werden, wenn Accounts in der bisherigen Geschwindigkeit weiterhin gesperrt werden. Deshalb könnte es gelingen, die Propaganda im Netz langsam unter Kontrolle zu bekommen. Alle Accounts zu sperren wiederum, wäre selbst dann nicht sinnvoll, wenn es technisch möglich wäre. Vorausgesetzt, sie erreichen nicht allzu viele Menschen, seien viele Tweets und Posts für die Geheimdienste schließlich auch eine wertvolle Informationsquelle.

Quelle: n-tv.de