Politik

"Hart aber fair" Wie lösen wir die Wohnungsnot?

HAF_11_03_19_51.jpg

Menschenrecht Wohnen – in Deutschland leider unbezahlbar? – wurde "Hart aber fair" diskutiert.

(Foto: WDR/Oliver Ziebe)

Millionen Deutsche geben mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus, in den Großstädten gehen selbst heruntergekommene Löcher wie warme Semmeln weg. Ist der Staat gefragt oder müssen wir einfach nur mehr Wohnungen bauen?

Wer in Deutschland heute eine Wohnung sucht, braucht entweder viel Geld oder sehr viel Glück: In den Metropolen hat sich der Mietspiegel in den vergangenen zehn Jahren teilweise verdoppelt, und auch in kleineren Städten und auf dem Land macht sich der Wohnungsmangel mittlerweile deutlich bemerkbar. Doch wie lässt sich die Situation wieder in den Griff bekommen? Das will Frank Plasberg am Montagabend bei "Hart aber fair" wissen.

Zu Gast im Studio sind die Justiz- und Verbraucherschutzministerin Katarina Barley, der Präsident des Immobilienverbands IVD Jürgen Michael Schick, die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer sowie Lucy Redler, die im Parteivorstand der Linken sitzt. Später in der Sendung erzählen außerdem noch der Architekt Michael Schumacher und die Polizistin Dajana Burmann von ihren Erfahrungen.

Gleich zu Beginn der Talkrunde zeigt Moderator Plasberg ein Foto von einer Wohnungsbesichtigung in Berlin: Zu sehen sind 300 Menschen, die sich für gerade einmal sechs Wohneinheiten interessieren. "Das erinnert mich an meine Zeit in Hamburg, da bin ich auch mal in so einem Pulk gestanden", erinnert sich Katarina Barley. Bekommen hat die SPD-Politikerin die Wohnung damals nicht, sensibilisiert ist sie für das Thema seitdem aber in jedem Fall. Das Problem liegt laut Barley nicht an mangelnden Bauprojekten: "Es wird ja allerorten gebaut, aber das sind oft Wohnungen, die sehr groß und luxuriös sind und dann häufig auch lange leer stehen. Kleine und bezahlbare Wohnungen, da passiert viel zu wenig."

Mieter werden "herausmodernisiert"

"Wir doktern an den Symptomen herum, wo doch gerade der Staat Miettreiber ist", findet dagegen FDP-Frau Nicola Beer. In dieselbe Kerbe schlägt Jürgen Michael Schick: "Wenn die Baustandards beim Thema Energieeffizienz und Barrierefreiheit immer strenger werden, dann wird es eben auch immer teurer", sagt der Immobilienmakler treffenderweise - übergeht dabei aber gleichzeitig den Anteil, den seine Branche an den Teuerungen hat, beispielsweise durch überhöhte Maklerprovisionen.

8,6 Millionen Menschen in Großstädten bringen mehr als 30 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens (der empfohlene Höchstwert, Anm. d. Red.) für die Miete auf - auch weil börsennotierte Konzerne wie die Deutsche Wohnen jede Möglichkeit nutzen, an den Stellschrauben für die Mietpreise zu drehen, zum Beispiel durch teure Modernisierungen: "Die Deutsche Wohnen setzt darauf, fünf Prozent ihrer Mieter pro Jahr herauszumodernisieren", sagt Lucy Redler und findet, dass "in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine Enteignung der Mieter stattgefunden hat".

In Anbetracht der angespannten Situation möchte die Linken-Politikerin den Spieß umdrehen und ihrerseits die großen Wohnungsgesellschaften enteignen. Das Erstaunliche dabei: Justizministerin Barley ist auf Redlers Seite. "Enteignung darf man nicht total verteufeln. Aber dann muss man sich auch darüber im Klaren sein, dass man dafür angemessen entschädigen muss", sagt die SPD-Politikerin. Um wieviel Geld es dabei gehen würde, daran scheiden sich die Geister: Von sieben bis 30 Milliarden Euro ist hier die Rede. Ob man dafür nicht jede Menge neue Wohnungen bauen könnte, stichelt Moderator Plasberg.

Die Polizei, dein Freund und Pendler

Einer, der bereits zur Tat geschritten ist, ist Michael Schumacher. Der Architekt baute in Frankfurt Wohnungen, die nicht nur alle energetischen Standards erfüllen, sondern auch für unter zehn Euro pro Quadratmeter kalt zu mieten sind - in Frankfurt ist das bereits untere Grenze. Das funktionierte allerdings nur mit diversen Abstrichen: Die Treppenhäuser liegen im Freien, auf Flure müssen die Mieter komplett verzichten. Denn "das ist das Elend an der Sache: Wenn wir alle Vorschriften einhalten, die einzeln ja alle sinnvoll sind, kann nur ein Haus rauskommen, dass 16 Euro pro Quadratmeter kostet." Und das können dann die Wenigsten bezahlen.

So wie die Bundespolizistin Dajana Burmann, die in Düsseldorf arbeitet und im 80 Kilometer entfernten Castrop-Rauxel wohnt: "Mein Wecker klingelt morgens um 4 Uhr, dann mache ich mich auf den Weg zur Arbeit. Abends bin ich dann zwischen 16 und 18 Uhr wieder zuhause." Düsseldorf ist schlicht und ergreifend zu teuer für die junge Frau. Die Konsequenzen sind gravierend: "Es fehlt die Identifizierung mit der Stadt, in der ich arbeite. Man kennt sich nicht so aus, weiß nicht sofort, wo die Dinge liegen", sagt Burmann. Und wenn jemand sofort wissen sollte, wo was ist, dann doch die Polizei. Oder etwa nicht?

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema