Politik

Gauland über die zwei Gruppen in der AfD "Wir als normale Deutsche"

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"Konservativer mit enger Verbindung zu Liberalen": Alexander Gauland.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auf einem Parteitag in Aschaffenburg hat die AfD am Samstag die ersten sechs Plätze ihrer Europawahlliste zusammengestellt. Im Vorfeld des Treffens hatte Alexander Gauland, Mitbegründer und einer der Sprecher der AfD, einen Artikel veröffentlicht, in dem er die zwei Gruppen beschrieb, die sich in seiner Partei versammeln: die "volkswirtschaftlich gebildeten Wirtschaftsliberalen" sowie jene, "die Werte, Strukturen und Haltungen vermissen, die bei Eltern und Großeltern noch selbstverständlich waren". Der Zorn dieser Gruppe äußere sich "in einer Sprache, die den Minimalkonsens demokratischer Debattenkultur aufkündigt", so Gauland.

n-tv.de: Sie haben vor dem Europaparteitag der AfD in der FAZ einen Artikel mit der Überschrift "Die AfD in der Krise" veröffentlicht.

Alexander Gauland: Für die Überschrift kann ich nichts, die ist nicht von mir. Das macht die Zeitung selbst. Nur der Text geht auf mich zurück, nicht die Überschrift.

Auch der Text legt nahe, dass die AfD sich in einer Krise befindet, dass sich zwei Blöcke gegenüberstehen, die nicht viel Kontakt zueinander haben.

Nein, das sehe ich nicht so. Ich habe auch gar nicht gesagt, dass die Partei gespalten sei. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass es zwei unterschiedliche Interessen gibt, die wir zusammenführen müssen, wenn wir erfolgreich sein wollen. Ich habe das in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gemacht, weil die Auseinandersetzungen in der hessischen AfD viele unserer Wähler völlig ratlos zurücklassen - nach dem Motto: Was ist denn das für ein irrer Haufen? Ich habe versucht zu erklären, dass es zwar ideologische Unterschiede gibt, dass aber beide Gruppen zusammen wirken müssen.

Ist es nicht doch ein Richtungsstreit zwischen Nationalkonservativen auf der einen und gemäßigten Konservativen auf der anderen Seite?

Ich würde das nicht Richtungsstreit nennen. Ich würde sagen, es gibt die Wirtschaftsliberalen, denen das Euro- und Europathema wichtig ist. Und es gibt viele Menschen in unserer Gesellschaft, die ich gerade im Wahlkampf kennenlerne, die man besonders im Osten findet, in Sachsen, Thüringen und Brandenburg (Anm.: in diesen Bundesländern finden in diesem Jahr Landtagswahlen statt), die das Gefühl haben, in der öffentlichen Debatte mit ihren Vorstellungen nicht mehr vorzukommen, die wieder gehört werden wollen. Diese Menschen müssen wir mitnehmen, um eine Chance zu haben, sicher über die fünf Prozent zu kommen.

Sind das nicht auch gleichzeitig die Menschen, die AfD-Parteitage sehr chaotisch wirken lassen, mit Geschäftsordnungsanträgen und dergleichen?

Nein, das würde ich nicht sagen. An der Basis lernt man Menschen kennen, die mit Geschäftsordnungsanträgen nichts zu tun haben, die aber das Gefühl haben: Das, was wir als normale Deutsche denken, kommt nicht mehr vor. Und das müssen wir in der AfD thematisieren - deutsche Identität, Zuwanderung, Sozialzuwanderung, multikulturelle Gesellschaft, auch Dinge wie die Homo-Ehe. Dazu haben wir (als Partei) keine Meinung, aber das bewegt viele Menschen, mehr als der Euro. Das habe ich versucht darzustellen. Ich habe überhaupt nicht Partei genommen, sondern habe gesagt: Das sind zwei Interessen von verschiedenen Gruppen, und die müssen wir beide behalten.

Wenn Sie Partei nehmen müssten, wo würden Sie sich positionieren?

Ich gehöre eher zu den Konservativen, mit einer engen Verbindung zu Liberalen. Aber ich bin im Brandenburger Landesverband, und es gibt stärkere Hinneigung zu nationaler Identität in den ostdeutschen Bundesländern als im Westen.

Wie weit rechts kann man in der AfD sein, um noch legitimerweise zur Partei zu gehören?

Ich weiß gar nicht, was "Rechts" ist. Ich weiß auch nicht, was der "rechte Rand" ist. Es geht ja nicht um ein Rechts-Links-Schema, sondern es geht um bestimmte Fragen, die man ganz normal beantworten muss. Da sehen die Brandenburger vielleicht manche Dinge - Heimat, Identitätsgefühl - anders als Baden-Württemberger. Das hat aber mit "Rechts" nichts zu tun. Wir haben uns klar von der NPD und von der DVU abgegrenzt, und damit ist das Thema erledigt. Ich will Wähler aus allen Schichten, ich will Wähler aus allen Parteien. Aber es ist klar, dass jemand, der früher in der NPD oder in der DVU war, bei uns keine Rolle spielen kann. Wir fischen nicht am rechten Rand, wir fischen überall.

Unlängst haben sich Liberale und Konservative in der AfD zu einer Plattform mit dem Namen "Kolibri" zusammengeschlossen. Hat man Sie angesprochen, ob Sie da mitmachen wollen?

Ich bin angesprochen worden, aber ich habe mich im Moment für gar nichts entschieden - es gibt ja auch aus Sachsen sogar eine patriotische Plattform. Ich möchte, dass im Bundesvorstand mal diskutiert wird, wie wir uns dazu verhalten. Im Bundesvorstand gibt es dazu noch keine Meinung, die müssen wir uns erst bilden. Bis dahin stehe ich zwar vielen Personen bei "Kolibri" mit großer Sympathie gegenüber, das gilt besonders für (AfD-Pressesprecherin) Dagmar Metzger, aber ich bin nicht formal Mitglied.

Mit Alexander Gauland sprach Hubertus Volmer

Quelle: ntv.de