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Dulig will Sachsen-SPD retten "Wir sind keine Dauerverlierer-Partei"

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In schwerer Mission, aber dennoch optimistisch: Sachsens SPD-Spitzenkandidat Dulig.

(Foto: picture alliance / dpa)

Drei Wochen vor der Landtagswahl steht die Sachsen-SPD bei mageren 14 Prozent. Spitzenkandidat Martin Dulig lässt sich davon nicht beeindrucken. Im Interview erklärt er die Eigenheiten der stolzen Sachsen - und wie er 2019 Ministerpräsident werden will.

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Die Plakatkampagne der Sachsen-SPD.

(Foto: SPD Sachsen)

n-tv.de: Wie lange warten Sie eigentlich auf die Polizei?

Martin Dulig: Ich hoffe, dass ich die Polizei nicht häufig brauche. Aber jemand, der bei mir im Landkreis in Meißen in der Nähe der Autobahn wohnt, muss gerne mal 20 Minuten warten. Wir haben einfach zu wenige Polizisten.

Sie setzen im Wahlkampf nicht nur auf stark personalisierte Plakate, sondern auch auf eine Küchentisch-Tour. Was hat es damit auf sich?

Ich bin mit dem Tisch unterwegs, der seit Jahren bei mir zu Hause in der Küche steht. An dem saßen bisher meine besten Berater: meine Kinder, meine Frau und meine Freunde. Wenn man über Bildung und Zukunft redet, hat man eine bessere Glaubwürdigkeit, wenn man sie leibhaftig am Tisch hat. Ich habe einen sehr persönlichen Bezug, denn bei sechs Kindern habe ich alle Bildungsbiografien am Tisch. Ich weiß beispielsweise, was es heißt, wenn Eltern um einen Kitaplatz kämpfen müssen. Deshalb lade ich jetzt die Menschen dazu ein, an meinem Küchentisch mit mir zu reden. Es funktioniert hervorragend.

In den Umfragen spiegelt sich das noch nicht wider. Die SPD steht bei 14 Prozent. Kann man damit Ministerpräsident werden?

Nein, das kann man nicht. Deswegen bin ich ja auch Spitzenkandidat und nicht Ministerpräsidenten-Kandidat. Ich habe einen sehr realistischen Blick auf die SPD in Sachsen und das, was wir erreichen können. Ich möchte gern mal Ministerpräsident werden, aber das wird in diesem Jahr noch nicht funktionieren. Deswegen habe ich eine längerfristige Perspektive. Bei meiner Wahl zum Landeschef habe ich 2009 gesagt, dass ich mehr als zehn Jahre Zeit brauche. Aber ich weiß natürlich, dass ich jetzt schon liefern muss. Bei den vergangenen drei Wahlen lagen wir bei zehn Prozent. Da ist sicherlich noch Luft nach oben.

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Martin Duligs Küchentisch ist gleichzeitig wertvoller Wahlkampfbegleiter.

(Foto: picture alliance / dpa)

Warum ist die SPD in Sachsen so schwach wie in keinem anderen deutschen Bundesland?

Wir haben den Menschen in Sachsen jahrelang eingeredet, wie schlecht es ihnen geht und wie ungerecht das ist. Aber den Leuten ging es gar nicht so schlecht. Dadurch haben wir uns zum Fremdkörper gemacht. Meine Aufgabe war es in den vergangenen Jahren, die SPD mit Land und Leuten zu versöhnen. Die Sachsen sind sehr stolz auf ihr Land. Kurt Biedenkopf hat einen Sachsen-Mythos geschaffen. Wenn man hier eine Umfrage macht, würde man sehen: Viele glauben, dass wir Sachsen besser sind als alle anderen. Selbst wenn es objektive Daten gibt, die das widerlegen. Zum Beispiel ist die Wirtschaftskraft in Thüringen inzwischen größer.

Was heißt das für Sie und die SPD?

Wir müssen anerkennen, dass es Sachsen gut geht. Das Problem ist: Die CDU verwaltet Sachsen nur, hat aber keinen Gestaltungsanspruch. Deswegen heißt unser Slogan: Unser Sachsen für morgen. Es geht um unser Sachsen, man darf ruhig mal Heimat sagen - auch in der SPD.

Was ist denn dann Ihr Ziel bei der Wahl? Vielleicht eine Große Koalition als Juniorpartner mit dem alten und neuen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich?

Mein erstes Ziel ist eine starke SPD. Das zweite Ziel ist eine starke SPD und das dritte eine starke …

Und das vierte?

Natürlich will ich Regierungsverantwortung übernehmen. Opposition ist Mist, hat Franz Müntefering gesagt. Damit hat er recht. Ich habe aus den Fehlern der SPD gelernt und keine Koalition ausgeschlossen. Es gibt zurzeit keine linke Mehrheit, deswegen kann es sein, dass die SPD mit der CDU zusammen in eine Regierung geht. Zumindest die Sachsen wollen das. Umfragen zufolge befürworten 80 Prozent, dass die SPD in die Regierung geht. Über die Hälfte der Sachsen will, dass wir mit der CDU koalieren.

Na dann, ist doch alles geklärt ...

Wir entscheiden am 31. August. Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass wir schon Ämter und Posten verteilen, obwohl die Wahl noch gar nicht gelaufen ist.

Wann werden Sie denn dann Ministerpräsident, wenn noch nicht in diesem Jahr?

Die große Herausforderung ist es, das Image der kleinen schwachen SPD abzulegen, die immer nur verliert. Wir sind keine Dauerverlierer-Partei. Aber ich werde mich nicht stressen. Ich bin 40 Jahre alt, habe sechs Kinder - wenn ich eines gelernt habe, ist es Gelassenheit. Wir müssen bei dieser Wahl einen Schritt nach vorne machen. 2019 geht es dann um mehr.

Mit Martin Dulig sprach Christian Rothenberg

Quelle: ntv.de